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| 16:37 Uhr

Mit Sport zum langen Leben
Kegel-Ur-Opas aus Hohenleipisch haben Knie und Rücken, lassen aber die Kugel rollen

Mit dem nachgebauten Seniorenkegelkugelschieber kann es selbst Wolfgang Göpel (89/M.) noch einmal rollen lassen. Ihm zur Seite stehen vom HSV Lok, Abteilung Kegeln, Rainer Göpel (76/l.) und Wolf Hartmann (81).
Mit dem nachgebauten Seniorenkegelkugelschieber kann es selbst Wolfgang Göpel (89/M.) noch einmal rollen lassen. Ihm zur Seite stehen vom HSV Lok, Abteilung Kegeln, Rainer Göpel (76/l.) und Wolf Hartmann (81). FOTO: LR / Manfred Feller
Hohenleipisch. Die Hohenleipischer Lok-Kegler können auch im hohen Alter nicht von ihrem Lieblingssport lassen. Von Manfred Feller

Es zwickt hier im Knie und es schmerzt dort im Rücken – doch von ihrem geliebten Sport kann die vierköpfige Herrengruppe der rund 20 Hohenleipischer Lok-Seniorenkegler auch im hohen Alter nicht lassen. Dies verdanken sie einem speziellen Hilfsmittel — dem Seniorenkegelkugelschieber.

Der Älteste in der kleinen Trainingsrunde an jedem Donnerstagabend im Hohenleipischer Sportlerheim ist Wolfgang Göpel. Am Sonntag, dem 11.11., um 11.10 Uhr, wird er 90 Jahre alt. Nach einem sportlich aktiven Leben als Mitbegründer der Sektion Schach beim HSV Lok Hohenleipisch und Tischtennisspieler lässt er nach fast vier Jahrzehnten seit diesem Frühjahr ganz von den Kugeln und protokolliert nur noch. Es geht gesundheitlich nicht mehr. Für ein Foto leben aber die alten „Gut Holz“-Zeiten noch einmal auf.

Das Kegeln ist neben seiner Ehegattin Marianne, die er 1954 heiratete, die zweite große Leidenschaft. Wolfgang Göpel war Leiter der zweiten Wettkampfmannschaft und Übungsleiter im Nachwuchsbereich. Sein größter Erfolg ist der Kreismeistertitel 1994 gewesen. Zudem ist er zweifacher Clubmeister. „Aufgrund seiner guten Arbeit im Verein hat ihm der HSV die Ehrenmitgliedschaft zuerkannt. Er verpasst auch heute noch keinen Übungsabend, der in gemütlicher Runde mit seinen Kegelbrüdern stattfindet“, wünscht sein langjähriger Sportkamerad Wolf Hartmann noch viele schöne Stunden.

Wenn Wolfgang Göpel am Sonntag den 90. Geburtstag in seinem Geburtsort Hohenleipisch begeht, dann wandert sein Blick auch zurück auf seine jungen Jahre voller Grauen im Zweiten Weltkrieg und danach. „Mit siebzehneinhalb Jahren wurde ich zum Arbeitsdienst eingezogen und zum Kriegsende noch zur Wehrmacht“, erinnert er sich. Er musste bei der Artillerie im besetzten Tschechien dienen und kam dort auch in Gefangenschaft. Vier Jahre im Bergbau unter Tage forderten Tribut von der Gesundheit. Mit Erfrierungen kehrte er heim. An den Folgen habe er sein ganzes Leben zu tragen gehabt.

Beruflich fand er bei der Deutschen Reichsbahn seine Heimat. Er war Fahrdienstleiter im Stellwerk Hohenleipisch.

Dass die Ur-Opas unter den Hohenleipischer Kegelfreunden ihrer Leidenschaft trotz mancher körperlicher Beschwerden bis ins hohe Alter nachgehen können, haben sie Wolf Hartmann zu verdanken. „Vor etwa zehn Jahren habe ich bei einem Verein in Elbe-Elster eine Kegelhilfe gesehen. Dort hieß es spöttisch: ,Die Alten schieben die Kugel mit dem Krückstock.’ Unsere Frauen meinten dazu Seniorenkegelkugelschieber. Das ist uns zu lang. Wir sagen Kegelschieber“, so der 81-jährige ehemalige Schlosser.

Er hatte sich die Bauweise gemerkt und bei seinem Sohn Holger, der Werkzeugmacher ist, 2012 in Auftrag gegeben. „Die vier Kegelschieber halten bis heute“, sagt der Senior. Ein Besen- oder ein ausziehbarer Metallstiel, ein mit einer Filzeinlage gepolsterter Bügel und zwei gebrauchte Rollen von Inline-Skatern – fertig! Materialwert: etwa zehn Euro. Inzwischen hätten das Gerät weitere Vereine nachgebaut, damit die Alten am Ball bzw. der Kugel bleiben können. Die erzielten Kegelwerte lägen etwas unter denen des „Handbetriebes“.

Wolfgang Hartmann kegelt seit seinem 18. Lebensjahr und hat 55 Wettkampfjahre auf dem Buckel. Kegelbruder Rainer Göpel (76), Großcousin des Jubilars, ist der Jüngste in der kleinen Gruppe. Auch er war einst Schlosser und spielt seit den 1960er-Jahren.

Vierter im Bunde ist Horst Wal- ther. Der 81-Jährige ist auch schon fünf Jahrzehnte dabei. Er war nicht weniger als ein halbes Jahrhundert Vorsitzender der Kegelabteilung. Gern erinnert er sich an seinen schönsten Erfolg, den Kreismeistertitel 1964 bei den Männern.

Die Kegelbahn, für die es laut Wolf Hartmann zuerst die Baugenehmigung gegeben hatte, ist im Nationalen Aufbauwerk (NAW) der DDR von den Sportlern selbst errichtet und zusammen mit dem Sportlerheim drumherum eröffnet worden.