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| 22:14 Uhr

Jetzt wird gekaspert in Bad Liebenwerda
Der Aufschlag für den Kasper

Eröffnung der Ausstellung „Kasper & Co vorm großen Auftritt - Die lustige Figur im Puppenspiel Europas“ am Sonntag mit Ralf Uschner (l.), Kulturland-Geschäftsführerin Brigitte Faber-Schmidt und Designer Uwe Schaffranietz, der die interaktiven Schautafeln entwickelte. In den Fenstern des nachempfundenen Bad Liebenwerdaer Rathauses verraten Puppenspiel-Motive, welche Themen in der neuen Ausstellung dargestellt werden sollen.
Eröffnung der Ausstellung „Kasper & Co vorm großen Auftritt - Die lustige Figur im Puppenspiel Europas“ am Sonntag mit Ralf Uschner (l.), Kulturland-Geschäftsführerin Brigitte Faber-Schmidt und Designer Uwe Schaffranietz, der die interaktiven Schautafeln entwickelte. In den Fenstern des nachempfundenen Bad Liebenwerdaer Rathauses verraten Puppenspiel-Motive, welche Themen in der neuen Ausstellung dargestellt werden sollen. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerdas Marionettenmuseum weckt Vorfreude auf eine neu gestaltete Ausstellung. Von Frank Claus

Einen ersten Blick auf die große Familie der lustigen Figur im Puppenspiel Europas soll sie geben. So heißt es bescheiden im Einführungstext zur am Sonntag eröffneten Ausstellung „Kasper & Co vorm großen Auftritt“ im Mitteldeutschen Wandermarionettentheater in Bad Liebenwerda.

Noch ist viel zu wenig bekannt, welches Pfund sich da in Bad Liebenwerda gerade entwickelt. Ralf Uschner, der wissenschaftliche Mitarbeiter im Haus und längst Kenner der Puppentheaterszene, kommt ins Schwärmen, wenn er von der 250-jährigen Tradition des Wandermarionettentheaters berichtet und wird euphorisch: „Elbe-Elster liegt mitten in Europa.“ Mit der Via Regia und der Via Imperii führten im Mittelalter die bedeutendsten Handelsstraßen jener Zeit durch die Region und kreuzten sich bei Leipzig. „Nicht nur Kaufleute und Händler waren darauf unterwegs, auch Gaukler und Komödianten.“ Er führt zurück in die Anfänge der lustigen Figur – von den Fastnachts-Butzen, über den Narren – den die Kirche erschaffen habe, damit „das Volk mal die Sau rauslassen“ könne – den Hanswurst, die Handpuppen und Marionetten. Wer die Geschichte des Kaspers verstehen will, der müsse sich hineindenken in die Menschen des Mittelalters – in ihre Frömmigkeit, so Ralf Uschner. Der Kasper war jener, der den Teufel und damit den Tod besiegen konnte – der Mutmacher beim Kampf gegen das Böse.

Seit der Landkreis mit Unterstützung des Kulturministeriums, der Kulturstiftung der Länder sowie der Ostdeutschen- und der Elbe-Elster-Sparkassenstiftung im Jahr 2017 etwa 2500 Figuren der Sammlung von Karin und Uwe Brockmüller aus Europa, Asien und Afrika erwerben konnte, erfährt Bad Liebenwerdas Museum einen Bedeutungsschub.

Kurator Dr. Olaf Bernstengel, einer der namhaftesten Kenner der Puppentheaterszene in Deutschland und der Welt, selbst Puppenspieler und Puppentheaterhistoriker, erklärte bei der Konzeptvorstellung im Januar: „Damit springt das Museum Bad Liebenwerda in die erste Liga.“ In der spielen hinsichtlich ihrer Puppenspiel-Bedeutung unter anderem das Stadtmuseum München, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und das Museum für Puppentheaterkultur in Bad Kreuznach.

Das Bad Liebenwerdaer Museum, seit 20 Jahren Hüter der Wandermarionettentheater-Geschichte, wird nun völlig umgestaltet. Die am Sonntag eröffnete Ausstellung gibt einen Vorgeschmack. Anschaulich wird auf einer großen Darstellung der Stammbaum des Kaspers aufgezeigt. Dessen Wurzeln liegen besonders stark im heutigen Italien und Deutschland. Auf einem weiteren interaktiven Element geht es um den Kasper und seine Abwandlungen in Europa.

Für Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin von Kulturland Brandenburg, passt die Ausstellung haargenau ins Themenjahr 2018: „wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa.“ Die Vorfreude auf das „neue Haus“, das im Herbst/Frühjahr eröffnet werden soll, ist jedenfalls groß.

Puppenspieler Camillo G. Fischer aus Frankenberg. Er ist der Enkel des bekannten Marionettenspielers Kurt Dombrowsky. Zur Eröffnung entführt er mit seiner Bühne, die er am Körper trägt, in die Anfänge des Puppenspiels.
Puppenspieler Camillo G. Fischer aus Frankenberg. Er ist der Enkel des bekannten Marionettenspielers Kurt Dombrowsky. Zur Eröffnung entführt er mit seiner Bühne, die er am Körper trägt, in die Anfänge des Puppenspiels. FOTO: LR / Frank Claus