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Jetzt darf sie wieder mit Puppen "spielen"

Johanna Krengel aus Herzberg katalogisiert gegenwärtig akribisch die Brockmüller-Puppensammlung.
Johanna Krengel aus Herzberg katalogisiert gegenwärtig akribisch die Brockmüller-Puppensammlung. FOTO: M. Claus/mcl1
Bad Liebenwerda. Den Puppenfundus archivieren, fotografieren und beschriften, Ausstellungen aufbauen und das Kreismuseum Bad Liebenwerda präsentieren, das sind Aufgaben, die seit Oktober vergangenen Jahres von Johanna Krengel zu bewältigen sind. Die 19-jährige Herzbergerin hat sich für den Bundesfreiwilligendienst entschieden. Mona Claus / mcl1

Bundesfreiwilligendienst? Für Johanna Krengel ist es die Gelegenheit, ein sinnvolles Zwischenjahr zwischen Schulabschluss und Studienbeginn einzulegen. "Eigentlich wollte ich studieren, wusste nur nicht so richtig was. Für ein Psychologiestudium fehlte mir einfach der passende Numerus clausus. Und selbst mit einem 2,0er Abitur ist es unglaublich schwer, als Mediengestalter, mein Zweitwunsch, angenommen zu werden", erzählt Johanna. Fast nebenbei erwähnt sie außerdem, dass ihr die Heimat doch sehr am Herzen liege. So sehr wie die Musik, die nebenbei einen Großteil ihres Lebens ausmache.

Ihr Vater hatte sie auf die Möglichkeit des freiwilligen Dienstes im Landkreis aufmerksam gemacht. Wichtig war der Herzbergerin die kulturelle Ausrichtung der Stelle. "Also habe ich mich beim Landkreis beworben und erklärt, was ich mir vorstelle, machen zu wollen. Dass ich im Kreismuseum Bad Liebenwerda gebraucht werde, hat sich schon nach den ersten Tagen gezeigt", sagt Johanna. "Bereits im Vorstellungsgespräch hat mir Ralf Uschner aufgezeigt, welche Arbeiten auf mich warten. Ich fühle mich sehr wohl hier."

Intensiv ist sie gegenwärtig damit beschäftigt, die sagenhaft umfangreiche, 5000 Teilstücke umfassende Brockmüller-Puppentheatersammlung, die das Kreismuseum erworben hat, zu katalogisieren. "Ich bin dabei, alle Stücke tabellarisch zu erfassen, alle Puppen zu beschriften und zu verpacken." Auch die Kinderwagen-Ausstellung, die jetzt bis zum Frauentag verlängert wurde, hat sie mit aufgebaut.

Johanna arbeitet 40 Stunden in der Woche. Der Arbeitstag beginnt um 8 Uhr am Morgen. Mit einer Monatskarte für die Bahn ist sie mobil für ihren Job. Selbst ihre vorab kritische Mutter sei jetzt einverstanden mit dem, was die Tochter macht. "Es ist toll hier hinter die Kulissen schauen zu können", erzählt sie und lässt dabei nicht unerwähnt, dass sie damit auch alle Möglichkeiten habe, um ihrer musischen Passion zu frönen. Johanna besucht dienstags die Kreismusikschule "Gebrüder Graun", um Orgel und Saxofon zu spielen. Der Mittwoch ist reserviert für Gitarre und Klavier. Immer montags wird ordentlich auf Felle und Becken "eingeschlagen", dann ist Schlagzeugunterricht. Freitags und samstags steht Bandprobe auf dem Plan. Seit 2015 ist sie das einzige Mädel in der Band bei "Down ahead" und gibt mit ihrem Schlagzeug den Rhythmus für drei junge Herren vor. Zu erleben ist die Truppe übrigens bei der Kneipennacht in Dahme. Sogar bei "Jugend musiziert" ging sie kürzlich mit zwei weiteren Saxofonspielern an den Start - Ergebnis: 2. Preis, 19 von 25 Punkten. Und gern gesehen ist Johanna mit ihrem Saxofon im Schulorchester des Melanchthon-Gymnasiums in Herzberg.

"Es wäre schön, würde ich einen Studienplatz in Heimatnähe finden", meint sie, aber das Jahr als Bufdi möchte ich nicht missen. "Meine Lieblingsfächer waren Latein und Chemie. Vielleicht findet sich was in Dresden oder Leipzig, die Bewerbungszeit läuft ja noch", zeigt sich die junge Dame optimistisch. Gefragt nach einer Lebensweisheit, die sie begleitet, erklärt sie lachend: "Es kommt wie es kommt."