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Kiesabbau in Siedlung und im Lager Mühlberg nicht genehmigungsfähig

Neuburxdorf. Die bundeseigene Bodenverwaltungs- und Verwertungsgesellschaft GmbH (BVVG) hat im Raum Mühlberg weitere Flächen für den Kiesabbau ausgeschrieben. In den veröffentlichten Ausschreibungsunterlagen sind davon auch die Siedlung Neuburxdorf mit elf Wohnhäusern und das Gelände des ehemaligen Lagers Mühlberg betroffen. Frank Claus

Das Lager Mühlberg war von 1939 bis 1945 Kriegsgefangenenlager der Deutschen Wehrmacht und wurde anschließend bis 1948 als Speziallager Nr. 1 vom sowjetischen Geheimdienst NKWD weiterbetrieben. Heute ist es eine vielbesuchte Gedenkstätte.

Unter Opfern und Angehörigen, die aus 21 Nationen kommen, hatte sich nach Kenntnis der Auschreibung Empörung breit gemacht. In Neuburxdorf haben sich zwei Bürgerinitiativen gebildet, die gegen den möglichen Kiesabbau und den befürchteten Verlust ihrer Heimat auftreten.

Der Präsident des Landesbergamtes, Hans-Georg Thiem, hat jetzt auf die Sorgen und Ängste reagiert. Seinen Aussagen zufolge umschreibe das ausgeschriebene Feld erst einmal nur die in den 1990er Jahren erkundete Lagerstätte. Auf welchen Flächen tatsächlich abgebaut werden kann, stünde erst nach erfolgtem Genehmigungsverfahren, das eine umfangreiche öffentliche Beteiligung vorsieht, fest. Dabei würde auch besonderes öffentliche Interesse besonders bewertet. Das treffe auf die Existenz der Siedlung Neuburxdorf und das Mühlberger Lagergelände vollends zu. "Ein Rohstoffabbau im Bereich der Siedlung oder des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers ist genehmigungsrechtlich völlig illusorisch", hat er deshalb bekräftigt und ergänzt: "Sollte uns ein diesbezüglicher Antrag erreichen, wäre er nicht zulassungsfähig." Der Präsident auf RUNDSCHAU-Nachfrage: "Auch eine Umsiedlung, um den Massenrohstoff Kies gewinnen zu können, ist wirtschaftlich nicht darstellbar."

Auf die Frage, weshalb die genannten Flächen dann nicht vorher aus den Ausschreibungflächen genommen worden seien, verwies er auf schwierige Eigentumsregelungen. Inzwischen würde es jedoch intensive Gespräche mit der BVVG geben, die genau das zum Ziel hätten. Da gehe es um eine Aufteilung der Flächen.

Und was ist mit der Befürchtung der Einwohner, sie könnten bald auf einer Insel leben? Diese Gefahr sieht der Präsident des Landesbergamtes auf Grund der Lage der Siedlung nicht. Eine pauschale Festlegung zu Abstandsflächen zur Siedlung und zum Lager Mühlberg könne er gegenwärtig nicht geben. Auch die Abstände würden im Zuge des Genehmigungsverfahrens festgelegt.