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Im Lager Mühlberg
Jugendjahre hinter Stacheldraht

Eberhard Hoffmann hat seine Erinnerungen an die Zeit im Lager Mühlberg jetzt  in einem Buch veröffentlicht.
Eberhard Hoffmann hat seine Erinnerungen an die Zeit im Lager Mühlberg jetzt in einem Buch veröffentlicht. FOTO: Karsten Bär
Mühlberg. „Verführt, verfolgt, verdrängt“: Buch Eberhard Hoffmanns beschreibt Haftzeit im Lager Mühlberg. Von Karsten Bär

  Im Herbst  1945 wurde Eberhard Hoffmann im Alter von 17 Jahren in das Speziallager Mühlberg gebracht. „Zwischen Altenau und Burxdorf bog unser Lkw in ein Waldstück ein, das bald darauf den Blick auf ein größeres Lager freigab“, beschreibt er dieses Ereignis, dem Verhaftung und Verhöre vorangegangen waren. „Am Lagertor begegneten wir dem ‚Jauchekommando’. Je sechs Menschen in abgerissener Kleidung zogen und schoben die fünf Wagen. Der Anblick war für mich so entsetzlich, dass ich sofort an ein Straflager dachte.“

Für drei Jahre sollte er diesen Ort nicht wieder verlassen und – nach anschließender Haft in Buchenwald – für insgesamt viereinhalb Jahre aufgrund falscher Anschuldigungen unter unvorstellbaren Umständen gefangen bleiben. Vielfach hat er als Zeitzeuge nach 1990 mündlich über diese Zeit berichtet – und nun seine Erlebnisse niedergeschrieben und in dem Buch „Verführt, verfolgt, verdrängt – Bilanz eines deutschen Lebens“ veröffentlicht. „Es ist ein Buch, auf das wir lange gewartet haben“, sagt Pfarrer Matthias Taatz, Vorsitzender der Initiativgruppe Lager Mühlberg. „Eberhard Hoffmann hat viel zu erzählen, und wir haben immer gehofft, dass er es einmal aufschreiben würde.“

Hoffman,  der im Januar seinen 90. Geburtstag feierte und sich seit Jahrzehnten im Vorstand der Initiativgruppe für das Gedenken an die Opfer beider Lager – des deutschen Kriegsgefangenenlagers (1939-45) und späteren sowjetischen Speziallagers Nr. 1 Mühlberg (1945-48) – engagiert,  gibt in seinem Buch Einblicke in sein Leben vor, während und nach der Lagerhaft. Er beschreibt, wie  das nationalsozialistische Regime in den letzten Kriegsjahren ihn und andere Jugendliche vereinnahmte und wie er aufgrund des haltlosen Vorwurfs, als „Werwolf“ Anschläge gegen die sowjetischen Besatzungstruppen geplant zu haben, verhaftet und für lange Zeit gefangen gehalten wurde – ein Schicksal, dass er mit nahezu 10 000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren teilte, die in den zehn Speziallagern der sowjetischen Besatzungszone inhaftiert waren und, sofern sie überlebten, Jahre ihrer Jugend hinter Stacheldraht verbringen mussten.

Über Bezugsquellen für das Buch informiert die Geschäftsstelle der Initiativgruppe (Telefon 035342 87487, E-Mail: Lager-Muehlberg@t-online.de).