Von Frank Claus

Es war ein heißer Sommer für den Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda (WAV) und das beileibe nicht nur wegen der langanhaltenden Hitze und Trockenheit.

In der Nacht vom 8. zum 9. Juli „knallt“ es im Nachklärbecken 1. Als die Mitarbeiter früh zur Arbeit kommen, bemerken sie, dass die große Räumbrücke – so heißt der wuchtige „Quirl“, der sich im Becken dreht, die Biologie in Schwung hält und den zu Boden gesunkenen Schlamm in die Mitte des Beckens schiebt – steht. Die Räumbrücke hat die etwa drei bis vier Millimeter starken Tauchwände am Rand des Beckens mit 35 Meter Durchmesser „aufgefressen“. Besser: Abgeschert wie von einem Dosenöffner. 37, etwa 30 Zentimeter breite Bleche – Gesamtlänge etwa 100 Meter– liegen damit in Einzelteilen verstreut auf dem Beckenboden des Nachklärbeckens.

Graue Brühe in der Schwarzen Elster

Damit nicht genug: Das hat zur Folge, dass wochenlang eine graue Brühe in die benachbarte Schwarze Elster fließt. Das wiederum ruft empörte Bürger, Untere Wasserbehörde und Landesumweltamt auf den Plan.

Und wäre all das nicht schon genug, ploppt noch ein Problem auf: In der Stadt wird der Unmut größer. Immer wieder stinkt es in einigen Teilen des Stadtgebiets übel aus dem Abwasser-Kanalnetz.

Jetzt, vier Monate später, atmen Maik Hauptvogel, Verbandsvorsteher des Verbandes, und Sylvio Graf, Technischer Leiter, auf. In dieser Woche vermelden sie: Das Klärwerk Elsterwerda, in das täglich immerhin etwa 3000 Kubikmeter Abwässer fließen, läuft wieder im Normalbetrieb.

„Impfschlamm“ fürs Klärwerk

Vorausgegangen sind aufwändige Reparaturarbeiten. Spezialtaucher mussten die geborstenen Metallbleche vom Grund des Nachklärbeckens holen. Später stellt sich heraus, dass das Wasser aus dem Becken komplett abgeleitet werden muss, um umfassend reparieren zu können. Mehrere Tage stehen Mitarbeiter des Verbandes und beauftragter Spezialfirmen im Schlamm, schieben den mit Schneeschiebern zusammen, um ihn mit leistungsstarken Pumpen abzusaugen. Die in die Elster eingeleitete graue Brühe führt zu einer Sauerstoffzehrung im Fluss. Eine mobile Anlage, die der Elster und einem weiteren Nachklärbecken Flüssigsauerstoff zuführt, wird aufgebaut.

Das Becken mit seinen Anlagen, die sonst tief im Klärwasser ihren Dienst verrichten, werden zum größten Teil komplett erneuert. Anfang September sind die Reparaturen beendet. Jetzt muss das Becken langsam wieder befüllt werden. Aus Gröditz wird Impfschlamm angeliefert, der hilft, die Biologie im Becken herzustellen. Mit Brauchwasser wird der riesige „Kessel“ langsam aufgefüllt. In kleineren Mengen werden erste Abwässer eingeleitet. Bis die Biologie richtig arbeitet, braucht es Zeit. Anfang Oktober schließlich ist der Füllstand erreicht. Dauerhaft werden Proben gezogen und im Labor untersucht. Am 25. Oktober kann die Flüssigsauerstoffzufuhr in dem benachbarten Nachklärbecken und in die Schwarze Elster eingestellt werden.

Weitere Arbeit am Geruchsproblem

Zum gleichen Zeitpunkt vermeldet der Technische Leiter Sylvio Graf, dass die Einleitwerte wieder erreicht sind. Letzte Beprobungen, Abstimmungen mit Behörden und schließlich am Mittwoch dieser Woche Aufatmen: „Wir können wieder geklärte Abwässer mit einem Reinigungsgrad von 98 Prozent in die Schwarze Elster einleiten.“ Im Protokoll wird später stehen: Zum 31. Oktober geht das Klärwerk wieder in den Normalbetrieb.

Intensiv werde weiter an der Behebung des Geruchsproblems aus dem Kanalnetz gearbeitet. Bereits seit den Niederschlägen gibt es keine Belastungen mehr. „Es war eine Kombination aus Hitze, Trockenheit und fehlendem Niederschlag, die maßgeblich zu den Gerüchen geführt haben“, sind sich die Experten einig. Dennoch ist ein Büro beauftragt, das gesamt Kanalnetz zu untersuchen, Messungen vorzunehmen und dem Verband nötige Schritte vorzuschlagen. Etwa ein Vierteljahr werde dafür benötigt. Dann werde entschieden, wo künftig dosiert Mittel eingebracht werden müssen, um Gerüche zu minimieren. Auch bauliche Veränderungen im Kanalnetz an exponierten Stellen werden nicht ausgeschlossen.

Verbandsvorsteher Maik Hauptvogel atmet aber erst einmal auf: „Vier Monate Ausnahmezustand sind beendet.“

Wie vom Dosenöffner aufgeschnitten Havarie im Klärwerk Elsterwerda