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| 19:39 Uhr

Moment des Erinnerns
Nicht nur Gedenkort, auch einer, um Fragen zu stellen

Wiedereinweihung des jüdischen Friedhofes nahe Uebigau.
Wiedereinweihung des jüdischen Friedhofes nahe Uebigau. FOTO: LR / Frank Claus
Uebigau. Uebigau-Wahrenbrück setzt mit der Wiedereinweihung des jüdischen Friedhofes mehr als nur ein Zeichen. Von Frank Claus

Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück hat am Montag ein Zeichen gesetzt. Einen schon in Vergessenheit geratenen jüdischen Friedhof wieder erkennbar gemacht. Und das in Zeiten, in denen auch in Deutschland „nationalistische Strömungen wieder lauter werden“, so Bürgermeister Andreas Claus. „Wir wollen damit zeigen, Menschen jüdischen Glaubens gehören zu unserer Gesellschaft dazu“, sagt er.

Falkenbergs Heimatfreund Dr. Rainer Pohl erinnert an die Entstehung des Friedhofes. Wahrenbrücker Juden, meist Händler, haben im Jahre 1839 ein 130 Quadratmeter großes Gelände gekauft. Es wurde am ,Dreibaum’ genannt, später auch am ,Bürgerholz’. Elf jüdische Menschen aus Wahrenbrück, Uebigau, Torgau, Schönewalde und Annaburg wurden dort beigesetzt. Im Jahr 1870 fand die letzte Beerdigung statt. Später verfiel der Friedhof, die Grabsteine wurden entwendet, die Natur überwucherte das Gelände direkt neben der heutigen Bahnlinie Leipzig-Cottbus.

Der jüdische Friedhof nahe Uebigau, genau an den Bahngleisen Leipzig-Cottbus, wurde wieder kenntlich gemacht, davon war Jahrzehnte nichts mehr zu sehen. Würdigung durch Bürgermeister Andreas Claus, Falkenbergs Heimatfreund Dr. Rainer Pohl, der sich mit der Geschichte beschäftigt hat, und Peter Fischer vom Zentralrat der Juden.
Der jüdische Friedhof nahe Uebigau, genau an den Bahngleisen Leipzig-Cottbus, wurde wieder kenntlich gemacht, davon war Jahrzehnte nichts mehr zu sehen. Würdigung durch Bürgermeister Andreas Claus, Falkenbergs Heimatfreund Dr. Rainer Pohl, der sich mit der Geschichte beschäftigt hat, und Peter Fischer vom Zentralrat der Juden. FOTO: LR / Frank Claus

Warum ist es soweit gekommen? Wo sind die Grabsteine geblieben, warum hat sich über so viele Jahre niemand um diesen Friedhof gekümmert, fragt Dr. Peter Fischer vom Zentralrat der Juden, um aber auch den etwa 60 Personen, die zur Einweihung der Trauerstätte gekommen sind, zu sagen: „Ich freue mich sehr und bin von Herzen gerührt.“ Jüdische Friedhöfe, so berichtet er, bestehen nach jüdischem Selbstverständnis auf Dauer, sind früher auch als „guter Ort“ bezeichnet worden. „Wahrscheinlich“, so sagt er, „um die mit ihm verbundenen Ängste vor dem Unbekannten zu beruhigen.“ Er setzt sich mit der äußeren Gestaltung des mit einem schwarzen Zaun umrandeten Friedhofes auseinander und geht auch damit inhaltlich in die Tiefe. Es ist eine „Art Blackbox. Denn er ist nur einseitig zugänglich, es gibt keinen Weg öffnend hindurch. Somit symbolisiert der Anblick auch den Verbleib von Unkenntnis über die Nachfahren und deren Schicksale in ihrer dunklen Zukunft unserer Vergangenheit.“

Und Peter Fischer mahnt: „Gerade heute, in diesen Novembertagen, heißt es ja auch Erinnerung, ihr, uns zugute Gerechtigkeit zu verschaffen. Denn würden wir die sogenannte ,Endlösung’ der Nazis – die Schoah – nicht mehr thematisieren wollen, würde beständig fortgesetzter Judenverachtung nicht widersprochen werden, wären menschlicher Grausamkeit erneut Tor und Weg eröffnet.“

Der jüdische Friedhof nahe Uebigau, genau an den Bahngleisen Leipzig-Cottbus, wurde wieder kenntlich gemacht, davon war Jahrzehnte nichts mehr zu sehen. Würdigung durch Bürgermeister Andreas Claus, Falkenbergs Heimatfreund Dr. Rainer Pohl, der sich mit der Geschichte beschäftigt hat, und Peter Fischer vom Zentralrat der Juden.
Der jüdische Friedhof nahe Uebigau, genau an den Bahngleisen Leipzig-Cottbus, wurde wieder kenntlich gemacht, davon war Jahrzehnte nichts mehr zu sehen. Würdigung durch Bürgermeister Andreas Claus, Falkenbergs Heimatfreund Dr. Rainer Pohl, der sich mit der Geschichte beschäftigt hat, und Peter Fischer vom Zentralrat der Juden. FOTO: LR / Frank Claus