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| 14:34 Uhr

Aus der Geschichte
In Mühlbergs Historie gegraben

Die Mühlberger Ortschronistin Katrin Brunk an historischer Stätte: Im Jahr 2013 ist hier Brandenburgs wohl älteste Kornbrennerei entdeckt worden.
Die Mühlberger Ortschronistin Katrin Brunk an historischer Stätte: Im Jahr 2013 ist hier Brandenburgs wohl älteste Kornbrennerei entdeckt worden. FOTO: Manfred Feller / LR
Mühlberg. Katrin Brunk hört nach fünf Jahren als Ortschronistin der Elbestadt auf. Nachfolger gesucht!

In Mühlberg und Umgebung gab es in vergangenen Zeiten reichlich „schwere Jungs“. Vielleicht war auch die eine oder andere Frau unter jenen Einwohnern aus der Kleinstadt, die einst im Gefängnis gesessen hat. Oder besser im Turmverlies des Schlosses. Wer nach einstigem Verständnis ein Verbrechen begangen hatte, der wurde dort eingesperrt. Kein Vergleich zu den heutigen komfortablen Haftanstalten.

Die Mühlberger Ortschronistin Katrin Brunk hat sich in einer Forschungsarbeit mit der Justiz in der geschichtsträchtigen Stadt beschäftigt. Aus alten Schriften und Veröffentlichungen konnte sie einiges zusammentragen. „Das hat Spaß gemacht“, sagt sie.

Doch dieser Spaß endet nun. Katrin Brunk hört zum Jahresende auf. „Aus persönlichen Gründen“, wie sie sagt und weil sie „mit der Wahrnehmung dieser Stelle nicht zufrieden“ ist. Es handelt sich um ein Ehrenamt mit minimaler Aufwandsentschädigung.

Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel hofft auf eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger: „Es wäre schön, wenn sich jemand findet.“ Diese ehrenamtliche Aufgabe sei von „besonderer Güte und Verantwortung“.

Diese Einschätzung teilt sie mit namhaften Persönlichkeiten der Geschichte. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“, sagte schon Wilhelm von Humboldt. In diesem Sinne macht sich der Ortsbeirat von Mühlberg an die Arbeit, wie dessen Vorsitzender Matthias Lohfink versichert: „Wir werden das in der nächsten Sitzung des Ortsbeirates im Januar besprechen und die Stelle im Amtsblatt ausschreiben.“ Mühlberg hatte in seiner Geschichte teilweise sehr engagierte Geschichtsforscher.

Weil die Stelle einige Jahre nicht besetzt war, gebe es Lücken, die noch nicht geschlossen sind, weiß Katrin Brunk. Weitere sollten keinesfalls hinzukommen. Denn, wie sagte einst George de Santayana: „Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Ganz so schlimm wird es Mühlberg nicht ereilen, denn die kommunalpolitischen Ereignisse und Entscheidungen archiviert die Stadtverwaltung.

Katrin Brunk lebt seit 1981 in Mühlberg und kennt sich dort geschichtlich aus wie kaum eine andere. Seit dem Jahr 2004 bietet die einstige Erzieherin mit Rosemarie Bauer verschiedene Führungen an und wird dies auch weiterhin tun. Gerade im Jubiläumsjahr der Reformation hat sie sehr viele Interessierte aus ganz Deutschland und darüber hinaus durch Mühlberg geführt.

Die Geschichte war schon immer ihr Ding. „Alte Gemäuer haben mich bereits als Kind magisch angezogen. Das begann bei den Reisen meiner Eltern. Ich hatte auch einen guten Geschichtslehrer“, schwärmt sie.

Als sie vor fünf Jahren als Chronistin begonnen hatte, wurden weiße Flecken sichtbar. Nicht jeden konnte sie und wird ein anderer schließen können. Dafür müsse man permanent dranbleiben. Denn ein Teil ist Fleiß. Das, was gerade in der Stadt passiert, wird aufgeschrieben und mit Zeitdokumenten belegt. Dies sind reichlich Zeitungsausschnitte aus der Lausitzer Rundschau, Fotos, Plakate, Handzettel zu kulturellen Ereignissen bis hin zu Sportberichten. Ein Chronist erstellt aber auch Festschriften, recherchiert im Staatsarchiv Dresden, besucht Veranstaltungen, befragt Zeitzeugen und bedient die Internetseite der Stadt. Willkommen sind jederzeit zu Papier gebrachte Erinnerungen von Einwohnern und Zeitdokumente.

Das letzte Projekt von Katrin Brunk war das mehrteilige, lesenswerte Reisetagebuch aus Anlass „500 Jahre Reformation“. Mit dem Lutherpass hat sie von Jüterbog über Bad Liebenwerda, ­Herzberg bis Doberlug-Kirchhain, Finsterwalde, Wittenberg und Torgau alle Orte besucht. In den Reisenotizen, die eine gute Grundlage auch für künftige Besuche in den genannten Städten sind, kleidete sie die historischen Fakten in persönliche Eindrücke und Beschreibungen. „Ich war überrascht, was die Städte mit Blick auf Luther zu bieten haben“, schwärmt sie immer noch.

Woran sollte ihr Nachfolger arbeiten? Zum Beispiel die Mühlberger Spitznamenliste fortführen, alte, heimische Rezepte weitersammeln, das Nonnenflößen geschichtlich ergänzen sowie auch die Historie von Handwerk, Betrieben, Geschäften und Lokalitäten zwischen 1930 und 1945 vervollständigen. „Mühlberg bietet reichlich Geschichte“, gibt sie dem nächsten Chronisten mit auf seinen Weg.