ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:34 Uhr

Altbelgern
„Kein Bauteil ist so emotional wie eine Glocke“

Pfarrerin Sabrina Pieper, Johannes Schneider vom Vorstand des Fördervereins Kirche zu Altbelgern (weißes Hemd), Superintendent Christof Enders und der Stifter der Glocke, der gebürtige Altbelgerner Einwohner Gerhard Olbrich (von links) aus Martinskirchen.
Pfarrerin Sabrina Pieper, Johannes Schneider vom Vorstand des Fördervereins Kirche zu Altbelgern (weißes Hemd), Superintendent Christof Enders und der Stifter der Glocke, der gebürtige Altbelgerner Einwohner Gerhard Olbrich (von links) aus Martinskirchen. FOTO: Veit Rösler
Altbelgern. In Altbelgern ist am vergangenen Wochenende der 200. Geburtstag der Wiederweihe der Dorfkirche gefeiert worden. Von Veit Rösler

Mit einer feierlichen Zeremonie, mit Posaunenchor, mit Glockenweihe, einer Goldenen Konfirmation, einem Kaffeenachmittag unter freiem Himmel und einem Konzert ist in Altbelgern das 200. Jubiläum der Wiederweihe der Dorfkirche gefeiert worden.

Die Gemeindekirchenratsvorsitzende Martina Schneider erinnerte: Mit dem Beginn der Germanisierung und Christianisierung im 10. Jahrhundert entstand in Altbelgern eines der ersten Gotteshäuser der Region, vermutlich noch ein schilfgedeckter Fachwerkbau auf steinerner Grundmauer ohne Turm. Durch Blitzschlag, Kriege oder Brände wurde die Kirche und Pfarre mehrfach zerstört. Im Mai 1813 erhielten Martinskirchen und Altbelgern im Zuge der deutschen Befreiungskriege von der Napoleonischen Fremdherrschaft Einquartierungen von russischen Kosaken. Die wilden Steppensöhne verhielten sich wie im Feindesland, denn der sächsische König stand auf der Seite Frankreichs. Am 8. Mai 1813 kochten die Kosaken am offenen Feuer. Die strohgedeckte Pfarrscheune geriet in Brand. Das Feuer ergriff das Pfarrhaus, die Kirche und neun weitere Gebäude. Die Kirche konnte nicht wieder in ihrer einstigen Größe und Schönheit aufgebaut werden, der Turm blieb bedeutend niedriger. Im Jahr 1816 wurde die Pfarre wieder eingeweiht und die Kirche 1817 fertiggestellt. Die Weihe erfolgte mutmaßlich am 1. Osterfeiertag 1818.

Der 200. Geburtstag wurde jetzt gefeiert, denn damals wie heute bedeutet den Menschen von Altbelgern ihre Kirche etwas. Auch der zweite Anlass des Festes zeugt davon. Durch die großzügige Spende von etwa 10 000 Euro durch den gebürtigen Altbelgerner Einwohner Gerhard Olbrich aus Martinskirchen ist es dem Förderverein Kirche zu Altbelgern gelungen, neben der noch vorhandenen Glocke aus dem Jahre 1597 eine zweite neue Glocke anzuschaffen. Für den heute 89 Jahre alten ehemaligen Religionslehrer war die Spende eine Herzensangelegenheit. Die erste Vorgängerglocke war im Zuge des Ersten Weltkrieges eingezogen worden. Die daraufhin von der ortsansässigen Familie Marth gestiftete zweite Vorgängerglocke wurde wiederum im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Noch hängt die neue Glocke in einem Glockenstuhl im Kirchenschiff, doch eines Tages soll sie wieder auf dem Kirchturm angebracht werden.

Wenn ihr Klang zukünftig weit über das umliegende Land hinaus in die Welt getragen wird, dann geht der Ton von diesen Worten aus: „Friede – Gerechtigkeit – Versöhnung – Freiheit“. Diese Worte sind auf dem untersten Tonring erhaben aufgeprägt. „Jetzt endlich hängt sie da, endlich. Sie ist noch nicht da, wo sie sein soll. Das Ziel zeichnet sich aber schon ab. Kein Bauteil ist so emotional wie eine Glocke. Sie läutet zu freudigen und traurigen Anlässen“, so Pfarrerin Sabrina Pieper, welche mit Superintendent Christof Enders den Gottesdienst leitete.

Die Glocke ist im November 2017 in der Eifeler Glockengießerei Johannes Mark in Brockscheid in der Eifel in einer beeindruckenden Zeremonie unter Gesängen, Gedichten und Gebeten zusammen mit weiteren sieben Glocken gegossen worden. Die Menschen, die dabei waren, sprechen von einem atemberaubenden Erlebnis. Sieben Mitglieder des Fördervereins waren zusammen mit Stifter Gerhard Olbrich nach Rheinland-Pfalz gefahren.

Damit die rund 300 Kilogramm schwere Glocke eines Tages wieder auf dem Turm der Kirche Altbelgern angebracht werden kann, müssen erst einmal der alte Glockenstuhl und auch der Turm saniert werden. Von Superintendent Christof Enders ist zu erfahren, dass allein für die Turmsanierung etwa 106 000 Euro veranschlagt sind. Derzeit stehe für die Sanierung das Jahr 2019 in der Planung. Von den russischen Künstlern Elena und Alexander Danko war nach dem Festgottesdienst russisch- kosakische Musik zu hören.