Der Baum ist innen vollkommen ausgebrannt. Viele Äste mussten von der Feuerwehr abgetrennt werden, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen und eine Ausbreitung auf den angrenzenden Wald zu verhindern. Weil die Statik noch nicht neu berechnet wurde, ist das Gelände um die noch immer viele Tonnen schwere Baumruine weiträumig abgesperrt.

Es wird Anzeige erstattet

„Wir werden wohl Anzeige erstatten und versuchen den Verursacher des Brandes zu ermitteln“, so Petra Wießner. Sollte ein Verursacher des Schadens an dem eingetragenen Naturdenkmal ermittelt werden, könne ihn ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro erwarten, so Wießner. Die Feuerwehr Schraden war am Sonntagabend um 18.57 Uhr alarmiert worden und mit 13 Feuerwehrleuten vor Ort. Daneben ist das Tanklöschfahrzeug aus Plessa mit drei Mann Besatzung zur Brandstelle gerufen worden. Zu diesem Zeitpunkt war der Baum mit einem Stammdurchmesser von 6,30 Meter bereits im Innern ausgebrannt.

Brandstiftung?

Das Feuer hatte sich über die Äste in die Höhe gefressen. Gegen 20.30 Uhr war der Einsatz beendet. „Wir als Feuerwehr gehen nach unseren Beobachtungen und Erfahrungen davon aus, dass das Feuer keine natürliche Ursache hat“, meint Einsatzleiter Ortswehrführer Klaus Tenner (58) aus Schraden. Vermutlich habe der Brand bereits ein bis zwei Tage vorher schon wie in einem Kamin gelodert, bevor es am Sonntagabend von einem Schradener Einwohner bemerkt wurde.

Ein Gewitter habe es weder an diesem, noch den vorangegangenen Tagen gegeben. Zudem hätten die typischen Spuren eines Blitzeinschlags wie zum Beispiel herausgesprengte Rinde oder eine sich zum Boden ziehende Brandlinie gefehlt. An der Rinde des Baumes sei vor dem Brand erkennbar gewesen, dass der Baum bereits zahlreiche Blitzeinschläge überstanden hat, die immer wieder verwachsen sind.

Eine andere Meinung vertritt der zuständige Revierförster der Oberförsterei Elsterwerda im Revier Kraupa Ulrich Plesse (50) aus Haida: Vorangegangene leichte Gewitter habe es am 2. und 3. Mai gegeben. „Sollte ein Blitz den Baum getroffen haben, könnte es durchaus sein, dass sich das Feuer die ganze Zeit in dem Stamm gehalten hat“, so Ulrich Plesse.

Das Alter des Baumes wird in verschiedenen Quellen auf bis zu 800 Jahre geschätzt, was auf die Anlage des Schradenwaldes zu dieser Zeit zurückgehen würde.

530 Jahre alte Eiche

Aus forstbehördlicher Sicht, so Ulrich Plesse, hat man den Baum im Jahr 1930 als Naturdenkmal gewidmet und ihn damals ein Alter von mindestens 450 Jahren zugestanden. Auch das damit heutige Alter von 530 Jahren sei schon eine beachtliche Leistung.

An der ehemaligen Poststraße von Berlin nach Moritzburg gelegen, soll der Legende nach der Preußenkönig Friedrich der Große unter der mächtigen Eiche im Schradenwald gerastet haben. Dies brachte der Schradeneiche den Namen „Friedrichseiche“ ein. Wie mit der noch immer beindruckend ausschauenden Schradeneiche weiter verfahren wird, soll nun bei der Unteren Naturschutzbehörde entschieden werden.

Baum sollte stehen bleiben

„Ich bin dafür, den Baum erst einmal stehen zu lassen. Wir müssen allerdings effektive Absperrmaßnahmen treffen, damit kein Besucher von herabfallenden Ästen getroffen wird“, meint Revierförster Ulrich Plesse. So könne der Baum je nach Haltbarkeit des verbliebenen Holzes durchaus noch 50 bis 70 Jahre stehen bleiben und sogar Vögeln einen Nistplatz bieten. Einen ganz kleinen Hoffnungsschimmer bietet ein trotz des Brandes immer noch grüner Ast auf der Ostseite der Eiche. Wenn er es schafft, zukünftig über die Rinde und das verbliebende Stammwerk Nährstoffe zu ziehen, bleibt die alte Eiche auch weiterhin ein lebendiges Wesen.