Wer wie die Landwirte sein Geld zu einem bedeutenden Teil unter freiem Himmel auf dem Feld verdienen muss, der hat schon so manche Unbilden und Verluste überstanden. Doch dieses Jahr habe in der Summe der Negativeinflüsse alles übertroffen. Das bestätigen durchweg die gestandenen Landwirte bei ihrer alljährlichen Zusammenkunft mit dem Landrat, um über Erfolge und Probleme zu sprechen. Diesmal in Stolzenhain.

Nicht einer habe in den Jahrzehnten seines Berufslebens so etwas erlebt: Der trockene Hitzesommer brachte Verluste bei Getreide und Futter. Der Milchpreis hat sich seit 2016 zwar von 21,8 auf heute 34 Cent je Liter erholt, „doch das ist ein Plus-Minus-Null-Geschäft. Damit sind sind keine Investitionen möglich“, sagt Uve Gliemann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Mühlberg und Vorsitzender der Kreistagsfraktion LUN/BVB/BfF/Hz als Einlader der Runde mit Landwirten, den Kreistagsfraktionschefs und Vertretern der Kreisverwaltung. Ein Zuschussgeschäft sei aktuell die Schweinezucht. Es gebe 1,36 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht. Erst bei 1,70 Euro werde es rentabel.

Nicht zu vergessen die immer weiter steigenden Ausgaben durch schärfere gesetzliche Rahmenbedingungen – vom Tierwohl über Luft- und Wasserreinhaltung bis hin zur Düngeverordnung.  Allein damit würden die Bauern in Deutschland jährlich mit fast fünf Milliarden Euro belastet. Dies seien 315 Euro Extrakosten je Hektar und ein Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen EU-Ländern und dem Weltmarkt.

Das Jahr hatte bereits schlimm begonnen. Ein großes Milchkontor aus Berlin schlitterte in die Insolvenz und hinterließ nach Angaben der Landwirte bei seinen Vertragspartnern in Elbe-Elbe einen Schaden über der Millionen-Euro-Grenze.

Doch das sei nichts im Vergleich zu den hitze- und trockenheitsbedingten Ernteausfällen. Allein die zusammengefassten Schäden nur der 66 Antragsteller (vom Kleinbauern bis zum großen Agrarbetrieb) aus Elbe-Elster, die Dürrehilfen von Bund und Land benötigen (in Brandenburg liegen 46 Millionen Euro bereit), belaufen sich auf etwa 20 Millionen Euro. Davon fließe nach Auskunft von Elke Höhne, Sachgebietsleiterin Landwirtschaft in der Kreisverwaltung, nur die Hälfte in das Bewilligungsprozedere ein. Die Landwirte gehen davon aus, dass die 46 Millionen Euro für Brandenburg nur einen überschaubaren Teil des Schadens decken und nicht vor April ausgezahlt werden. Die verlängerte Antragsfrist läuft in diesen Tagen ab.

Auch bei der Dürre-Soforthilfe von maximal 15 000 Euro je An- tragsteller ist Geduld gefragt. 52 Betriebe aus Elbe-Elster hatten Anträge gestellt. Erst einige wenige seien vom Land bewilligt worden, so Elke Höhne. Das Geld wird für Futterzukäufe gewährt. Beim Maisfutter habe sich der Preis inzwischen verdoppelt, weiß Uve Gliemann. Die Einnahmen aus Tiernotverkäufen wegen des Futtermangels würden leider gegengerechnet. „Im nächsten Sommer wird sich zeigen, wer noch weitermachen kann“, blickt er voraus. Im Zuge der Milchpreiskrise 2016/17 hatten brandenburgweit bereits 125 Milchviehbetriebe aufgegeben, ein paar auch in Elbe-Elster.

Allein die Dürreschäden im Mühlberger Agrar-Unternehmensverbund beziffert Geschäftsführer Uve Gliemann mit 2,7 Millionen Euro. Vielleicht bekomme der Betrieb etwas mehr als eine Million als Hilfe zurück.

Mehr als 600 000 Euro betragen die Sommerverluste auf den Feldern im Landwirtschaftlichen Unternehmensverbund Stolzenhain/Prösen, so Geschäftsführer Matthias Schubert. Vom gewünschten Erlös von etwa 1000 Euro je Hektar Getreide fehlen dieses Jahr bis zu 200 Euro. „Aber die anderen Kosten, wie Löhne, Pachten und Dünger, bleiben“, zeigt er das dramatische Ungleichgewicht auf.

Jetzt kommen auch noch die Wetterprognosen für 2019. Matthias Schubert gibt zu: „Das macht einem Angst.“ Er hat zurückgeschaut: Demnach seien seit 2010 genau 20 Monate zu kalt und 80 Monate zu warm gewesen.

Die Stolzenhainer Landwirte sind seit Jahren dabei, Ertragsausfälle in gewissen Maße durch neue Einnahmen oder Einsparungen zu kompensieren. „Wenn die Ernte vertrocknet, muss die Fotovoltaik helfen“, so Matthias Schubert. Das mache sie seit einiger Zeit.

Im Juni dieses Jahres ging die mit 75 kW Leistung relativ kleine Biogasanlage in Betrieb. „Wir haben uns damit immer schwer getan. Denn man kann nur einen füttern – die Tiere oder die ,eiserne Kuh’“, blickt der Chef zurück. Schließlich fiel die Entscheidung, eine Anlage zur Verwertung von Gülle bauen zu lassen. Rund eine halbe Million Euro wurden ausgegeben. Nach Auskunft von Sandro Schulze, Leiter Feldbau, braucht der 1000 Kubikmeter fassende Fermenter täglich bis zu 37 Kubikmeter frische Gülle. Diese wird direkt von den Stallanlagen mit den 600 Rindern zur Biogaserzeugung gepumpt.

Täglich entstehen etwa 800 Kubikmeter Gas, die auch verbrannt werden. Damit werden binnen 24 Stunden rund 1800 Kilowattstunden Elektroenergie zur Einspeisung sowie Wärme für das Sozialgebäude und den Melkstand erzeugt. Die verarbeitete und kaum noch riechende Gülle wird schließlich auf den Feldern ausgebracht.

Laut Dorsten Höhne, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, werde es in Deutschland immer schwieriger, Landwirtschaft auskömmlich zu betreiben. „Wenn es das Ziel ist, die Tierproduktion zu verhindern, dann soll uns der Bund das ins Gesicht sagen und nicht von hintenherum mit Gesetzen“, kritisiert er die immer kostenintensiveren Rahmenbedingungen.