ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:40 Uhr

Kies kontra Landwirtschaft

Annalena Baerbock (l.) hört zu und zeigt sich fachlich im Stoff. Für Bürgerinitiative und Landwirte ist sie Hoffnungsträger.
Annalena Baerbock (l.) hört zu und zeigt sich fachlich im Stoff. Für Bürgerinitiative und Landwirte ist sie Hoffnungsträger. FOTO: Frank Claus
Mühlberg. Der geplante, großflächige Kiesabbau in der Mühlberger Region, der Rekultivierungsstau, der Verlust ertragreicher Böden und ganz viel Argwohn gegenüber der Politik und Behörden – die Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) hat sich gestern in Mühlberg und Altenau ganz viel anhören müssen. Aber: Sie wird wegen ihrer konstruktiven Art und klaren Sprache am Ende mit Handschlag verabschiedet. Frank Claus

Vertreter der Bürgerinitiative und die Landwirte fühlen sich mit ihren Sorgen hinsichtlich des großen Flächenraubes, sinkenden Grundwassers, trocken fallender Löschbrunnen und des veränderten Klimas wegen der großen Wasserflächen ernst genommen. Kiesabbau oder Landwirtschaft - das ist eine der zentralen Fragen. Dass beides funktionieren kann, verdeutlicht der Geschäftsführer der Mühlberger Agrargenossenschaft, Uve Gliemann, an einem, etwa 40 Hektar großen geplanten Abbaufeld. Dort solle nach der Auskiesung der Mutterboden wieder aufgebracht werden. Für das gut 360 Hektar große Gebiet der Elbaue, das ebenfalls dem Kiesabbau zum Opfer fallen soll, kann sich das Uve Gliemann nicht vorstellen. "Das ist mit uns nicht zu machen. Ein Abbau dort geht an die Substanz unseres Betriebes." Es ärgere ihn, dass es in Brandenburg trotz massivem Einsatz des Landesbauernverbandes nicht wie in Mecklenburg-Vorpommern gelungen sei, Boden mit Ackerwertzahlen über 50 vorm Abbau zu schützen und das im Landesentwicklungsplan festzuschreiben.

Die Lobby der Bauwirtschaft stehe scheinbar in Brandenburg höher, wird gemutmaßt. Hans-Georg Thiem, der Präsident des Landesbergamtes, mit dem die RUNDSCHAU nach dem Termin telefoniert, versteht die Initiativen der Landwirte und Bürgerinitiativen, verweist aber auf die Plan- und Genehmigungsverfahren. Auf die Elbaue angesprochen räumt er ein: "Die Kiesfirmen haben zwar eine Konzession für die Flächen, aber ich kann mir einen kompletten Abbau dieses riesigen Feldes nicht vorstellen und habe größte Bedenken, auch wegen der Retentionsflächen, die davon betroffen wären." Ähnlich bewertet er den von der Bodenverwertungsgesellschaft in die Wege geleiteten Verkauf von Flächen nahe der für etwa drei Millionen Euro gerade fertiggestellten Polderflächen. Dort werde es erhebliche Einschränkungen für den Kiesabbau geben. Und auch für das Streitobjekt überdimensionierte Altenauer Halde sagt er, dass im Zuge einer neuen Abbaukonzeption des Unternehmens der Fall nochmals geprüft werde.