| 18:20 Uhr

Interview mit Berufskünstler Paul Böckelmann
Den Kiesabbau auch als Chance begreifen

Altenau. Altenaus Künstler Paul Böckelmann hat für die Region Mühlberg eine Vision, die Landschaft verändert. Von Frank Claus

Berufskünster Paul Böckelmann aus Altenau fordert zum Thema Kiesabbau in der Region Mühlberg einen geweiteten Blick. Die LR hat mit ihm telefoniert.

Wie bewerten Sie die große Runde zum Thema Kiesabbau mit Vertretern der Abbaufirmen, der Landwirtschaft, der Bürgerinitiative, den politischen Gremien und den Genehmigungsbehörden?

Böckelmann: Als einen Weg in die richtige Richtung. Ich sehe zwei Aspekte. Erstens sieht man nun viel stärker, dass es nicht nur um Wirtschaft geht, sondern um die Menschen. Und zweitens: Es geht nicht um Kies Ja oder Nein oder Landwirtschaft Ja oder Nein - es geht darum, Landschaft menschlicher zu machen. Wir müssen den Prozess als einen sehen, der über unseren Tod hinaus geht. Da gibt es noch eine dritte Form: die Natur.

Sieht das die Bürgerinitiative nicht auch so?

Böckelmann: Sie hatte zu stark auf das Verhältnis Landwirtschaft-Kiesabbau abgestellt. Nehmen Sie das Neue Testament und die neuen Interpretationen. „Macht Euch die Erde Untertan“ ist ein Unterschied zu „Macht Euch der Erde Untertan.“

Die Bürgerinitiative sprach von einem Kies-Raubbau.

Böckelmann: Es ist gut, dass der Prozess kritisch begleitet wird. Aber nur zu sagen, wir sind zu 92 Prozent vom Kiesabbau umzingelt, reicht nicht. Wir sind jetzt von der Landwirtschaft mit ihrer Großfelderwirtschaft und den damit einhergehenden Folgen umzingelt. Ist das wirklich besser? Wir müssen den Kiesabbau als Chance für einen Landschaftswandel begreifen und uns da mit Recht einmischen.

Ihre Vision für den Mühlberger Raum?

Böckelmann: Wie wäre es mit Mühlberg zwischen Elbe und Seen? Könnten wir nicht eine kleine Schwester des Lausitzer Seenlandes werden? Ich glaube, das erschließt die Region neu und bringt noch mehr Arbeitsplätze als nur in der Landwirtschaft und im Kiesabbau.

Ihre Position zur Berger-Kieshalde bleibt umstritten.

Böckelmann: Etwa einhundert Unterzeichner wollen sie in den Landschaftswandel einbeziehen. Wir sollten auch darüber nachdenken.

Mit Paul Böckelmann sprach
Frank Claus.