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| 14:20 Uhr

Die Geschichte des Jahres 2018
In Saxdorf ist jetzt schon Frühling

 So kannten ihn Besucher des Saxdorfer Pfarrgartens: Hanspeter Bethke (l.), hier mit Dr. Hans-Hermann Bentrup von der Lenné-Akademie: buntgeblümte Weste, Zopf im Haar, Schalk im Nacken und sehr oft auch mit herzlichem Lachen.
So kannten ihn Besucher des Saxdorfer Pfarrgartens: Hanspeter Bethke (l.), hier mit Dr. Hans-Hermann Bentrup von der Lenné-Akademie: buntgeblümte Weste, Zopf im Haar, Schalk im Nacken und sehr oft auch mit herzlichem Lachen. FOTO: Mona Claus
Saxdorf. Am 7. Februar dieses Jahres ist Saxdorfs Gartenkünstler Hanspeter Bethke im Alter von 82 Jahren verstorben. Ratlosigkeit machte sich breit. Wie weiter mit dem weit über Brandenburger Ländergrenzen hinaus bekannten Gartenkunstwerk? Von Frank Claus

Es war vorher über viele Jahre nicht gelungen, die Zukunft des Pfarrgartens auf sichere Füße zu stellen. Wer wäre in der Lage, diesen besonderen Garten dauerhaft zu erhalten, wie könnte das nötige Personal finanziert werden – nur zwei von vielen offenen Fragen.

Vor 18 Jahren hat der Landschaftsarchitekt Jörn Löffler seine Diplomarbeit über den Saxdorfer Pfarrgarten geschrieben. Noch heute ist er begeistert: „Dieser Garten passt in keine Schublade.“ Er hat ihn mit englischen Gärten verglichen, zwar ansatzweise Parallelen entdeckt – mehr aber auch nicht. „Saxdorfs Garten ist das Werk eines Malers, der im Winter in seinem Atelier Gartenbilder malte und später im Garten immer wieder neue Farben und Strukturen geschaffen hat. Er hat Pflanzen rausgenommen, anders kombiniert und so immer wieder neue Gartenbilder geschaffen“, sagt der Mann.

Andreas Kalesse, ehemaliger Stadtkonservator von Potsdam, sagt über den Pfarrgarten, dass die „Einheit von Kirche, Pfarrhaus und Garten in für Brandenburg einmaliger Güte“ besteht.

Der Garten ist das Werk eines Mannes, den der enge Freund, Künstler Paul Böckelmann aus Altenau, bei der Trauerfeier als „prophetischen Berg, bunt angetan, mit zierlichem Zöpfchen“, beschrieben hat. Hanspeter Bethke, so sagte er weiter, war ein besonderer Mensch, „ein starker Geist, der sich seiner Schwächen immer bewusst war, und das lose Maulwerk trefflich nutzend, schützend und verteidigend stets den Austausch mit Menschen suchte. Rechthaberisch bis ins Gegenteil. Manchmal vielleicht genial in seiner Gedankenakrobatik. Man konnte manches an Hanspeter bemäkeln, aber eines nicht: Er war nie langweilend, sondern charismatisch und vielwissend, polarisierend, manchmal bis zur bitteren Konsequenz beleidigten Rückzugs des Angesprochenen.“

Und nun, wie weiter mit dem Erbe des Mannes und seines Lebenspartners, Pfarrer Karl-Heinrich Zahn? 2018 war zunächst ein Jahr der Trauer über den Verlust. Würde es gelingen, den Garten zu retten oder würde die Zeit ihn überwuchern? Die Vitaminspritze, die Saxdorfs Pfarrgarten bislang weiter am Leben erhalten hat, ist Ende dieses Jahres aufgezehrt. 50 000 Euro hatte der Förderverein Kunst- und Kultursommer Saxdorf bei 80-prozentiger Förderung über ein Leader-Projekt erhalten, um unter anderem den Bestand zu kartieren und die Gartenpflege abzusichern. Den Auftrag für die Realisierung des Projektes hatte Staudengärtner Klaus-Peter Manig aus Uebigau erhalten. Ein Mann, der mit weiteren Gartenfreunden und viel Herzblut um den Fortbestand kämpft.

Klaus-Peter Manig hat für das Projekt Egbert Kritsch aus Plessa in seiner Staudengärtnerei eingestellt. Egbert Kritsch arbeitet ausschließlich im Pfarrgarten. Seine Aufgabe ist es, eine Bestandsliste über alle Pflanzen auf dem 10 000 Quadratmeter großen Areal zu erstellen, sie zu kartieren sowie Pflege und Handlungsanleitungen für einen künftigen Betreiber zu erstellen. Das ist bei der Pflanzenvielfalt von besonderen Kakteen bis zu den Mammutbäumen eine Mammutaufgabe.

Und auch sonst ist frischer Wind in den Pfarrgarten gekommen. Um dieses ganz besondere Ensemble aus Dorfkirche, weitgehend original erhaltenem Pfarrhaus vom Ende des 19. Jahrhunderts  und zum Künstlergarten umgestalteten Pfarrgarten zu erhalten, beschloss der Gemeindekirchenrat einen Antrag auf Schutzguterweiterung, also de facto Denkmalschutz, zu stellen. „Dieser Antrag ist kurz vor der Fertigstellung“, berichtet Klaus-Peter Manig.  In einer Mitgliederversammlung im Oktober hat sich der Kunst- und Kultursommer Saxdorf e.V neu aufgestellt. Dem Vorstand gehören Jana Hirschnitz aus Saathain, Jörg Schuster aus Chemnitz und Klaus-Peter Manig aus Uebigau an.

Egbert Kritsch wird ab dem 1. Januar als Gärtner für die Pflege des Gartens eingestellt. Spontan wurden bereits 3000 Euro als Spenden für die Finanzierung der Stelle überwiesen. Der „Leipziger Freundeskreis“ des Gartens richtete auf einer

Spendenplattform eine einfache Möglichkeit ein, zur Finanzierung der Gärtnerstelle beizutragen:

https://www.betterplace.org/de/projects/66407-gartnerlohn

Das Jahresprogramm für die Konzerte im Jahr 2019 steht und wurde durch Pfarrer Zahn in Abstimmung mit der Musikerin Juliane Tief erarbeitet. Auch am Marketingkonzept wird gearbeitet. Klaus-Peter Manig: „Im Jahr 2022 findet im benachbarten Torgau eine sächsische Landesgartenschau statt. Zu dieser Landesgartenschau hat sich bereits ein äußerst rühriger Förderverein gegründet. Als erste Veranstaltung organisiert dieser Förderverein eine Frühblüherausstellung und Rundfahrten zu blühenden Gärten und Parks in der Region. Der Saxdorfer Pfarrgarten beteiligt sich am 9. und 10. März daran.“