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| 17:02 Uhr

Kandidatenlisten mit faustdicken Überraschungen
Kommunalwahlen mit Zündstoff

 Überraschung: In Elsterwerda und Herzberg kandidieren Bürgermeisterin Anja Heinrich und Bürgermeister Karsten Eule-Prütz für ihre jeweilige Stadtverordnetenversammlung.
Überraschung: In Elsterwerda und Herzberg kandidieren Bürgermeisterin Anja Heinrich und Bürgermeister Karsten Eule-Prütz für ihre jeweilige Stadtverordnetenversammlung. FOTO: Veit Rösler / VRS
Bad Liebenwerda. In Herzberg und Elsterwerda kandidieren die Bürgermeister – in Bad Liebenwerda treten Ortsvorsteher geballt an. Von Frank Claus und Manfred Feller

Der Blick auf die Listen für die Kommunalwahlen am 26. Mai gibt einige Überraschungen preis. In Elsterwerda und Herzberg kandidieren die Bürgermeister für ihre Stadtverordnetenversammlungen. Neue Gruppierungen und Wählergruppen haben sich etabliert, einige bisherige und einstige Abgeordnete haben selbige oder gar die Parteien gewechselt. In einigen Kommunen haben die Wahlausschüsse bereits am Donnerstag – um 12 Uhr endete die Frist zum Einreichen der Wahlunterlagen – getagt, in einigen erfolgt das in der nächsten Woche. Alle hier dargestellten Entwicklungen sind also vorbehaltlich der Entscheidungen der Wahlausschüsse und des zweitägigen   Einspruchsrechtes zu betrachten.

Elsterwerda. Das überrascht: Bürgermeisterin Anja Heinrich steht in Elsterwerda auf Platz 1 der CDU-Liste und will damit Stimmenzieherin werden. Gleiches macht Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz (parteilos), der sich auf die Liste der Ländlichen Wählergruppe Kreisstadt Herzberg/Elster setzen ließ. Es ist zu vermuten, dass beide bei erfolgreicher Wahl ihr Abgeordnetenmandat nicht annehmen, sondern lieber Bürgermeister/-in bleiben wollen. Weshalb machen sie es trotzdem?

In einer schriftlichen Stellungnahme erklären beide: „Unsere Kandidatur ist kein Testlauf, sondern die Gewährleistung, das vom Bürger zur Bürgermeisterwahl erwählte Entwicklungsprogramm mit einem starken Team, einer starken Fraktion, die hinter ihrem Bürgermeister steht, auch verlässlich als Mitglied der kommenden SVV umzusetzen.“ Rechtlich sei die Kandidatur möglich, sagen sie und verweisen auf prominente Vorgänger, wie den ehemaligen EE-Landrat Klaus Richter (SPD), den ehemaligen Herzberger Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU) oder Dietlind Thiemann (CDU, einstige Oberbürgermeisterin in Brandenburg), die es ebenso handhabten,  um Mehrheiten zu erzielen.

Auf der Elsterwerdaer CDU-Liste fällt zudem der Name des stadtbekannten Apothekers Stephan Creuzburg, einst als FDP-Mitglied der ersten Stadtverordnetenversammlung angehörend, auf. Auch nur ein Stimmenzieher? Stephan Creuzburg, vor längerer Zeit aus der FDP ausgetreten, dementiert: „Sollte ich gewählt werden, nehme ich das Mandat an.“ Mit Sigrid Hilse ist eine bekannte Unternehmerin neu unter den 18 Wahlbewerbern. Auffällig: Der bisherige Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Patrick Weser, rangiert nur auf Platz 18.

Die Linke geht weiter mit Frontmann Bernd Raum ins Rennen, hat sich mit Jugendkoordinatorin Tina Ducke verjüngt. Jens Lippitsch, als LUN-Mann bereits jetzt in der Fraktion, kandidiert nun direkt für die Linke. Die SPD wird auf der neunköpfigen Liste wieder von Ex-Landrat Klaus Richter angeführt und stellt mit Thomas Greiner, Michaela Jahn und Ronny Hahn stadtbekannte Leute neu bzw. wieder auf.

Die AfD wird von Helfried Ehrling angeführt. Zu den sechs Bewerbern auf der Liste gehört Kreischef Volker Nothing. Bündnis 90/Die Grünen kommen neu aufs Parkett, unter anderem mit Kerstin Schenkel, ehemals Piraten. Thomas Gehre aus Kraupa tritt als Einzelbewerber an.

Für ein Achtungszeichen sorgt eine neue Gruppierung: Bürger für Elsterwerda heißt sie. Auf der Liste, angeführt von Andreas Franke, stehen 14 Personen, unter anderem die in der Stadt gut bekannten Mike Alsdorf, Andreas Richter, Rene Gehre und Peter Bernhardt.

Bad Liebenwerda. In die Kurstadt kommt richtig in Bewegung. Die CDU-Liste ist kräftig durchgeschüttelt. Zugpferd soll nun Schulleiterin Monika Lehmann werden. Hagen Hentschel bleibt als Wortführer der jetzigen Legislatur an Bord, das Vater-Sohn-Gespann Hans-Ulrich und Michael Lubk will wieder in die Politik.

Bei den Linken bleiben Hubert Blaas, Cornelia Dietze, Claudia Sieber und Helmut Andrack die Frontleute. Bei der SPD soll Doreen Weizsäcker auf dem Spitzenplatz weiter wachsen. Der parteierfahrene Harald Lax steht auf Platz zwei der siebenköpfigen Liste. Zwei Parteien/Wählergruppen lassen am meisten aufhorchen. Die FDP will so richtig aufmischen und geht mit acht, in der Stadt zumeist sehr bekannten Frauen und Männern, an den Start, u. a.: Reiko Mahler, Anja Schwinghoff, Sabine Wenzel, Astrid Dehnz, Volker Dörschel und Tobias Baade.

Neu ist eine Wählergruppe, die sich in ihrer Findungsphase noch Wählergruppe für die Ortsteile nannte. Inzwischen heißt sie Wählergruppe Ortsteile/Stadt und hat prominente Gestalter des dörflichen Lebens wie Johannes Berger, Jan Fromm, Hans-Joachim Harnack, Gudrun Heide und Siegmar Dietrich in ihren Reihen. Für die AfD treten Andreas Schober und Michael Terne an. Bündnis 90/Die Grünen will Valentine Siemon ins Parlament führen. Einzelbewerber ist Rico Gogolin, und für die Initiative „Prieschka hat Zukunft“ tritt Björn Küster an.

Bis auf Zobersdorf gibt es überall Kandidaten für die Ortsbeiräte, in Thalberg allerdings nur zwei. Zwei altgediente „Hasen“ ziehen sich in ihren Orten aus der Verantwortung zurück: Elke Hainke in Möglenz und Helmut Andrack in Zeischa.

Mühlberg. In der Elbestadt gibt es keine ganz großen neuen Entwicklungen. Die CDU und die Wählergemeinschaft Wirtschaftsraum Mühlberg stellen mit je sieben Bewerbern die meisten Kandidaten auf ihren Listen. Dazu gibt es drei Wählergemeinschaften, die im Namen ihrer Orte kandidieren und mit Dieter Jähnichen aus Brottewitz einen Einzelbewerber. Für die Ortsbeiräte kandidieren mindestens je drei Bewerber. Nicht mehr auf der Mühlberger Liste ist der jetzige Ortsbürgermeister Matthias Lohfink.

Amt Plessa. Gewählt werden die Gemeindevertretungen von Plessa, Gorden-Staupitz, Hohenleipisch und Schraden, die jeweiligen Bürgermeister sowie die Ortsbeiräte von Kahla und Döllingen und die beiden Ortsvorsteher von Gorden und Staupitz. Alle vier ehrenamtlichen Bürgermeister wollen sich erneut der Wahl stellen.

In Plessa treten nach Auskunft von Wahlleiterin Anja Heller die bisherigen Parteien und Wählergruppen an. Einzig in Hohenleipisch wollen erstmals je ein Kandidat für die Partei Die Linke sowie für die AfD einziehen. Eine Besonderheit in Schraden sei, dass es dort traditionell ausschließlich Einzelbewerber gebe. Der Wahlausschuss tagt am Dienstag.

Amt Schradenland.  Die vier ehrenamtlichen Bürgermeister machen nicht mehr weiter. Ihre potenziellen Nachfolger stehen in den Startlöchern. In Hirschfeld wollen gleich vier Kandidaten antreten, in Merzdorf zwei und jeweils einer in Großthiemig und Gröden. Genügend Kandidaten von Parteien und Wählergruppen hätten sich auch für die vier Gemeindevertretungen beworben, so Wahlleiterin Kathleen Wilken. AfD-Bewerber gebe es keinen, aber in Hirschfeld einen für die NPD. Über die Gültigkeit der Bewerbungen befindet der Wahlausschuss am Dienstag.

Gemeinde Röderland. Ein Generationswechsel kündigt sich auch in Röderland an. Dort werden die Gemeindevertretung und sieben Ortsbeiräte gewählt, teilt Wahlleiterin Marion Ereth mit. Erstmals habe die AfD einen Kandidaten für die Gemeindevertretung aufgestellt. Auch in Röderland muss der Wahlausschuss noch tagen.