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Junge Spanier und Bulgaren büffeln Deutsch

Finsterwalde. Eine neue Gruppe junger Leute aus der EU ist auf dem Sprung zur Ausbildung in den Landkreis Elbe-Elster. Gegenwärtig befinden sich 22 Spanier und elf bulgarische Jugendliche in ihrer Heimat in Deutschkursen. Gabi Böttcher

Auch wenn der ursprüngliche Plan, junge Leute aus Ländern der europäischen Union bereits ab Januar in ihren Heimatländern in Deutsch zu unterrichten, nicht aufging - jetzt sind 33 Männer und Frauen am Büffeln. Wie Jan Walther von der Deutschen Angestellten-Akademie GmbH (DAA) bestätigt, ist man auf gutem Weg, trotz der Verzögerungen einen Ausbildungsstart im September noch zu ermöglichen. Im vorigen Monat waren Jan Walther und weitere Mitstreiter der DAA in Spanien und Bulgarien, um über dortige Kontakte zu Berufsschulen und anderen Partnern der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit (ZAV) interessierte Jugendliche zu gewinnen. Inzwischen liege auch der Bewilligungsbescheid der Bundesagentur vor, dass die DAA sich für Elbe-Elster um dieses Projekt kümmern kann. Um die Zeitschiene mit Deutschkursen in den Heimatländern und einem Praktikumsstart im Juni in Elbe-Elster halten zu können, war die DAA quasi in Vorleistung gegangen und hatte sich zur Azubi-Akquise auf den Weg gemacht. Gegenwärtig sei man dabei, Bewerber und Unternehmen in Elbe-Elster miteinander bekannt zu machen. Ende Juni, Anfang Juli soll die Sprachausbildung mit dem Abschluss B1 enden, sodass Mitte Juli bis zu sechswöchige Praktika in Elbe-Elster starten könnten. 20 Unternehmen des Landkreises haben 33 Ausbildungsstellen für junge Leute aus der EU zur Verfügung gestellt. Es sei inzwischen kein Arbeitgeber abgesprungen. Im Gegenteil, das Interesse sei größer geworden. Wenn beide Seiten sich während beziehungsweise nach dem Praktikum "tief in die Augen geschaut" und sich füreinander entschieden hätten, ginge es für die Jugendlichen noch einmal für kurze Zeit nach Hause. Danach könnte im September mit der Ausbildung begonnen werden. "Schon während der Sprachausbildung versuchen wir, Live-Kontakte zwischen Unternehmen und zukünftigen Azubis herzustellen", sagt der Projektbetreuer. Aus den Erfahrungen einer engen Zeitschiene lernend, will er mit den Vorbereitungen für einen Ausbildungsstart 2016/17 bereits ab Mitte dieses Jahres beginnen. Denn Interesse und Bedarf seien bei anhaltend hoher Jugendarbeitslosigkeit sowohl in Spanien als auch in Bulgarien groß. Technische Berufe, eine Ausbildung im Handwerk, in der Landwirtschaft, ja auch in der Gastronomie und der hierzulande kaum zu besetzenden Ausbildung zum Fleischer seien gefragt.

Zum Thema:
Seit dem Jahr 2012 bemühen sich Akteure in Elbe-Elster, allen voran die Sparkasse Elbe-Elster und die Agentur für Arbeit, darum, jungen Menschen aus Ländern der EU eine berufliche Perspektive in der Region zu bieten. Allein bei der Sparkasse befinden sich derzeit sechs junge Leute aus vier Ländern in der Ausbildung. Im Juni 2014 hatten zehn junge Spanier in sieben Unternehmen des Landkreises ein Praktikum abgeschlossen. Acht der Azubis hatten sich entschieden, in Elbe-Elster zu bleiben.