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| 18:47 Uhr

Viel Ungewissheit am Kiessee Zeischa
Verfahrene Kiste: Kies in Zeischa

Das ausgewiesene Bergwerksfeld in Zeischa ist weitaus größer als bislang angenommen. Auch Teile der Bungalowsiedlungen und des Sportplatzes gehören dazu. Darunter sollen wertvolle Quarzsande lagern.
Das ausgewiesene Bergwerksfeld in Zeischa ist weitaus größer als bislang angenommen. Auch Teile der Bungalowsiedlungen und des Sportplatzes gehören dazu. Darunter sollen wertvolle Quarzsande lagern. FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda. Kiesgipfel ohne schnelle Lösungen, aber mit Bereitschaft nächste Schritte zu besprechen. Von Frank Claus

Ernüchterung ist eingekehrt im Bad Liebenwerdaer Rathaus nach dem Kies-Krisengipfel dieser Woche. Und Kurstadt-Bürgermeister Thomas Richter (CDU) gesteht ein, die Gesamtsituation teils verkehrt eingeschätzt zu haben. „Ich bin davon ausgegangen, dass der Kiesabbau in unmittelbarer Zukunft zu Ende geht. Nach der Donnerstag-Runde weiß ich, dass möglicherweise noch 15 bis 30 Jahre Kies abgebaut werden kann in Zeischa.“

Eine große Runde hat er zusammengetrommelt: Bergwerksbetreiber, Landesbergamt, Landesbetrieb Straßenwesen, Forst. Und die Runde muss erkennen, dass sich das Bergwerksfeld, das Bergwerksinhaber Mirko Schüring erworben hat, deutlich weiter erstreckt, als angenommen. Da geht es auf der einen Seite über die B 101 bis vor die Tore von Dobra und auf der anderen Seite sind Teile der Bungalowsiedlungen, des Sportplatzes samt Gaststätte bis hin zum Wohngebiet „Hasenwinkel“ Flächen, für die der Unternehmer Kiesabbaurechte erworben hat.

Mirko Schüring erklärt jedenfalls sehr deutlich, dass das ausgewiesene Vorrangfelder für den Kiesabbau seien und er gegenwärtig keine Veranlassung sehe, auf möglichen Abbau zu verzichten. Dass schon zu DDR-Zeiten auf den Flächen Bungalows gebaut wurden und sich die Kommune Teile zueigen machte, müsse nun hinsichtlich der Konsequenzen neu bewertet werden. Droht nun also auch ein Bungalowabriss? Thomas Richter und das Landesbergamt beschwichtigen. Dem Unternehmer gehöre der Kies. Die Fläche darüber müsse er erwerben. Ob dann auch Entschädigungen für erfolgte Bebauungen zu zahlen seien, müsse ebenso geprüft werden. Noch habe Mirko Schüring keine Anträge und Pläne vorgelegt, dort auch wirklich Kies fördern zu wollen. Sicher sei, und das bestätigt auch Bernd Hesse vom Landesbergamt, das die Aussagen zu den Flächen stimmen und dass sich in diesem Bereich teils hochwertige Quarzsande befinden würden. In der Industrie seien die begehrt.

Ob Zeischas geplantes Wohngebiet „Hasenwinkel“ damit gestorben ist, ob eine touristische Nachnutzung des Kiessees wirklich in greifbare Nähe rückt, ob sich auf dem neu gebauten, 120 000-Euro teuren Abzweig der B-183-Ortsumfahrung auf unabsehbare Zeit nur Eidechsen sonnen werden - alles das soll nun in kleineren Arbeitsrunden besprochen werden, „die ich ab Montag nächster Woche schon einberufen will“, so der Bürgermeister.

Bernd Hesse vom Landesbergamt stimmt dem zu: „Zwischen den Teilnehmern besteht Einigkeit, in einer kleineren Runde (Stadt, Bergbauunternehmer, Bergamt) und bei Erfordernis unter Hinzuziehung weiterer Partner (Landkreis, Forst, Regionalplanung) an einem mittelfristig zu erreichenden Gesamtkonzept zur Nachnutzung des jetzigen Kiessandtagebaues und zu dessen Umsetzung in Teilschritten zu arbeiten.“

Hoffnung für den Tourismus gibt es allemal. Am Tisch hätten sich alle geeingt, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, bestimmte Abschnitte am See schneller für das Baden freizugeben. Am Ostfeld und damit an der Straße nach Prieschka scheint das zuerst möglich. Dort wird jetzt Kies für den dreistreifigen B-101-Ausbau gefördert, allerdings in deutlich geringeren Dimensionen wie ursprünglich vom Landesbetrieb Straßenwesen ausgeschrieben. Im Westfeld an der Tankstelle - da wo es jetzt schon aussieht wie am Miami-Beach - eher nicht. Dort wird gerade aktiv gefördert.

Auch hinsichtlich der verlegten Baumstubben um das Bergwerksgelände bekommt Mirko Schüring Rückendeckung  vom Bergamt: „Die vom Bergbauunternehmer an die Grenzen des Kiessandtagebaues Zeischa verbrachten Baumstubben dienen der wirksamen Absperrung des Bergbaubetriebes um unbefugten Zutritt und das Eintreten von Gefahrensituationen zu verhindern“, erklärt Bernd Hesse.

Mirko Schüring, der vor der Beratung erklärte, mit keinen Erwartungen in den Gipfel zu gehen, sagt  am Freitag. „Es ist gut, dass wir miteinander reden. Das hat die Stadt ja fast zehn Jahre nicht getan. Ich hoffe, es bleibt keine Eintagsfliege.“