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| 19:25 Uhr

Abwasserpreis steigt
Abwasserentsorgung wird teurer

Die Kläranlage des Wasser- und Abwasserverbandes im Gewerbegebiet Ost in Elsterwerda; direkt dahinter fließt die Schwarze Elster.
Die Kläranlage des Wasser- und Abwasserverbandes im Gewerbegebiet Ost in Elsterwerda; direkt dahinter fließt die Schwarze Elster. FOTO: LR / WAV Elsterwerda
Elsterwerda. Neue Klärschlammverordnung kostet Wasserverband etwa 400 000 Euro mehr. Von Frank Claus

Die Klärschlammentsorgung beim Wasser- und Abwasserverband Elsterwerda (WAV) wird teurer, die Abwassergebühren werden steigen. Nach RUNDSCHAU-Informationen zwischen zehn und 20 Cent pro Kubikmeter im Zeitraum 2019/20.

Was ist passiert? Die vom Bund neu beschlossene Klärschlammverordnung untersagt allen Betreibern von Abwasserbehandlungsanlagen, die Abwässer aus „industrieller Kartoffelverarbeitung“ aufbereiten, den Absatz auf herkömmlichen Wegen. Denn Klärschlamm wird in Deutschland zu etwa einem Viertel noch als Dünger auf Feldern aufgebracht. Etwa die Hälfte des anfallenden Schlamms wird verbrannt.

Problem: Abwasser aus kartoffelverarbeitenden Betrieben können Krankheitserreger von Kartoffelkrebs und Kartoffelzystennematoden enthalten, die mit dem Klärschlamm auf bestehende oder künftige Kartoffelanbauflächen weitergetragen werden könnten.

In Elsterwerdas Klärwerk fließen auch die Abwässer eines kartoffelverarbeitenden Betriebes aus dem Schradenland. Aber: Alle Laboruntersuchungen haben bislang keinen Befall mit den Krankheitserregern feststellen lassen.

Die Definitionsfrage ist das Problem Nummer zwei. In der Klärschlammverordnung wird von „industrieller Kartoffelverarbeitung“ gesprochen. Der Betrieb im Schradenland ist mit einer Jahresverarbeitungsmenge von etwa 8000 Tonnen eher ein kleines Licht. Das Land Niedersachsen mit seinen kartoffelverarbeitenden Großbetrieben hat schnell reagiert und „industrielle Kartoffelverarbeitung“ genauer definiert. Dort arbeitet „industriell“, wer mehr als 20 000 Tonnen Kartoffeln jährlich verarbeitet.

Brandenburg lässt sich Zeit: Der Landeswasserverbandstag Brandenburg als Interessenvertreter der Wasserverbände hat sich mit gleichem Anliegen im April an das Umweltministerium gewandt – die Antwort fehlt immer noch. „Wir warten sehnsüchtig auf eine Reaktion vom Land“, sagt Maik Hauptvogel, der Verbandsvorsteher das WAV. Denn die Situation hat sich nach Bekanntgabe der neuen Verordnung dramatisch verschärft. Der bisherige Entsorger hatte seinen Vertrag mit dem WAV fristlos gekündigt. Der Verband drohte im Schlamm zu ersticken. „Wir hatten urplötzlich ein riesiges Entsorgungsproblem“, gesteht der Verbandsvorsteher. Immerhin 5000 Tonnen fallen jährlich an.

Kurt Augustin, Referatsleiter im Umweltministerium, gibt der RUNDSCHAU vorab eine Antwort auf oben genannten Brief. „Wir haben im Land geprüft, wie viele solcher Betriebe wie im Schradenland es gibt und sind zum Ergebnis gekommen, dass es nur diesen einen gibt. Nun haben wir zu prüfen, ob es sich um eine gewerbliche oder industrielle Anlage handelt und dann zu entscheiden, ob wir Niedersachsen folgen wollen.“ Maik Hauptvogel dürften bei dieser Antwort und der langen Zeit, die seit der Anfrage vergangen ist, die Haare zu Berge stehen.

Was war zu tun? Der Wasser- und Abwasserverband musste deutlich schneller reagieren und einen neuen Abnehmer für den Klärschlamm finden, zumal nicht nur das Problem der Kartoffelkeime zu beachten war, sondern auch die Verschärfung der Grenzwerte für die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm. Der bundesdeutsche Entsorgungsmarkt, so Maik Hauptvogel, kollabierte, zumal es viel zu wenig Alternativen für Beseitigungsmöglichkeiten gab und gibt. Die Verbrennungskapazitäten waren hoffnungslos ausgelastet. Folge: die Preise kletterten rasant, teils um das Zwei- bis Vierfache – von 40 auf bis zu 160 Euro die Tonne.

Das Ergebnis: Der Wasserverband Elsterwerda musste die Klärschlammentsorgung europaweit neu ausschreiben. Drei Anbieter zeigten Interesse. Vergeben wurde an die Firma Frassur, die zur brandenburgischen Eurologistikgruppe gehört. Beide wiederum sind inzwischen Töchter der  deutschen Veolia Umweltservice GmbH, die wiederum zur Veolia Environnement S.A mit Sitz in Paris gehört. Dort wird Klärschlamm Bestandteil von alternativen Brennstoffen. Etwa 400 000 Euro Mehrkosten beschert dieser neue Absatzweg dem Wasserverband. Geld, das er sich von den Einleitern wiederholen muss.

Weitere Auflagen: Das Ende der Fahnenstange ist damit freilich nicht erreicht. Bis 2023 muss der Verband Konzepte vorlegen, wie er künftig die wertvollen Phosphate aus den Klärschlämmen filtern will, 2032 müssen entsprechende Anlagen betriebsbereit sein.

Und auch Mikroschadstoffe wie Human- und Tierarzneimittel, Rückstände von Körperpflegeprodukten, Pflanzenschutzmittel, Biozide sowie Industrie- und Haushaltschemikalien sind aus dem Abwasser zu filtern, bevor das geklärte Wasser in den Vorfluter, in diesem Fall die Schwarze Elster, übergeben werden darf.