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Hochwasserschutz
Jetzt bloß keine Flut in Elster und Pulsnitz

Offensichtlich schwere Fahrzeuge der Landwirtschaft haben die Elster-deichkrone und den Deichverteidigungsweg zwischen Plessa und der Schradenbrücke schwer beschädigt.
Offensichtlich schwere Fahrzeuge der Landwirtschaft haben die Elster-deichkrone und den Deichverteidigungsweg zwischen Plessa und der Schradenbrücke schwer beschädigt. FOTO: Feller
Elsterwerda/Schradenland. Für die Anrainergemeinden von Schwarzer Elster und Pulsnitz, Landesgewässer I. Ordnung, wäre es von Vorteil, wenn die nächste Hochwasserwelle noch lange auf sich warten lässt. Manfred Feller

Zwischen den von Maschinen und Schafen gemähten Deichen und Vorländern kann das Wasser zwar fast überall ungehindert fließen, aber die Schutzbauwerke sind nach wie vor altersschwach und vielfach zu niedrig. Überflutungsflächen müssen ausgewiesen werden. "Ich sehe keine Verbesserung", konstatiert Norbert Lachmann, Sachbearbeiter in der Unteren Wasserbehörde des Landkreises.

Er leitete die erste Befahrung der diesjährigen Deich- und Gewässerschau zwischen Elsterwerda und dem Schradenland in dieser Woche. Dabei wurde deutlich, dass sich die Lage noch verschärft hat. Der Orkan am 22. Juni hat auf den Deichen auch kleiner Vorfluter die Bäume reihenweise umstürzen lassen und schwere Schäden hinterlassen. Zudem zerstören Fahrzeuge Deichanlagen samt der Verteidigungswege für den Hochwasserfall.

Elsterwerda, Thaugraben. Die Nutrias haben sich im Thaugraben zur Plage entwickelt. Sie leben zumeist in Erdbauen in Wassernähe und können damit die Struktur der Ufer schwächen. Das größte Problem sei, so Silke Freigang vom Bauamt der Stadt Elsterwerda, dass die Nagetiere offensichtlich gefüttert werden und vielfach zahm wie Haustiere sind. Kaum ausgesprochen, spaziert eine Nutria am Ausgangspunkt der Deichschau in der Burgstraße am helllichten Tage in einigem Abstand vorbei. Bürger würden sich gar beschweren, wenn der Bisam- und Nutriafänger anrückt.

Kahla, Elsterbrücke. Dort hat der Orkan vom Juni ein Bild der Verwüstung hinterlassen. "Hier sind Eichen, Linden und Pappeln mit einem Durchmesser von 20 bis zu 140 Zentimetern umgestürzt", blickt Henner Richter vom Ingenieurbereich Elsterwerda des Landesumweltamtes sorgenvoll auf den flussabwärts linksseitig stark in Mitleidenschaft gezogenen Deich (großes Foto). Das Beseitigen der Schäden musste unterbrochen werden, weil die schwere Technik im durchnässten Vorland versinkt. Das Bergen des Holzes, das Roden der mächtigen Stubben und die Reparatur des Deiches entlang der hauptgeschädigten Strecke zwischen Plessa und Elsterwerda werde etwa 1,5 Millionen Euro kosten, schätzt Henner Richter. Würde jetzt die Hochwasserwelle anrollen, müssten die Löcher im Deich mit Großtechnik und Bigbags voller Sand zügig gesichert werden. "Wir dürfen nicht mit offenen Deichen in den Winter gehen", mahnt Norbert Lachmann vom Landkreis das Land zur Eile. Sachsen hat diese Sorgen nicht. Dort gleicht die Elster einem baumlosen, ausgebauten Kanal, der das Wasser schnell nach Brandenburg abgibt.

Plessa, Hammergrabenbrücke. "Bis auf das braune Wasser haben wir keine Probleme. Der Wasserstand ist niedrig, der Bewuchs akzeptabel und der Durchfluss gegeben", fasst Hans-Joachim Weinhold, Fachbereichsleiter Bau im Amt Plessa, zusammen. Lediglich der Rückstaudeich in Fließrichtung links bräuchte Pflege.

Schwarze Elster zwischen Plessa und der OSL-Kreisgrenze. Die Deichverteidigungswege, auf denen die Einsatzkräfte im Hochwasserfall samt Material fahren müssen, befinden sich teils in schlechtem Zustand: Löcher, Wasser, Schlamm. Das Grün wuchert in die Fahrspur. Flussaufwärts auf der rechten Seite in Richtung der Schradenbrücke ist gar die Deichkrone stark angegriffen. Die tiefen Reifenspuren deuten darauf hin, dass dort schwere Landtechnik unterwegs ist. Um Bäumen und Löchern auszuweichen, wird immer mehr vom schützenden Deich zerfahren (Foto oben rechts). "Wir werden prüfen, ob der Weg weiter von der Landwirtschaft genutzt werden darf", kündigt Norbert Lachmann an. Die Deichwege sind auch Fahrradwege, doch momentan nicht passierbar.

Gröden, neue Pulsnitzbrücke. Die Pulsnitz macht einen bilderbuchartig gepflegten Eindruck. Allerdings hat der Sturm auch dort erbarmungslos zugeschlagen. Mächtige Bäume sind umgefallen wie die Streichhölzer. Zerlegt liegen die Stämme nun am Wegesrand zum Abtransport bereit (Foto unten links).

Querbach nördlich von Großthiemig. Der beschauliche Querbach mündet in die Pulsnitz. Ein herrlicher Flecken Natur. Doch die Idylle trügt gewaltig. Die Pappeln, wohl in den 1950er-Jahren als Rohstofflieferanten gepflanzt, hätten nach 30 Jahren gefällt werden müssen. Heute sind sie allesamt umsturzgefährdet. Der Fällantrag ist gestellt. Doch beim Umlegen sei höchste Vorsicht geboten. Die Bäume müssen weg, um die Deiche zu schützen und den Wasserdurchfluss zu sichern.