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Jetzt steht Familie an erster Stelle

Mühlberg.. Eigentlich hatte sie diesem Tag immer gelassen entgegen geblickt. Aber nun fühlt sie sich doch etwas wehmütig. Susann Winter

Heute hat Rosemarie Bauer, die seit 1990 im Mühlberger Rathaus tätig war und sich um Bildung, Kultur und Tourismus kümmerte, ihren letzten Arbeitstag, bevor sie ab morgen ihren Ruhestand genießt.
Aber wer Rosemarie Bauer kennt, der weiß, dass es dann bei ihr nicht weniger betriebsam zugehen wird. „Ich brauche das einfach, unter Menschen zu sein. Obwohl mir ein bisschen Ruhe vielleicht mal guttun würde“ , sagt sie schmunzelnd. Aber ihr Terminkalender ist bis Ende September gefüllt.
Trotzdem steht an erster Stelle jetzt erst einmal ihre Familie - ihr Mann, die drei Kinder und fünf Enkel. „Meine dreijährige Enkelin Franziska hat schon gefragt, 'Oma, holst Du mich dann als Mittagskind vom Kindergarten ab'“ , erzählt Rosemarie Bauer lächelnd.
Bis zur Wende arbeitete die gelernte Kindergärtnerin ohne Unterbrechung in ihrem Beruf, 18 Jahre lang war sie Leiterin der Einrichtung in Mühlberg. 1990 folgte dann der Wechsel in die Verwaltung. „Diese gesetzlose Zeit damals, die war schön. Da waren wir gezwungen, Entscheidungen zu treffen. Wir haben immer versucht, zum Wohle der Menschen zu entscheiden, und meist war das auch nicht falsch“ , erinnert sich Rosemarie Bauer.
Doch derlei Entscheidungen wird die 60-Jährige in Zukunft höchstens noch in ihrer Funktion als Vorsitzende des Mühlberger Fremdenverkehrsvereins treffen. „Der Tourismus ist nun mal mein Leben“ , berichtet Rosemarie Bauer, die erst vor kurzem einen Lehrgang zum Gästeführer abgeschlossen hat. Ideen für die nächste Zeit hat sie genug. Demnächst begibt sie sich auf wankende Bretter: Wenn die sächsischen Flößer am 31. August in die Elbestadt kommen, wird Rosemarie Bauer die Strecke von Riesa bis Mühlberg mit ihnen auf der Elbe fahren. „Da soll es dann auch einen historischen Markt geben, die Flößer werden über ihre Arbeit sprechen, und die Ruderer möchte ich auch gern mit einbeziehen“ , erzählt Rosemarie Bauer voller Begeisterung. Ihr schönster Dank bei allem, was sie tut, ist die Freude der Menschen. „Als die diesjährige zehnte Klasse sich für die Zusammenarbeit bedankt hat, war ich so glücklich.“ Doch am allerwichtigsten ist ihr bei allem, „dass mein Mann und ich noch recht lange mit all den Wehwehchen klarkommen, die sich so eingeschlichen haben, und noch viele schöne Jahre erleben werden“ .
Die Stelle von Rosemarie Bauer wird nicht wieder besetzt, ihre Aufgaben werden auf andere Verwaltungs-Mitarbeiter verteilt. Auch Karin Morgenstern, Mitarbeiterin der Mühlberger Hauptverwaltung, beendet heute ihren Dienst und geht in den wohl verdienten Ruhestand.