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| 17:15 Uhr

Vor der Neueröffnung des Marionttentheatermuseums
Die Kasper-Baustelle öffnet ihre Türen

 Die Umgestaltung des Museums in Bad Liebenwerda läuft auf Hochtouren.  Dort arbeiten gegenwärtig unter anderem Tischlermeister Eckhard Schmidt (52, vorn) sowie Bühnen- und Kostümbildner Tom Böhm (50), Theatermalerin Linda Funke (37) und Tischlergeselle Philip Gräubig (19, v.l.).
Die Umgestaltung des Museums in Bad Liebenwerda läuft auf Hochtouren.  Dort arbeiten gegenwärtig unter anderem Tischlermeister Eckhard Schmidt (52, vorn) sowie Bühnen- und Kostümbildner Tom Böhm (50), Theatermalerin Linda Funke (37) und Tischlergeselle Philip Gräubig (19, v.l.). FOTO: LR / Landkreis Elbe-Elster/Veit Rösle
Die Puppentheater-Ausstellung in Bad Liebenwerda wird komplett umgestaltet. Was läuft gerade? Was ändert sich. Die RUNDSCHAU schaut hinter die Kulissen. Von Frank Claus

Du öffnest die Tür des Museums und musst grienen. Mit schelmischem Blick begrüßt dich der Kasper und es scheint, als ob er dir sagen will: „Komm, ich nehm’ dich mit in Kaspers Welten.“

Das Marionettentheatermuseum erfindet sich neu

Unter dieser Überschrift wird sie stehen, die neue Dauerausstellung, die gegenwärtig im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum in Bad Liebenwerda aufgebaut wird und die im Frühjahr eröffnet werden soll. Schon während des Internationalen Puppentheaterfestivals werden Besucher am 21. September ab 17 Uhr Gelegenheit haben, die „Baustelle“ zu besichtigen. In einer Pressemitteilung des Landkreises heißt es: „Ein Museum erfindet sich neu. Die lustige Figur, der Kasper, wird hier künftig die Regie übernehmen, seinen Stammbaum vorstellen sowie die deutsche und internationale Verwandtschaft.“

 Theatermalerin Linda Funke (37) aus Leipzig.
Theatermalerin Linda Funke (37) aus Leipzig. FOTO: LR / Pressestelle Landkreis Elbe-Elst

Fast nichts mehr übrig von der alten Ausstellung

Die RUNDSCHAU war neugierig, wollte wissen, was hinter den derzeit verschlossenen Museumstüren passiert. Und wurde überrascht. Von der alten Ausstellung ist fast nichts mehr zu sehen. Auf dem Fußboden, auf Tischen und an Stangen stehen, liegen und hängen Marionetten und Puppen. Aber was zuerst ins Auge sticht, sind großflächige, nahezu lebendig wirkende Malereien an den Wänden. Und obwohl es scheint, als habe sie bereits eine Patina überzogen, sind sie nagelneu.

 Der Kasper zeigt den Weg durch alle Abteilungen und streift viele Länder der Erde.
Der Kasper zeigt den Weg durch alle Abteilungen und streift viele Länder der Erde. FOTO: LR / Frank Claus

Die ersten originell gestalteten Kulissen geben einen Eindruck von der künftigen Gestaltung. Ausgesägtes, aber farblich noch nicht gestaltetes Holz wechselt sich mit bereits kolorierten Elementen. Bleistiftstriche auf Papier und Holz verraten etwas von der Idee einzelner Ausstellungsplätze. Alles wirkt wie eine große Werkstatt von Kulissenbauern. Und das ist sie im Grunde auch. „Das ist unser großer Malsaal“, erzählt Ralf Uschner, einer der Kenner der Puppentheatergeschichte.

Die Umgestaltung des Museums liegt in besten Händen

Mit Tom Böhm hat der Landkreis einen Bühnen- und Kostümbildner für die Umgestaltung des Museums gewinnen können, der schon Kulissen am Theater in Florenz schuf, den Studienreisen nach Italien, Frankreich, Argentinien und in die Ukraine führten und der sechs Jahre als künstlerischer Assistent und Mitarbeiter im Fachbereich Bühnen- und Kostümbild und im Fachbereich Theaterausstattung an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden tätig war.

„Wir gestalten jetzt die Architektur, also die Gliederung, der künftigen Ausstellung“, sagt er. Im Frühjahr werde jedes Ausstellungsstück in Szene gesetzt. Mit Licht, Schrift, entsprechendem Hintergrund.

Vier Themenbereiche im neuen Marionettentheatermuseum

Das Haus wird sich dann in vier Themenbereiche untergliedern: „Vom törichten Narren zur lustigen Figur“ ist Teil 1 überschrieben, „Vorhang auf für den Marionettenkasper“ Teil 2. Hier wird es starke Bezüge zur Wiege des Mitteldeutschen Wandertheaters geben. „Das Elbe-Elster-Land verbindet eine 250-jährige Tradition mit dem Wandermarionettentheater. Unsere hiesigen Puppenspieler sind weit gereist, über die Region hinaus, bis ins Böhmische hinein“, hat Ralf Uschner gegenüber der Deutschen Kulturstiftung der Länder erläutert. Um „Die Geburt des Kaspers Larifari“ geht es in Teil 3 und der Ausstellungsbereich „In der Heimat des Puppenspiels“ führt nach Asien. In Letzterem wird zum Beispiel eine Pagode aufgebaut.  In allen vier „Abteilungen“ wird es Mitmach-Ecken geben. Gäste können sich die Ausstellung selbst und mit Audioguide erschließen.

Insgesamt wird die bisher dargestellte Geschichte des Puppenspiels im Museum auf ein völlig neues Level gehoben. Von Bad Liebenwerda aus wird künftig in die Welt geschaut.

An der Spitze mit internationalen Puppentheater-Objekten

Zu verdanken ist das vor allem den 5000 internationalen Puppentheater-Objekten aus der Sammlung von Karin und Uwe Brockmüller, die im Jahr 2016 für das Museum erworben werden konnten. Sie bilden eine wesentliche Grundlage des neuen Ausstellungskonzepts. Mit diesen Stücken, so würdigte die Deutsche Kulturstiftung der Länder im gleichen Jahr, rückt das „Mitteldeutsche Marionettentheatermuseum in Bad Liebenwerda auf einen Schlag zur internationalen Spitze der Puppentheatermuseen auf.“

Dass Bad Liebenwerda und der Landkreis Elbe-Elster als Träger mit der Neugestaltung des Museums auf dem richtigen Weg sind, beweist, dass der Antrag, das Kasper-Spielprinzip in das Verzeichnis des deutschen immateriellen Kulturerbes aufzunehmen, bereits die erste Hürde erfolgreich übersprungen hat.

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