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| 18:17 Uhr

Namhafter Referent in Elsterwerda
„Ich habe einen klaren Tipp: Chemiestudium“

 „Ich mache das aus Überzeugung“, begründet Joachim Sauer seine Vorlesung vor Schülern. Zahlreiche Studenten würden sich für das Chemiestudium eintragen. „Aber wir haben nach kurzer Zeit auch großen Schwund.“
„Ich mache das aus Überzeugung“, begründet Joachim Sauer seine Vorlesung vor Schülern. Zahlreiche Studenten würden sich für das Chemiestudium eintragen. „Aber wir haben nach kurzer Zeit auch großen Schwund.“ FOTO: LR / Frank Claus
Elsterwerda. Joachim Sauer wirbt am Elsterschloss-Gymnasium in Elsterwerda um studentischen Nachwuchs. Weitere 24 Referenten halten Vorträge. Von Frank Claus

Wer es nicht weiß, hat es auch an diesem Tag nicht erfahren. Der Quantenchemiker Prof. Dr. Dr. h.c. Joachim Sauer hat für sich selbst klare Regeln geschaffen. Bei öffentlichen Auftritten spricht er generell nur zu seinem Wissenschaftsgebiet. Schon im Vorfeld lässt er das Elsterschloss-Gymnasium wissen, dass er sich weder zu politischen Entwicklungen äußern wolle, noch zu seinem Privatleben. Und so haben auch alle jene, die ihm am Donnerstagvormittag begegnen, kein einziges Wort über das Leben mit seiner prominenten Ehefrau, Bundeskanzlerin Angela Merkel, erfahren. Dafür aber umso Spannenderes über die Welt der Atome.

„Quantenchemie – Woher wissen wir, wo die Atome sind?“ hat er seinen Vortrag überschrieben. Fast scheint es, als würde er etwas verschnupft reagieren, als ihm die Schüler nicht wie aus der Pistole die zuletzt gekürten namhaften deutschen Nobelpreisträger nennen können. Doch schnell spürt er, das Interesse an seiner Vorlesung ist enorm. Er berichtet von der Entwicklung des Molekülmodells, versucht so einfach wie möglich – und trotzdem für viele sicher nicht einfach verständlich – zu erklären, wie Moleküle berechnet und ihre Strukturen sichtbar gemacht werden können. Er streift die Elektronenmikroskopie und kommt wie am Anfang seines Vortrages auch immer wieder auf seine Heimat zurück. Er ist in Hosena aufgewachsen. Unweit davon, aus Hohenbocka, komme schließlich der weltbekannte Kristallquarzsand.

Er beantwortet geduldig die Fragen der Schüler. Ob es Grenzen in der Quantenmechanik gebe, will eine Schülern wissen und Joachim Sauer antwortet mit verschmitztem Lächeln: „Ich bin nicht ein Mensch, der an Grenzen glaubt.“ Überhaupt biete sein Fachgebiet noch jede Menge Forschungspotenzial, sodass er seine Zuhörerschaft gleich mal animiert: „Ich habe einen klaren Tipp: Chemiestudium.“ Auch er sei einst zur Oberschule gegangen, habe an der Erweiterten Oberschule in Senftenberg Abitur und dann noch den Facharbeiter gemacht, sei Chemielaborant gewesen und habe sich dann in Studium und Forschung vertieft.

Florian Sieber aus Bad Liebenwerda (18) ist begeistert: „Ich will Nanotechnologie studieren. Nach diesem Vortrag bin ich mir noch sicherer, das richtig entschieden zu haben.“ Jan Opitz aus Plessa (17): „Ich belege die Leistungskurse Chemie und Physik. Das war ein sehr interessanter, anspruchsvoller Vortrag. Und auch wenn ich nicht alles verstanden habe, ich will Chemielaborant werden.“

     Joachim Sauer hält eine Vorlesung am Elsterschloss. Der Organisator des Berufs- und Studienorientierungstages, Adrian Horstmann, dankt ihm.
Joachim Sauer hält eine Vorlesung am Elsterschloss. Der Organisator des Berufs- und Studienorientierungstages, Adrian Horstmann, dankt ihm. FOTO: LR / Frank Claus

Adrian Horstmann, der mit den Schülerinnen Vivian Lindner, Anne Renner, Lara Laube, Monique Mühlner, Linda Kuhbach und Enie Beyer, den Lehrerinnen  Petra Starke und Gabriela Richter sowie Jana Schmidt von der Arbeitsagentur diesen Berufs- und Studienorientierungstag organisiert hat, ist megastolz: „Wir hatten 50 Institutionen aus Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen angeschrieben. 25 sind gekommen. 60 Referenten haben heute 700 Schüler beraten. Die Reaktionen, die ich gehört habe, waren durchweg positiv.“