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| 15:25 Uhr

Mehr als 9000 Kilometer von der Heimat entfernt
Auch ohne „Frei“ feiern Japaner

 Der Japaner Hiroshi Tani (29) absolviert eine dreijährige Ausbildung zum Fleischermeister in der Privatfleischerei Arnold in Kraupa. Über Weihnachten ist er Familienmitglied bei den Arnolds.
Der Japaner Hiroshi Tani (29) absolviert eine dreijährige Ausbildung zum Fleischermeister in der Privatfleischerei Arnold in Kraupa. Über Weihnachten ist er Familienmitglied bei den Arnolds. FOTO: Veit Rösler
Kraupa. Mehr als 9000 Kilometer trennen Hiroshi Tani (29) über die Weihnachtszeit von seiner Tochter Itsuki (2) und Ehefrau Satoe (34). Der Japaner absolviert gegenwärtig für insgesamt drei Jahre in der Privatfleischerei Arnold in Kraupa eine Ausbildung zum Fleischermeister. Von Veit Rösler

In der Fleischerei Arnold in Kraupa werden regelmäßig ausländische Lehrlinge, insbesondere aus  Frankreich und Polen, ausgebildet. Insgesamt 15 Lehrlinge befinden sich gegenwärtig in der Ausbildung.  „Mit Blick auf die Zukunft und den sich anbahnenden Fachkräftemangel ist das für uns eine Investition in die Zukunft“, so Fleischermeister Matthias Arnold (40). Gegenüber dem Betrieb wird sogar ein eigenes Lehrlingswohnheim betrieben.

Der Kontakt zu dem Meisterschüler aus Japan ist auf einer Dienstreise von Fleischermeister Matthias Arnold im Jahr 2013 in das Land der aufgehenden Sonne entstanden. Damals sollten für den japanischen Markt im Land produzierte deutsche Produkte nach deutschem Standard geprüft werden. Schließlich sollen ja die an verschiedenen Enden der Welt produzierten Produkte mit gleichem Ursprung ein nahezu identisches Geschmackserlebnis bieten.

Hiroshi Tani ist der erste Lehrling aus Japan. Er ist von seiner Firma Prime Meat Packers Ltd. Shinagawa-ku  Tokio, der drittgrößte Fleischproduzent in Japan, delegiert worden. Wenn Hiroshi Tani in einem Jahr die Meisterprüfung absolviert hat, soll er zukünftig in Japan in der 3000 Mitarbeiter großen Firma selbst als Meister für deutsche Produkte Lehrlinge nach deutschen Produktionsstandards ausbilden. Zwei Mal pro Jahr kann Hiroshi Tani in seine Heimat nach Japan fahren. Tochter Itsuki und Ehefrau Satoe waren auch schon in Deutschland.

In der Firma Arnold wird der Japaner für seine akurate Arbeitsweise und seine Perfektion geschätzt. Auch nach der Arbeitszeit lernt er fleißig. Fast täglich wird über das Internet der Kontakt zur Familie und zur Firma unterhalten. Mittlerweile hat er sich gute Deutschkenntnisse angeeignet. Den Heiligen Abend wird er gemeinsam mit der Familie Arnold verbringen. „Wir schätzen ihn sehr und wir nehmen ihn auf wie ein Familienmitglied“, so Matthias Arnold.

Obwohl in Japan der Shinto und der Buddhismus die wichtigsten Religionen sind und der Daoismus aus China und der Konfuzianismus ebenfalls große Bedeutung haben, spielt das Weihnachtsfest in Japan eine wichtige Rolle. Das Christentum ist in Japan nur wenig verbreitet. Das hält die Japaner jedoch nicht ab, in breiten Bevölkerungsschichten das Weihnachtsfest zu feiern. Allerdings begehen die Japaner das Fest eher mit Arbeitskollegen und mit Freunden, anstatt mit der Familie.

Nach amerikanischem Vorbild sind die Innenstädte üppig geschmückt und die Werbeindustrie hat daraus längst ein lukratives Geschäftsfeld entwickelt. Allerdings fallen die Geschenke noch moderat aus. Noch etwas ist anders: Die Japaner müssen zur Arbeit gehen, weil es in ihrem Land keine offiziellen Weihnachtsfeiertage gibt. Der Familie gehört dann der Neujahrstag. Statt üppigem Weihnachtsbraten kommt in Japan süße Torte auf den Weihnachtstisch.