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Keine Fjordpferde mehr an der Mühle?

Fjordpferde und Pferdesport gehören an der Elstermühle in Plessa zum gewohnten Bild. Doch noch ist die Zukunft unklar. Der Pachtvertrag ist nach Unstimmigkeiten zum 31. Juli gekündigt.
Fjordpferde und Pferdesport gehören an der Elstermühle in Plessa zum gewohnten Bild. Doch noch ist die Zukunft unklar. Der Pachtvertrag ist nach Unstimmigkeiten zum 31. Juli gekündigt. FOTO: Verein
Plessa. Der Fakt steht: Weil sich die neuen Besitzer der Elstermühle Plessa samt Nebenanlagen und Flächen und der Ländliche Reit- und Fahrverein des Ortes bisher nicht auf einen neuen Pachtvertrag zur Nutzung von Reithalle und angrenzenden Flächen einigen konnten, ist der bestehende Pachtvertrag zum 31. Juli gekündigt worden. Frank Claus

Was seitdem in Plessa abgeht, ist ein Sammelsurium von Vorwürfen, Halbwahrheiten, Sturheit und mangelnder Gesprächsbereitschaft. Die Schuldigen sind in den Augen vieler Plessaer Karla und Michael Ponath, die die Elstermühle vom Förderverein des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft zu Jahresbeginn gekauft haben.

Doch gestern hat sich das Blatt gewendet. Eine bereits ausgelegte Unterschriftenliste, auf der zahlreiche Plessaer ihren Unmut über die Kündigung des Vertrages mit ihrer Unterschrift dokumentierten, haben die Initiatoren wieder zurückgezogen. Nicht alles stimme, was da auf dem Papier stehe.

Michael Ponath mit seiner Frau - deren Wurzeln nach Plessa reichen - noch in Thüringen wohnhaft, seufzt: "Wir sind jetzt die Buhmänner. Hätten wir doch bloß ja gesagt, als uns der Förderverein vorm Verkauf fragte, ob er den Pachtvertrag kündigen soll."

Worum geht es? Natürlich um Geld, aber wie Michael Ponath sagt, "nicht vordergründig". Als Besitzer von Elstermühle, Nebenanlagen und Flächen wolle er Struktur in sein Privatgelände bringen. Deshalb seien die Nutzung der Halle, ihre Werterhaltung und die Zuständigkeiten zur Pflege des Umfeldes neu zu vereinbaren. Nicht alles laufe da gegenwärtig ideal. Natürlich sei die bislang gezahlte Pacht von 25 Euro monatlich für die Reithalle wirtschaftlich nicht angemessen.

Ihn ärgere, dass inzwischen Un- und Halbwahrheiten in Plessa kursieren. Zum Beispiel zur Reithalle. "Nach aufwendigen Antragswegen wurden dem Verein zu Beginn des Jahres Fördermittel in Höhe von 70 000 Euro für die Sanierung von Dach, Fassade und Tor gewährt, die aber nur unter Vorlage eines langjährigen Pachtvertrages gezahlt werden. Welch eine Bereicherung für den Verein, das Gelände und letztendlich auch für die neuen Eigentümer! Umso unverständlicher, dass ausgerechnet diese das verhindern", heißt es in einem Schreiben, das Eltern von Kindern, die im Reitverein ihrem Hobby nachgehen, an die RUNDSCHAU geschickt haben.

Gemeint sind Fördermittel, die über die Lokale Aktionsgruppe Elbe-Elster (LAG) beantragt worden sein. Eine Behauptung, die so nicht stimmt. "In den Übersichten der bisherigen Auswahlrunden ist der Reitverein aus Plessa mit einem Projekt bislang nicht vertreten, sodass eine Antragstellung und damit eine Förderung über Leader nicht erfolgt sein kann beziehungsweise auch nicht im Verfahren ist", teilt dazu Thomas Wude von der LAG-Regionalmangement-Geschäftstelle in Finsterwalde mit. Auch dem Amt Plessa, so Amtsleiter Hans-Joachim Weinhold, sei nichts über ein Förderantrag bekannt. Der Vorsitzende des Reitvereins Günter Kamenz räumte gestern ein, dass die Bewilligung von Fördermitteln tatsächlich nicht erfolgt sei. Jedoch habe es im Frühjahr 2016 Gespräche über diesen Förderantrag gegeben. Am 7. Mai sei er dann auch eingereicht, später aber wegen offener rechtlicher Belange auf Eis gelegt worden. Da gehe es unter anderem um die Dauer des Pachtvertrages: "Der Nachweis des Eigentums bzw. eigentumsgleicher Rechte steht im Zusammenhang mit Zweckbindungsfristen bei Förderung, zum Beispiel bei baulichen Maßnahmen zwölf Jahre nach Fertigstellung", so Thomas Wude von der LAG.

Diskussionen gibt es auch über den baulichen Zustand der jetzigen Reithalle. Der neue Besitzer des Elstermühlen-Areals hat die Nutzung der dahinter befindlichen Halle angeregt, pocht nach einem gestrigen LR-Gespräch aber nicht darauf. Günter Kamenz berichtet, dass die jetzige Reithalle teils mit Fördermitteln, auf die noch Zweckbindungsfristen liegen könnten, ausgebaut worden war. Sie ist im Inneren mit Reitanlage und Sattelkammer tatsächlich ein kleines Schmuckstück - geschaffen in großer Eigeninitiative von Günter Kamenz und Vereinsmitgliedern. Getrennte Gespräche der LR mit beiden Vertragspartnern am gestrigen Tage offenbarten auch Annäherung hinsichtlich des neuen monatlichen Pachtzinses.

Plessas Amtsdirektor Göran Schrey, für den diese Auseinandersetzung zunächst privatrechtlicher Natur ist, erklärte: "Wir alle wünschen uns, dass es zu einer Einigung kommt, denn die Fjordpferde gehören wie die Mühle zu Plessa."

Was nun folgen muss, ist Dialogbereitschaft zu den festzulegenden Punkten im Pachtvertrag. Zu einem Gespräch ist es bislang nicht gekommen, anstelle dessen haben Anwälte das Wort. Karla und Michael Ponath möchten gern mit dem erweiterten Vorstand und gern auch unter Moderation von Bürgermeister und Amt zu einer Lösung kommen.

"Ich möchte einen Verein, der mit mir arbeitet", sagt Michael Ponath und spricht von großem Entwicklungspotenzial, das das Thema Reiten am Standort haben könnte. Er und seine Frau würden sich als Besitzer aber gern auch auf Augenhöhe einbringen wollen.

Zum Thema:
Der Ländliche Reit- und Fahrverein Plessa e.V. wurde 1990 gegründet und hat sein Domizil seitdem auf dem Mühlengelände in Plessa. Der Verein hat wesentlich das Mühlenfest mitentwickelt. Momentan gehen 35 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 bis 18 Jahren dort einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung nach. Günter Kamenz und Margrit Strehlow haben die Fjordpferdezucht über Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.Der Verein bietet Kremsertouren und Schnupper-Reiten für Kinder und Jugendliche an.