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Kiesabbau verhindert – was im "Abkommen" steht

Mühlberg/Neuburxdorf. Auf den von der Bodenverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft GmbH (BVVG) ausgeschriebenen Flächen des ehemaligen Gefangenen- und späteren russischen Speziallagers Mühlberg und der Siedlung Neuburxdorf soll kein Kiesabbau möglich sein. Die betroffenen Flächen sollen durch Teilung aus den zum Verkauf stehenden weiteren Abbauflächen herausgelöst werden, bestätigt der Präsident des Bergamtes, Hans-Georg Thiem. Frank Claus

Über den Verlauf des Gespräches im Landesbergamt in Cottbus zeigte sich Pfarrer Matthias Taatz, Vorsitzender der Initiativgruppe Lager Mühlberg, sehr erfreut. Er hatte an der Aussprache beim Präsidenten des Bergamtes, an dem auch Vertreter des Bundesfinanzministeriums, des Landes Brandenburg und der BVVG beteiligt waren, teilgenommen. In einem Rundschreiben an die Initiativgruppe, an ehemalige Insassen beziehungsweise Hinterbliebene des Lagers sowie die RUNDSCHAU informiert er näher zum Inhalt des "Abkommens".

Matthias Taatz: "Die Grenze (des geplanten Abbaufeldes - die Redaktion) wird etwa 300 Meter hinter dem Ausläufer des sogenannten Kugelfanges, also der Wiese, die uns bei den Gedenktreffen als Parkplatz dient, von Westen nach Osten gezogen. So entstehen ein Nordfeld, in dem der Kiesabbau erfolgen wird, und ein Südfeld, auf dem das gesamte Lagergelände und die Gedenkstätte liegen."

Das Südfeld werde nach der Teilung auf Antrag der BVVG beim Bergamt des Landes Brandenburg auf Dauer aus dem Bergrecht entlassen und stehe somit für den Kiesabbau nicht mehr zur Verfügung. Damit sei auch die Siedlung Neuburxdorf (die dort betroffenen Grundstücke) auf Dauer gesichert.

Matthias Taatz benennt auch die nächsten Arbeitsschritte: "Dieses Gesprächsergebnis wird nun in den kommenden Wochen verwaltungsrechtlich abgearbeitet und umgesetzt, sodass wir etwa im Sommer alles schwarz auf weiß nachlesen können."

Das sei, so der Vorsitzende der Initiativgruppe, "ein guter Kompromiss, der das wirtschaftliche Interesse am Heben von Bodenschätzen, das Gedenken an die Opfer der Lager und die Lebensperspektive der dort wohnenden Menschen verbindet."

Er bedankte sich ausdrücklich bei allen Unterstützern auf dem Weg hin zu diesem Kompromiss.

Bad Liebenwerdas Bürgermeister Thomas Richter, der sich genau wie Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (beide CDU) intensiv für den Erhalt des Lagers und der Siedlung Neuburxdorf bemüht hatten, reagierte erfreut: "Die Nachricht zu der jetzt erreichten Verabredung zwischen dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) und der BVVG Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, das Bergwerksfeld zu teilen und anschließend das Bergwerkseigentum in diesem Teil aufzuheben, hat mich sehr erleichtert. Ich freue mich, dass damit das Engagement und der Druck aus den verschiedensten Ebenen erfolgreich sind." Die Menschen, die in den bürgerschaftlichen Initiativen agieren, die Initiativgruppe Lager Mühlberg e.V. und die ehemals direkt Betroffenen aus beiden Lagern, würden, so Thomas Richter, "immer wieder in hervorragender Weise zeigen, dass hier vor Ort Erinnerungsgeschichte aktiv und lebensnah praktiziert wird."