Die einzige Gegenstimme kam in beiden Ausschuss-Sitzungen von Gerhard Preibisch (CDU), dem Ortsbürgermeister von Oschätzchen. Seine Motivation dafür lag auf der Hand - und er machte daraus auch kein Hehl: „Seine“ Kita „Storchennest“ könnte bald zu jenen gehören, die von einer Schließung bedroht sind. Das sieht Preibisch nicht ein, denn immerhin, so argumentierte er, sei diese Kita mit einem jährlichen städtischen Zuschuss von rund 5000 Euro eine der billigsten der ganzen Stadt. Hintergrund ist die Tatsache, dass sie sich in einem Gebäude des Landkreises befindet.
Mit einer Kapazität für 20 Kinder hatte diese Einrichtung 2004 noch einen Auslastungsgrad von 96 Prozent, doch schon im nächsten Jahr gibt es nur noch sieben Kinder. Dem Ortsbürgermeister waren aber mindestens sechs weitere Kinder bekannt, die hier angemeldet werden sollen. Laut Verwaltung sei jedoch der Rechtsanspruch dieser sechs Eltern auf einen Kita-Platz noch nicht geprüft worden, so dass diese potenziellen Neuzugänge bei der Kita-Konzeption nicht berücksichtigt wurden.
Katja Richter, Elternsprecherin des „Storchennest“ , hatte in der Sozialausschuss-Sitzung darauf aufmerksam gemacht, dass bei einer Schließung Eltern ihren Job aufgeben müssten. „Manche müssten sich sogar ein zweites Auto zulegen, um die Kinder in eine entferntere Kita bringen zu können, doch dazu fehlt das Geld“ , ergänzte Gerhard Preibisch. Durch eine Schließung würden noch weniger Kinder geboren, da die Eltern nicht wissen, wie sie ihre Kinder dann in eine Kita bekommen.
Auch die Villa „Kunterbunt“ in der August-Bebel-Straße in Bad Liebenwerda ist von einer Schließung bedroht. Elternsprecherin Annett Bartels kündigte im Sozialausschuss an, dass man jedoch für den Erhalt dieser Einrichtung kämpfen wolle. Sie sieht in der guten Auslastung von rund hundert Prozent, der ruhigen Lage, der familiären Atmosphäre und dem qualifiziertem Personal viele Pluspunkte, um diese Kita zu erhalten. Dem stehen jedoch harte Auflagen seitens des Brandschutzes gegenüber, für die die Stadt rund 78 000 Euro aufwenden müsste.
Götz Bergemann (SPD) plädierte - bei allem Verständnis für den Wunsch der Eltern - für die Sicherheit der Kinder und verwies darauf, dass sich diese Kita in einem ehemaligen Einfamilienhaus befindet. „Aus diesem Haus können wir keine perfekte Kita machen.“
Hauptamtsleiterin Bärbel Ziehlke hatte bereits im Sozialausschuss darauf hingewiesen, dass derzeit fast hundert Kita-Plätze der Stadt frei seien. Alle würden aber Geld kosten, das von den Eltern der betreuten Kita-Kinder mitgetragen wird. Jetzt gehe es zunächst um die Bestätigung der neuen Kita-Konzeption als aktuelles Arbeitspapier der Verwaltung. Falls eine Einrichtung geschlossen werden müsste, dann muss dies in einem gesonderten Verfahren durch die Ausschüsse und letztendlich durch die Stadtverordneten-Versammlung beschlossen werden.
Vielleicht war es gerade diese Äußerung, die sich bei den Eltern der betroffenen Kitas herumgesprochen hatte, denn am Mittwoch saßen nur ganz wenige Frauen auf den Gästestühlen, um der Hauptausschuss-Sitzung zu folgen - im Sozialausschuss waren es über 30.