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| 08:54 Uhr

Party – einmal so und einmal so
Kaisermania und die Fußball-Stars von einst

 Kaisermania mit Roland-Kaiser-Double Steffen Heidrich im Kurpark Bad Liebenwerda.
Kaisermania mit Roland-Kaiser-Double Steffen Heidrich im Kurpark Bad Liebenwerda. FOTO: LR / Jens Berger
Bad Liebenwerda. Harte Männer hören weiche Musik? Wer am Freitag im Kurpark in Bad Liebenwerda war, könnte das glauben. In Reichenhain hingegen wurde bestätigt, dass Mann im Alter auch zieht. Von Frank Claus

Raketenstart in Bad Liebenwerda. „Was Dresden kann, das können wir auch“, dachte sich Mario Vogel und zog die Kaisermania nach Bad Liebenwerda. Während zur gleichen Zeit das Original am Elbeufer die Fans zum x-ten Mal aufmischte, gelang dem „Roland-Kaiser-Nr. 2“ Steffen Heidrich, von dem viele sagen, er sei das beste Double, das Gleiche im Bad Liebenwerdaer Kurpark. Proppevoll waren die Flächen unterm Blätterdach. Ohne Zugaben kam auch der Mann nicht von der Bühne. Es sind wie in Dresden immer mehr Männer, die die Damen zum Schmachten begleiten. Bis in den frühen Morgen wird in lauer Sommernacht dank DJ Steffen Heinzmann getanzt. Die Besucher sind happy: „So ´was brauchen wir öfter mal im Sommer.“

Das hat alle Erwartungen übertroffen, sagt Wirt Nadji Schvartz und meint: „Dass Gäste solange nach Getränken anstehen mussten, ärgert uns selbst. Wir haben das ausgewertet. Beim nächsten Mal wird’s besser, versprochen.“ Denn eine Neuauflage solle es geben.

Szenenwechsel: Ob es eine Neuauflage das Traditionsspiels von einstigen Fußball-Oberliga-Fußballern in dieser Zusammensetzung noch einmal geben wird? Selbst Joachim Streich, Stürmerlegende des 1. FC Magdeburg, und eine Halbzeit lang auf dem Platz glaubt das nicht. Wie Siegmund Mewes ist er inzwischen 68, sein Mitspieler von einst, Wolfgang „Paule“ Seguin, mit beiden läuft er in Reichenhain bei 100 Jahre SV Wacker auf, steht kurz vorm 74. Spaß haben sie dennoch an diesem Sonnabend. „Achim, da musst du auch mal laufen“, stichelt Seguin über den einstigen Nationalspieler und als der nicht aufpasst, krittelt er spaßig: „Du, das ist ein Fußballspiel, da muss man aufpassen.“ Wie die Mannen vom 1. FC Lok Leipzig, unter anderem mit den Nationalspielern Dieter „Zwecke“ Kühn und Frank Baum treffen sich die Spieler der Traditionsmannschaften, deren „Knochen noch nicht so kaputt sind“, einmal in der Woche zum Training. Die Magdeburger sind in diesem Jahr schon 15 Mal angetreten, die Leipziger sechs- oder sieben Mal, wie „Zwecke“ berichtet. Fußball heute? Die Großen von einst winken ab: „Bei uns wurde noch geschwitzt, heute müssen die Haare schön sein“, sagt Achim Streich und Dieter Kühn meint angesichts der Einkaufspolitik: „Das versteht doch keiner mehr. Bei uns kam das Gros der Spieler immer aus der Region.“

 380 Oberligaspiele, 219 davon ununterbrochen, Wolfgang „Paule“ Seguin (l.), hier mit Dirk Stahmann, war in der DDR einer der Fußballgrößen.
380 Oberligaspiele, 219 davon ununterbrochen, Wolfgang „Paule“ Seguin (l.), hier mit Dirk Stahmann, war in der DDR einer der Fußballgrößen. FOTO: LR / Frank Claus

Mit ihren Klubmannschaften sind die Männer immer noch verbunden. So ist die Freude groß, dass die Magdeburger den ersten Dreier der Saison in der 3. Liga geholt haben. Dieter Kühn bleibt zurückhaltend, was den Leipziger Fußball angeht: „Der eine Große in der Stadt hat viel verändert, mal sehen, wie Lok und Chemie sich jetzt in der Regionalliga schlagen.“

 Eine Halbzeit zeigt Joachim Streich, was er noch drauf hat.
Eine Halbzeit zeigt Joachim Streich, was er noch drauf hat. FOTO: LR / Frank Claus

Dass die Magdeburger die einzige DDR-Mannschaft waren, die den Europokal gewonnen haben, dass Paule Seguin gegen den AC Mailand das 2:0 erzielt und das auf Gegners Bank damals der legendäre Giovanni Trapattoni als Trainer saß, die echten Fans wissen das und bringen sogar das Programmheft vom letzten Streich-Länderspiel gegen Jugoslawien zum Signieren mit.

 Dieter „Zwecke“ Kühn und Frank Baum (r.).
Dieter „Zwecke“ Kühn und Frank Baum (r.). FOTO: LR / Frank Claus