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| 10:41 Uhr

Aus dem Gericht
Knacki soll 1100 Euro für ein Bier und Käse bezahlen

Bad Liebenwerda/Finsterwalde. Zwei Ladendiebstähle und ein Hausfriedensbruch kommen einem einschlägig vorbestraften Finsterwalder sehr teuer zu stehen. Der Verurteilte nimmt es gelassen. Von Manfred Feller

Bezahlen wäre günstiger gewesen. Für zwei Diebstähle geringwertiger Sachen und einen Hausfriedensbruch ist ein vielfach vorbestrafter Finsterwalder vor dem Amtsgericht in Bad Liebenwerda zu einer saftigen Geldstrafe von zusammen 110 Tagessätzen zu je zehn Euro verknackt worden. Der 36-Jährige, in Handschellen aus der Justizvollzugsanstalt Cottbus an- und wieder abgereist, nimmt den Richterspruch mit verschränkten Armen und regungslosem Gesichtsausdruck zur Kenntnis.

Ohne seine kriminelle Vorgeschichte wäre der in Jogginghosen und beigefarbenem Kapuzenshirt in der Anklagebank sitzende Mann laut dem Gericht gar nicht strafrechtlich verfolgt worden. Seine Gleichgültigkeit sei auffallend. „Ich sitze hier schon ziemlich lange“, sagt ihm die Richterin. „Aber, dass jemand völlig unbeeindruckt ist, ist mir noch nicht passiert.“ Auch die Staatsanwältin stellt dies fest und fragt: „Die Haft beeindruckt sie nicht. Essen und so alles gut?“ „So ungefähr“, erwidert der bärtige Igelschnitt-Finsterwalder wortkarg.

Staatsanwaltschaft und Gericht sehen es als erwiesen an, dass der 36-Jährige am 23. November 2016 und am 10. Januar 2017 bei einem Discounter gestohlen hat, zunächst in der Sonnewalder Straße der Sängerstadt und dann in der Schacksdorfer Straße.

Schon nach der ersten Tat bekam er vom Sicherheitsdienst ein zeitlich unbegrenztes Hausverbot für alle gleichnamigen Einkaufsmärkte in ganz Deutschland, sagte der Detektiv als Zeuge vor Gericht aus. Also war der zweite Besuch gleichzeitig ein Hausfriedensbruch.

Der von vornherein auffällige Ladendieb mit Rucksack war jeweils vom Hausdetektiv verfolgt worden. Beim ersten Mal wollte er Backwaren für 7,28 Euro, Bettwäsche für 15,98 Euro und eine Flasche Bier für 69 Cent stehlen. Bis auf den Gerstensaft habe er alles wieder zurückgelegt, weil er gemerkt hatte, dass er von einem Kunden und einer Mitarbeiterin beobachtet wird, so der Sicherheitsdienst. Bei der Kontrolle nach der Kassenzone behauptete der Mann, das Bier mitgebracht zu haben. Beim zweiten Mal habe er sich Käse für vier Euro in den Hosenbund gesteckt. Gefunden wurde bei der Leibesvisitation, die laut dem Detektiv den Intimbereich auslässt, nichts.

Darauf besteht auch der Angeklagte: „Es ist nie was gefunden worden. Ich habe nichts getan.“ Doch der Detektiv als Zeuge sei laut dem Gericht glaubhaft.

Der Finsterwalder sitzt seit September 2017 zwei widerrufene Bewährungsstrafen (sieben und acht Monate) ab. Seit 2006 ist er immer wieder von Gerichten zu Geld- sowie Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden: in Bad Liebenwerda, Senftenberg, Rosenheim und Berlin - für Körperverletzung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Drogenbesitz sowie Diebstahl mit und ohne Waffe.

Seit dem Abgang aus der 9. Klasse hat er nichts auf die Reihe bekommen, vielmehr Alkohol und Drogen konsumiert. Seine Eltern leben im Ausland.

Die Staatsanwaltschaft plädiert dafür, den einschlägig Vorbestraften mit 110 Tagessätzen zu je 15 Euro zu bestrafen. Der Pflichtverteidiger sieht nur den Hausfriedensbruch als nachgewiesen an. „Eine geringe Geldstrafe reicht“, sagt er. Der Richterspruch für den Wiederholungstäter lautet 110 Tagessätze zu je zehn Euro. Dagegen können Rechtsmittel eingelegt werden.