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Knast beim nächsten Fehltritt

Bad Liebenwerda. Was treibt ein in Riesa geborener Wahl-Berliner mit Drogen in der Tasche im Landkreis Elbe-Elster? Den Stoff zu Geld machen? Die Polizei hatte den 31-Jährigen am 5. April 2014 auf dem Bahnhof Herzberg kontrolliert. Manfred Feller

Bis zur Verhandlung vor dem Schöffengericht Bad Liebenwerda hat es drei Jahre gedauert.

Die Beamten hatten bei Dan N. laut der Anklage der Staatsanwaltschaft Cottbus 0,28 Gramm Heroingemisch und 12,58 Gramm Methamphetamin gefunden. Die vom Labor festgestellte Wirkstoffmenge beträgt 10,07 Gramm. Das liegt knapp über der Grenze für eine nicht geringe Menge. Nach dem Betäubungsmittelgesetz handelt es sich um ein Verbrechen. Dieses wird mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr geahndet.

Der strafverschärfende Handel mit Drogen kann dem Mann nicht nachgewiesen werden. Vor Gericht gibt er an, die Betäubungsmittel natürlich für den Eigenbedarf bei sich gehabt zu haben. Seine damalige tägliche Konsummenge habe ein halbes Gramm der zerstörerischen synthetischen Droge Crystal Meth betragen.

Er gibt zu, ein Drogenproblem gehabt zu haben. Die jahrelange Einnahme merkt man ihm heute nicht an. Der Mann mit dem trendigen Superkurzhaarschnitt spricht deutlich, überlegt und mit leichtem sächsischen Akzent.

Die Polizeibeamten fanden bei ihm noch Utensilien für den Drogenkonsum, ein defektes Klappmesser und einen Elektro- schocker. Letzteren, so der Angeklagte, der aus der Justizvollzugsanstalt Cottbus in Handschellen vorgeführt worden war, habe er in einem Scherzartikelladen gekauft. "Es ist kein echter", beteuert er. Sein Glück.

Das Leben von Dan N. ist eine Berg- und Talfahrt. Aufgewachsen mit Mutter, Oma und Opa, hat er die Schulzeit nach der 9. Klasse beendet. Die Ausbildung im Hotelfach brach er nach eineinhalb Jahren ab. Diese möchte er eventuell nachholen. Zwischenzeitlich hat er seinen Lebensunterhalt als Verkäufer bestritten und war mit seiner damaligen Freundin zwei Jahre zum Arbeiten in Österreich.

Zurück nach Berlin, sagt er vor Gericht, ist er 2008 wieder den Drogen verfallen. Sein Halt seit August 2014 sei seine neue Lebensgefährtin. Mit deren Kind bildet er eine kleine Familie. Er habe seiner Freundin versprochen, keine Drogen mehr anzufassen, wenn er aus der inzwischen mehrmonatigen Untersuchungshaft zurückkehren darf.

"Brauchen Sie noch Hilfe?", spielt Schöffenrichter Egon Schaeuble auf dessen Drogenkarriere an. "Ich denke schon", erwidert Dan N. "Eine Drogenberatung wäre gut und eine ambulante Therapie. Ich bin bereit, regelmäßig, freiwillig einen Drogentest zu machen. Ich weiß, dass ich es schaffe, ohne Drogen zu leben", gibt er sich geläutert. Solche Einsichten kommen vor Gericht immer gut an. Allerdings ist die Rückfallquote sehr hoch und die Abkehr besonders von den synthetischen Giften eine Lebensaufgabe.

Der 31-Jährige untermauert seine festen Absichten jedoch. Der Vater seiner Lebensgefährtin ("Es ist mein erster richtiger Schwiegervater.") habe ihm in seiner Fahrradmanufaktur in Berlin ein Praktikum angeboten. Es bestünde die Aussicht, dass das junge Paar eines Tages das Geschäft übernehmen kann.

Wegen der nicht geringen Menge Betäubungsmittel plädiert Staatsanwältin Iris Fredebold für eine Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Aufgrund der positiven Entwicklung des Mannes und seiner weniger schweren Straftaten seit 2011 (vornehmlich Schwarzfahrten in Verkehrsmitteln) sollte es Bewährung geben. In diesen drei Jahren müsste er eine Reihe von Auflagen erfüllen.

Aus Sicht von Rechtsanwalt Andreas Dembski ist angesichts der guten Sozialprognose die Mindeststrafe von einem Jahr plus Bewährungszeit ausreichend.

Das Schöffengericht verhängt schließlich ein Jahr und drei Monate Haft bei dreijähriger Bewährungszeit plus 160 Sozialstunden, Suchtberatung und Bewährungshilfe. Die U-Haft wird angerechnet. Die Handschellen werden Dan N. nach dem Urteil nicht mehr angelegt. Er ist frei.