Was in dem ehemaligen Lager nahe Mühlberg geschehen ist, hat die im Jahr 1991 gegründete Initiativgruppe aus dem Dickicht der Verschwiegenheit geholt. Es ist jenes Lager, das in den Jahren 1939 bis 1945 Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht war. Es ist jener Ort, der kurz vor Kriegsende im April von der Roten Armee befreit worden war. Und es ist der Ort, der nur kurze Zeit später zum Speziallager Nr. 1 des sowjetischen Geheimdienstes NKWD von 1945 bis 1948 wurde. Im Lager zweier Diktaturen kamen etwa 10.000 Häftlinge zu Tode.

Ein Blick auf die Anfänge

Pfarrer Matthias Taatz, Vorsitzender der Initiativgruppe, erinnert sich: „Es wurden 1990 immer mehr Briefe, die uns erreichten. Briefe, in denen vor allem Angehörige berichteten, dass das letzte Lebenszeichen von zumeist Vätern oder Söhnen aus Mühlberg kamen. Sie wollten nun endlich wissen, was mit ihnen passiert ist.“ Aber auch einstige Insassen aus ganz Europa kehrten zurück an den Ort ihrer Gräuel und fanden nur von Gestrüpp überwucherte Flächen vor. Während sich in der Stadt Mühlberg eine Arbeitsgruppe gebildet hatte, die sich mit mit der Aufarbeitung beschäftigte, hatte sich eine Gruppe Ehemaliger zusammengeschlossen, um Gleiches in die Hand zu nehmen. Zunächst wussten beide nicht voneinander. Bis sie sich zusammenschlossen.
Ein erstes Gedenktreffen schon davor vereinte im September 1990 etwa 1500 Teilnehmer. So viele, wie in den späteren Jahren nicht mehr. In diesem Jahr soll das Jubiläum im September besonders begangen werden – unter anderem mit einer Ausstellung zur Geschichte der Initiativgruppe und vielleicht auch mit einem Konzert.