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| 18:35 Uhr

Kirchenkreise nehmen viel Geld in die Hand
Steinreich und dennoch arm dran

Zahlreiche Bleiglasfenster der Kirche Stolzenhain werden in der Holzwerkstatt von Ulrich Haferland in Finsterwalde aufgearbeitet. Bei Bedarf ersetzen hier Frank Schiemann-Hülle, Mirko Mielke und Azubi Arthur Assel (v. l.) auch einzelne beschädigte Glaselemente. Die kleine Firma hat sich auf das Restaurieren von Möbeln und Holzobjekten spezialisiert und bereits in vielen namhaften Objekten in mehreren Bundesländern gearbeitet.
Zahlreiche Bleiglasfenster der Kirche Stolzenhain werden in der Holzwerkstatt von Ulrich Haferland in Finsterwalde aufgearbeitet. Bei Bedarf ersetzen hier Frank Schiemann-Hülle, Mirko Mielke und Azubi Arthur Assel (v. l.) auch einzelne beschädigte Glaselemente. Die kleine Firma hat sich auf das Restaurieren von Möbeln und Holzobjekten spezialisiert und bereits in vielen namhaften Objekten in mehreren Bundesländern gearbeitet. FOTO: Jürgen Weser
Elbe-Elster. In dem Gebiet der beiden evangelischen Kirchenkreise in Elbe-Elster gibt es mehr als 170 Immobilien. Von Manfred Feller

Mehr als 170 nagelneue Gebäude zu bewirtschaften, das ist schon eine große Herausforderung. Es ist aber nichts gegen das, was die beiden evangelischen Kirchenkreise im Landkreis Elbe-Elster leisten müssen.

Im Kirchenkreis Bad Liebenwerda, entstanden aus den drei kirchlichen Verwaltungseinheiten Bad Liebenwerda, Herzberg und Elsterwerda, stehen nach Auskunft von Superintendent Christof Enders nicht weniger als 87 historisch wertvolle Kirchengebäude. Hinzu kommen Pfarrhäuser, Gemeindehäuser und -zentren, Friedhofskapellen, Wohngebäude und diakonische Einrichtungen, plus die Verwaltung von 56 Friedhöfen.

Der Kirchenkreis Niederlausitz mit dem Verwaltungssitz in Lübben zählt nur in Elbe-Elster (in etwa der Altkreis Finsterwalde) 46 Kirchen, neun Pfarrhäuser, fünf Gemeindehäuser, elf Häuser mit Gemeinderäumen und elf Friedhöfe.

Die Gemeinden und die Kirchenkreise haben daran schwer zu tragen. Der Erhalt der ortsbildprägenden Gebäude kostet Unsummen. Superintendent Christof Enders zitiert passend dazu Axel Noack, Altbischof der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg, der einst mit einem Augenzwinkern gesagt habe: „Wir sind steinreich.“

„Unser Auftrag ist es, die Botschaft von Jesu in die Welt zu tragen, aber nicht, Kirchen zu erhalten. Jedoch gehören diese zu uns und sind uns hilfreich. Wir müssen mit diesem Erbe umgehen“, stellt Christof Enders fest. Kirchen seien Glaubenszeugnisse der vorherigen Generationen und breiten sich auch heute noch wie ein dickes Buch vor uns aus. Trotz aller Schwierigkeiten vom Rückgang der Anzahl der Gläubigen bis hin zu den Finanzen: „Kirchen sind für uns wichtige Räume, die wir ohne Weiteres nicht hergeben.“ Christof Enders spielt auf den nach wie vor aktuellen Fall der Kirche Döllingen an, die verkauft werden sollte. Dagegen hatte sich lautstarker Protest erhoben.

Die hohe Kirchendichte in dieser Region habe historische Gründe. Etwa ab dem 12. Jahrhundert wurde der Osten durch christliche Siedler aus westlichen Gebieten besiedelt. Da gehörte in so gut wie jedes Dorf eine Kirche. Die Evangelische Kirche Mitteldeutschlands hatte bald die meisten Kirchen hochgerechnet auf die Einwohnerzahl.

Um alle Gebäude in Schuss zu halten, ist viel Geld notwendig. Aufbringen müssen dies die Kirchgemeinden, der Kirchenkreis und die Landeskirche. Der Kirchenkreis Bad Liebenwerda hat für dieses Jahr einen Investitionshaushalt von rund einer halben Million Euro beschlossen. Solche Projekte wie die Dacherneuerung der Catharina-Kirche Elsterwerda mit mehr als einer Million Euro seien trotz anderer Geldquellen nicht jedes Jahr machbar, sagt der Superintendent.

Dennoch sei vor allem nach der politischen Wende ab 1990 sehr viel erreicht worden. „Der größte Teil der Gebäude wurde saniert, sodass der Bestand mit Blick auf Tragwerk und Gebäudehülle gesichert ist. Bedrohliche Zustände wurden beseitigt“, so Christof Enders. Doch nach mehr als zwei Jahrzehnten seien Reparaturen notwendig.

Einige wenige Kirchen seien noch gar nicht und kaum angefasst worden. Dabei handele es sich vor allem um Dorfkirchen und jene mit wenigen Gemeindegliedern. „Ein Teil unserer Dorfkirchen befindet sich sogar in einem kritischen Zustand“, macht sich der Superintendent Sorgen. Er nennt ein paar Beispiele. Kirche Altbelgern: Das Dachtragwerk und die Decke drohen einzustürzen. Stützen halten die Konstruktion. Kirchen Gorden, Grassau, Drasdo, Werchau, Möglenz: Das Dachtragwerk ist zu sanieren und die Dacheindeckung zu erneuern. Kirche Buckau: Mauerwerk und Fenster müssen dringend saniert werden. „Allein für die genannten Kirchen ergibt sich ein Mittelbedarf nur für die wesentlichen Sanierungen von 1,3 bis 1,6 Millionen Euro“, umreißt der geistliche Leiter des Kirchenkreises die Dimension.

Im Bereich Elbe-Elster des Kirchenkreises Niederlausitz sieht es ähnlich aus. „Der bauliche Zustand der Kirchen ist sehr unterschiedlich – von durchschnittlich bis gut. Fünf der 46 Gotteshäuser kann man als sanierungsbedürftig einschätzen“, teilt Superintendent Thomas Köhler mit.

Zuschüsse für die einzelnen Projekte gebe es in geringem Umfang unter anderem vom Landkreis, vom Landesdenkmalamt, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, den Sparkassen und Volksbanken. „Große Förderungen für Dorfkirchen sind immer schwieriger zu erhalten“, bedauert Christof Enders.

Christof  Enders, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda.
Christof Enders, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Bad Liebenwerda. FOTO: Manfred Feller / LR