ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:33 Uhr

Kita-Stress in Elsterwerda
„Stadtmäuse“ wollen nur Ruhe spielen und lernen

Die Kita „Stadtmäuse“ in Elsterwerda bietet alles für das Wohl der Kinder. Doch über Monate war die Stimmung getrübt. Das wirkt bis heute nach.
Die Kita „Stadtmäuse“ in Elsterwerda bietet alles für das Wohl der Kinder. Doch über Monate war die Stimmung getrübt. Das wirkt bis heute nach. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Nach demWeggang von gleich sechs Erzieherinnen in der Elsterwerdaer Kita sind einige Eltern besorgt. Von Manfred Feller

Der Verlust einer wichtigen Bezugsperson ist für Kinder oftmals nur schwer zu verkraften. Wenn, wie im Falle der DRK-Kindertagesstätte „Stadtmäuse“ in Elsterwerda, innerhalb von etwa fünf Monaten gleich sechs von zehn Erzieherinnen (einschließlich Leiterin) das teils über Jahre zu den Kleinen aufgebaute Verhältnis aufgeben, dann müssen gewichtige Gründe vorliegen. Dort hat sich anscheinend etwas angestaut und dann mit aller Vehemenz entladen.

„Besorgte Eltern“ haben sich deswegen per E-Mail an die Redaktion gewandt - zunächst anonym. Dann waren einzelne zu einem Gespräch bereit, jedoch ohne ihre Namen in der Zeitung lesen zu wollen. Denn ihre Kinder befinden sich noch in der Einrichtung.

Die erste Erzieherin hatte nach Auskunft von Steffen Groth, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Bad Liebenwerda, der Träger der Kita ist, zum 1. Dezember 2017 gekündigt, weil keine Basis für eine kollegiale Zusammenarbeit mehr gegeben war. Es habe sich um drei „betriebsrechtliche Verstöße“ mit am Ende nicht akzeptierter Abmahnung gehandelt, ergänzt Kita-Leiterin Kerstin Wegner. Worum es sich genau handelt, dürfe sie nicht sagen.

Es sei ein Riss durch das Team gegangen. Weitere Erzieherinnen haben in den Folgemonaten das Haus verlassen, allein im April drei, ohne zunächst Ursachen zu benennen. Erst in den Gesprächen hieß es, so Kerstin Wegner, es seien unter anderem familiäre beziehungsweise gesundheitliche Gründe. In der Elternratsversammlung am 12. April und in der von Müttern und Vätern gewünschten Elternversammlung am 19. April sei die Situation dargestellt worden.

„Das sind nicht die wahren Gründe“, kritisiert ein Elternteil im RUNDSCHAU-Gespräch die fehlende Offenheit der Leitung gegenüber den Müttern und Vätern. „Wir wollen offiziell wissen, warum die Erzieherinnen wirklich gegangen sind“, heißt es weiter. Und: „Wenn eine Erzieherin auf ihre Betriebszugehörigkeit, eine etwaige Abfindung und auf ein höheres Gehalt verzichtet sowie einen längeren Arbeitsweg in Kauf nimmt, dann steckt mehr dahinter.“ Eine Erzieherin, die gesundheitliche Gründe angegeben haben soll, aber längst wieder in einer anderen Einrichtung arbeite, habe gegenüber Eltern geäußert: „Ich bin nicht krank. Ich will nur weg!“ Eine andere bestätigt, dass Gesundheit, Familie und Arbeitsweg nur vorgeschobene Gründe für fragende Eltern gewesen seien.

Das Betriebsklima habe zumindest in der Vergangenheit nicht gestimmt. Befürchtet wird von einzelnen Eltern, dass weitere Mitarbeiterinnen gehen könnten. „Würden in einer Schule so viele Lehrer kündigen, dann wäre das eine Katastrophe“, so ein Elternteil. Kinder bräuchten Stetigkeit und ein in jeder Hinsicht positives Umfeld für ihre Entwicklung sowie Kontinuität beim Personal. Dafür trügen in der Einrichtung Kita-Leitung und Träger die Verantwortung.

Fünf der sechs frei gewordenen Stellen seien wieder besetzt, so Kerstin Wegner. Für die sechste lägen Bewerbungen vor. Bei einem Erfolg werde der vom Land vorgegebene Betreuungsschlüssel von einer Erzieherin für fünf Kinder in der Krippe, von 1:11,5 im Kindergarten und 1:15 im Hort wieder erreicht.

Zu den Neuen gehört Beatrice Müller aus Elsterwerda. „Ich war vorher im Kinderheim und wollte mich beruflich verändern. Die Vorgeschichte interessiert mich nicht. Die Arbeit zählt. Ich bin gut aufgenommen worden. Das Konzept der Einrichtung ist in Ordnung. Ich habe Freiraum“, sagt sie, die seit Januar in dem Haus tätig ist. Ihre jüngere Kollegin Maria Hahnemann aus Gröditz hat in der Kita gelernt und kurz bis ins Jahr 2015 gearbeitet, konnte nicht übernommen werden, war dann in Meißen und hatte sich auf die erste offene Stelle bei den „Stadtmäusen“ beworben. Seit Dezember ist sie dort Erzieherin. „Ich wollte nie woanders arbeiten“, versichert sie.

Eine Erzieherin, die seit mehr als 20 Jahren in der Kita arbeitet, sagt, dass es mit einigen Kolleginnen kein gutes Klima gab und nur wenige Eltern Unmut schüren. Auf die Kinder hätten sich die Querelen nicht ausgewirkt. Es herrsche wieder eine gute Atmosphäre, ergänzt Christin Dietrich, eine Elternvertreterin.

Die Kita „Stadtmäuse“ hat 97 Plätze und ist derzeit mit 102 Kindern belegt. Es gebe sogar eine Warteliste, so Steffen Groth. Bisher habe nur eine Mutter ihr Kind abgemeldet.

Der Zuspruch liege aber auch an den unschlagbaren Öffnungszeiten - bei Bedarf von 5.30 bis 19 Uhr, stellt ein dem Führungsstil kritisch gegenüber stehender Vater fest. Berufstätige Eltern hätten aufgrund der sehr gut ausgelasteten Kindertagesstätten in der Stadt Elsterwerda ja kaum eine andere Wahl und hielten still. Wenn sich wieder mehr Eltern für ihre Kita, zum Beispiel bei Arbeitseinsätzen, engagieren, dann sei tatsächlich an dem Klima gearbeitet worden, meint er.