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Ist das Kloster die bessere Paartherapie, Pater Alois?

Mühlberg. In wenigen Tagen lädt das Kloster Marienstein Ehepaare zu einem Wochenende ein. Die RUNDSCHAU hat bei Pater Alois nachgefragt, was es mit der Einladung auf sich hat: Pater Alois, das Kloster Marienstern in Mühlberg lädt Ehepaare unter dem Motto "Zeit haben – Zeit schenken" für ein Wochenende in seine Einrichtung ein. Es fragte Steven Wiesner.

Wie kam es zu der Idee?
Ehepaare sind oft sehr fleißig und verausgaben sich für Mitmenschen oder im Berufsleben. Sie kommen aber nicht dazu, etwas für sich selbst zu tun. Deshalb wollen wir eine Art Ehe-TÜV anbieten, so wie es das fürs Auto auch gibt. Die Paare sollen schauen: Wo stehen wir eigentlich? Wann habe ich das letzte Mal einen Liebesbrief geschrieben oder ein Kompliment gemacht?

In Ihrer Ausschreibung schreiben Sie von der "Besinnung auf tragende Werte einer Beziehung". Welche sind das genau und wo gehen diese heutzutage verloren?
Es geht um Achtsamkeit, neue Sensibilität für den anderen und darum Zeit zu haben. Man muss hinschauen in einer Partnerschaft und miteinander reden. Man rennt morgens oft nur schnell aus dem Haus und hat manche Dinge, die zwischen einem stehen, noch gar nicht aus der Welt geschafft. Man sollte aber nie im Zorn auseinandergehen.

Ist das Kloster also die bessere Paartherapie?
Ich möchte herkömmlichen Therapeuten keinesfalls ihre Kompetenz absprechen. Es geht auch nicht unbedingt um Therapie, sondern um Begegnung. Ich denke, das gehört in unser Aufgabengebiet und wir können da auch etwas beitragen. Das Leise in der Welt wird gar nicht so gesucht, aber es kann eine gute Erfahrung sein, die Zurückgezogenheit des Klosters zu spüren. Im süddeutschen Raum ist so etwas für Familien fast eine Selbstverständlichkeit.

Aber Zueinanderzufinden, hat ja oft auch etwas mit Leidenschaft zu tun. Besteht da nicht ein gewisser Widerspruch mit dem Leben in einem Kloster? Stichwort: Enthaltsamkeit?
Es ist richtig, dass wir im Kloster nicht die Möglichkeit der körperlichen Nähe haben. Das heißt aber nicht, dass es im Kloster keine Leidenschaft gibt. In alle meine Taten muss ich meine Leidenschaft mit einbringen. Wenn ich das nicht tue, spürt das mein Gegenüber.

Und warum ist Ihr Angebot auch für ungläubige Menschen wertvoll?
Wir sprechen ja keine Katholiken oder Evangelien an, sondern alle Ehepaare. Es geht nicht darum, den Leuten Weihwasser ins Gesicht zu schütten, sondern neue Gesprächsthemen zu finden. Wir haben der Welt etwas entgegenzusetzen.

Zum Thema:
Das Kloster Marienstein lädt Ehepaare vom 10. bis 12. Februar ein. Das Erlebnis zu zweit ist ab 105 Euro zu buchen. Vier Ehepaare haben sich bereits angemeldet, mehr als acht Paare sollten es nicht werden. Anmelden kann man sich im Kloster (Altstädter Markt 9), telefonisch: 035342/879270 und 015758527594 oder per E-Mail: info@kloster-marienstern.de