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Industriedenkmal braucht Geld - 90 Jahre Kraftwerk Plessa

Das Erlebniskraftwerk Plessa ist Teil der kritischen Analyse zur Brandenburger Industriekultur.
Das Erlebniskraftwerk Plessa ist Teil der kritischen Analyse zur Brandenburger Industriekultur. FOTO: fc
Plessa. Riesige Maschinen, Regler und historische Schalter: Das Braunkohle-Kraftwerk Plessa wurde vor 90 Jahren in Betrieb genommen. Das heutige Industriedenkmal müsste weiter saniert werden, aber es fehlt Geld. Von Anna Ringle, dpa

„Es war heiß und es hat nach Öl gerochen.“ Wolfgang Alkier steht in einer riesigen historischen Maschinenhalle und erinnert sich. Als er 16 Jahre alt war, fuhr er morgens mit dem Fahrrad zu dem Kraftwerk in Plessa (Elbe-Elster), wo er einen Teil seiner Ausbildung absolvierte. Heute führt der über 70-Jährige Touristengruppen durch das Industrie-Denkmal, das von der Geschichte der Braunkohle in Südbrandenburg zeugt. Vor 90 Jahren - 1927 - lieferte das Kraftwerk laut Förderverein erstmals Strom. Nach der Wende 1989 wurde es stillgelegt.

Alkier betritt einen Raum im Obergeschoss - die Schaltwarte. „In dem Bereich durften sich nur die eingewiesenen Mitarbeiter aufhalten“, sagt das Vorstandsmitglied des Fördervereins Kraftwerk Plessa. Telefone aus DDR-Zeiten sind zu sehen und es gibt viele Regler, Bedienhebel, Zähler und Anweisungen etwa zum Anfahren einer Turbine. In dem Kraftwerk mit den beiden markanten rund 100 Meter hohen Schornsteinen fühlt man sich um Jahrzehnte zurückversetzt.

Viele Bereiche wurden seit der Wende saniert, aber der Förderverein würde gerne noch viel mehr erneuern lassen. „An den Außenanlagen müsste einiges getan werden“, sagt Alkier. Dazu fehle aber Geld. Die bis heute vollständig erhaltene Technik des Kraftwerks sei europaweit außergewöhnlich, betont er.

Das Kraftwerk in der Gemeinde Plessa in der Nähe der sächsischen Landesgrenze zeugt von der jahrhundertealten Industriekultur im heutigen Osten Deutschlands. Es gibt viele andere Orte in der Region mit einem historischen Bezug zur Braunkohle. Längst sind touristische Konzepte entwickelt worden, um die vielen Standorte - soweit sie erhalten geblieben sind - zugänglich zu machen. Noch heute wird in der Lausitz Braunkohle gefördert.

Beliebt ist bei Touristen unter anderem die ehemalige Tagebau-Abraumförderbrücke F 60 in Lichterfeld, nicht weit von Plessa entfernt. Auch die Gartenstadt Marga in Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) veranschaulicht in einer integrierten Ausstellung den Lebensalltag von Braunkohle-Arbeitern. Die Werkssiedlung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut.

Der Tourismusverband Elbe-Elster-Land wirbt mit der Energiegeschichte der Region. Eine Energieroute zum Beispiel verbindet einzelne Industriestandorte.

Auch der Verband beobachtet mit Sorge die Situation des Kraftwerk-Denkmals in Plessa, das laut Förderverein bereits zu DDR-Zeiten 1985 als technisches Denkmal anerkannt wurde. Es brauche dringend finanzielle Hilfen, allein um den Stand der bisherigen Sanierungen zu erhalten, heißt es beim Tourismusverband. Einen Schub gab es demnach für den Standort durch die mehrjährige Internationale Bauausstellung (IBA) in der Bergbauregion. Das Programm mit Dutzenden Projekten lief bis 2010. Viel Geld sei damals in das Kraftwerk geflossen.

Der Tourismusverband wirbt dafür, die Öffnungszeiten des Denkmals für Besucher auszuweiten. Und die Vernetzung zwischen den einzelnen Industriekultur-Standorten in der Region könnte verbessert werden, um Synergien zu bilden. Mehrere Hundert Besucher zählt das Kraftwerk-Denkmal Plessa jährlich, wie Wolfgang Alkier sagt.

Es gibt in der Gemeinde Plessa nach Angaben des dortigen Amtes eine „hohe Identifikation“ mit dem Denkmal. Das liege auch daran, dass das Kraftwerk jahrzehntelang einer der größten Arbeitgeber gewesen sei.