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| 18:30 Uhr

Mühlberg
Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Vom 6. bis 21. Januar öffnet in Mühlberg eine besondere Ausstellung. Zu sehen sind verschiedene Krippendarstellungen, aber auch uralte Weihnachtsrituale werden wieder wach. In der Klosterkirche ist die heilige Familie, eine Kettensägearbeit, zu sehen.
Vom 6. bis 21. Januar öffnet in Mühlberg eine besondere Ausstellung. Zu sehen sind verschiedene Krippendarstellungen, aber auch uralte Weihnachtsrituale werden wieder wach. In der Klosterkirche ist die heilige Familie, eine Kettensägearbeit, zu sehen. FOTO: Frank Claus / LR
Mühlberg. Am Sonnabend eröffnet im Mühlberger Kloster eine faszinierende Ausstellung, angelehnt ans schwäbische Krippenparadies. Von Frank Claus

Für die meisten Menschen ist Weihnachten am 27. Dezember vorbei. Die Gäste sind wieder abgefahren, im Radio sind die Christmas-Songs verstummt. Längst kreisen die Gedanken um  Silvester und das neue Jahr. Nicht so im Mühlberger Kloster. Dort ist schon wieder Weihnachten – oder besser: immer noch. Und so stehen nicht nur die Christbäume noch im Haus, auch der weihnachtliche Festputz verleiht Zimmern, Fenstern, Fluren und selbst Treppengeländern noch immer diese besondere, einmalige Stimmung des Weihnachtsfestes.

  Doch wann ist Weihnachten vorbei? Die Katholiken halten es mit dem Ende unterschiedlich. Für die einen geht Weihnachten, bis die Sternsinger da waren, also bis zu „Heilige Drei Könige“  am 6. Januar, für andere gar bis zum 2. Februar mit „Maria Lichtmess“.

Im Schwäbischen, der Heimat von Pater Alois Andelfinger aus dem Mühlberger Kloster, werden erst Anfang Februar in Kirchen und Haushalten die Krippen im Keller verstaut und die Weihnachtsbäume entsorgt.

Das sind sie, die echten „Krippeler“. Zu denen gehören auch Anni und Nikolaus Maucher sowie Kathi und Helga, die am Dienstag aus dem 510 Kilometer entfernten Weißenhorn in der Nähe von Pfaffenhofen/Roth (bayrisches Schwaben) angereist sind. Mit voller Fuhre - einem bis unters Dach voll gepackten Pkw mit Anhänger. Sie bauen eine faszinierende Krippenausstellung auf, angelehnt ans schwäbische Krippenparadies.

Ein Blick in die Geschichte:  Es war um 1650, als im Schwabenland die Pest grassierte. Drei Brüder, so erzählt die Geschichte, habe der Vater fortgeschickt  nach Tirol – um der Krankheit zu entgehen. Dort hätten sie in langen Winterabenden die Schnitzkunst erlernt und sie mit zurück ins Schwäbische gebracht.

Eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat. In Pfaffenhofen gibt es einen Krippenweg. So bezeichnet ist die Ausstellungsmeile vorbei an Vorgärten, Schaufenstern und öffentlichen Einrichtungen. Überall wird die Weihnachtsgeschichte mit der Geburt Jesu in der Krippe dargestellt. Mit -zig unterschiedlichen Facetten, Materialien, Darstellungsformen. Erst einen Tag vor Weihnachten holen sich die Besitzer ihre Krippen ins heimische Wohnzimmer - und lassen sie dann bis Lichtmess stehen.

In Mühlberg entsteht nun ein Teil dieses Krippenweges in einer Form, die selbst die Gäste aus dem Schwabenland fasziniert. „Das Kloster atmet so eine Atmosphäre besonders mit seiner spirituellen Haltung“, sagt Pater Alois und fügt langsam und immer wieder innehaltend hinzu: „Weihnachten – Weihnachten kannst Du nicht machen. Weihnachten musst Du leben.“

Gern geht er dann diesen faszinierenden Weg durchs Klosterareal, die Pfarrkirche St. Marien, die Klosterkirche mit Chorraum und Seitenapsis durch den Kreuzgang in den Juttasaal und vorbei am Weihnachtsbrunnen ins Äbtissinnenhaus. Das allein ist eine geheimnisvolle Schatztruhe mit Krippe, Spinnrad, Sofas und Kanapees in der „guten Stube“, dem Schaukelpferd und der Puppenstube. Kinder können beim Krippenspiel in Kostüme schlüpfen, basteln, Süßes naschen.

Und aus dem Speisesaal duftet es noch immer so herrlich weihnachtlich verführerisch. Pater Alois und seine Helfer erklären einzelne Stücke, berichten aus der Weihnachtsgeschichte, beantworten Fragen zum Kloster.

Eine persönliche Anmerkung: Sie haben sich bisher gescheut, ein Kloster zu besuchen? Dann tun Sie es jetzt! Am besten gleich an diesem Wochenende. Vermutlich lange nicht mehr wird der Anlass schöner sein, als vom 6. bis zum 21. Januar. Denn Pater Alois gesteht: „Ich weiß nicht, ob wir noch einmal die Kraft finden werden, das Kloster so zu gestalten.“

In den Seitennischen der Klosterkirche sind kleine Krippendarstellungen zu bewundern. Nikolaus Maucher baut hier eine davon auf.
In den Seitennischen der Klosterkirche sind kleine Krippendarstellungen zu bewundern. Nikolaus Maucher baut hier eine davon auf. FOTO: Frank Claus / LR
Eine orientalische Krippenlandschaft bauen Kathi, Anni und Helga (von links) hier in der linken Seitenapsis der Klosterkirche auf. Auch dieses Bild befindet sich sonst auf dem Pfaffenhofener Krippenweg.
Eine orientalische Krippenlandschaft bauen Kathi, Anni und Helga (von links) hier in der linken Seitenapsis der Klosterkirche auf. Auch dieses Bild befindet sich sonst auf dem Pfaffenhofener Krippenweg. FOTO: Frank Claus / LR
Wenn Besucher das große Klostertor durchschritten haben, werden sie, wenn sie den Hinweisen des Infoblatts folgen, zuerst in die rechtsseitig gelegene Pfarrkirche St. Marien mit Hochalter und dieser Darstellung geführt.
Wenn Besucher das große Klostertor durchschritten haben, werden sie, wenn sie den Hinweisen des Infoblatts folgen, zuerst in die rechtsseitig gelegene Pfarrkirche St. Marien mit Hochalter und dieser Darstellung geführt. FOTO: Frank Claus / LR
Im Juttasaal sind verschiedene Krippenelemente ausgestellt. Besucher sollten davor auch die Gelegenheit nutzen, am Hirtenfeuer zu verweilen.
Im Juttasaal sind verschiedene Krippenelemente ausgestellt. Besucher sollten davor auch die Gelegenheit nutzen, am Hirtenfeuer zu verweilen. FOTO: Frank Claus / LR
In der guten Stube mit angrenzendem Bastel- und Spielzimmer werden sich die Jüngsten wohlfühlen, während Ältere in der Bibliothek schmökern.
In der guten Stube mit angrenzendem Bastel- und Spielzimmer werden sich die Jüngsten wohlfühlen, während Ältere in der Bibliothek schmökern. FOTO: Frank Claus / LR
Im Kreuzgang finden sich verschiedene weihnachtliche Dekorationen.
Im Kreuzgang finden sich verschiedene weihnachtliche Dekorationen. FOTO: Frank Claus / LR
Der kleinere Eingang in den Kloster-Innenbereich.
Der kleinere Eingang in den Kloster-Innenbereich. FOTO: Frank Claus / LR