| 16:10 Uhr

Aus den Kirchen
In Hohenleipisch sind alle Messen gesungen

Wohnen oder arbeiten unter dem Kirchendach in Hohenleipisch. Das ehemalige katholische Gotteshaus kann samt Pfarrhaus gekauft werden.
Wohnen oder arbeiten unter dem Kirchendach in Hohenleipisch. Das ehemalige katholische Gotteshaus kann samt Pfarrhaus gekauft werden. FOTO: Manfred Feller / LR
Hohenleipisch. Katholische St. Matthias-Kirche ist entwidmet, ausgeräumt und wird definitiv verkauft. Von Manfred Feller

Der vom Gemeindekirchenrat Plessa noch vor Wochen beabsichtigte Verkauf der evangelischen Kirche in Döllingen scheint abgewendet. Eine lockere Bürgerinitiative aus Christen und Nicht-Christen setzt sich dafür ein und möchte das Gotteshaus wieder mit Leben erfüllen.

Im Nachbarort Hohenleipisch „brennt“ es ebenfalls unter dem Kirchendach. Während die evangelische Kirche von den Gläubigen auch kaum noch genutzt wird, sind ein paar Straßen weiter bei den Katholiken die Messen gesungen. Deren Kirche steht definitiv zum Verkauf.

Fernab jeden öffentlichen Aufschreis ist die St. Matthias-Kirche zu Hohenleipisch, erst am 21. Dezember 1958 geweiht, am 16. Juli des Vorjahres profaniert worden, bestätigt der katholische Pfarrer Werner Hilbrich von der zuständigen Pfarrei St. Hedwig in Lauchhammer. „Das heißt, sie wird dem profanen Gebrauch überlassen“, sagt er. Sie ist säkularisiert, entweiht.

„Für eine so kleine Gemeinde mit nur noch 88 Mitgliedern aus Hohenleipisch und aus den Nachbarorten ist der finanzielle Aufwand zu groß, diese Kirche zu halten“, bedauert der Pfarrer diese Entwicklung. Angesichts des Schrumpfens der Gemeinde und der sinkenden Besucherzahlen bei Gottesdiensten habe der Generalvikar nach der Visite des Bischofs bereits im Jahr 2015 gefragt: „Wollen wir diese Kirche halten?“

Kirchenvorstand (zuständig u. a. für Immobilien, Finanzen und Verwaltung) und der für das Gemeindeleben verantwortliche Pfarrgemeinderat haben schließlich nach eingehenden Beratungen im März 2017 den Antrag an den Bischof im Bistum Magdeburg zur Entwidmung der Kirche gestellt. Der Bischof habe dem Antrag zugestimmt.

Nach der erfolgten Profanierung sind inzwischen Tatsachen geschaffen worden. Große Teile der Innenausstattung wurden verpackt und sind vor einigen Tagen nach Polen transportiert worden. „In Zgorzelec wird allein aus Spenden eine neue Kirche errichtet. Mit diesen liturgischen Gegenständen unterstützen wir die dortige katholische Gemeinde“, so Pfarrer Werner Hilbrich.

Zum Verkauf in Hohenleipisch stehen neben dem nunmehr ehemaligen Gotteshaus auch der angebaute Gemeinderaum mit dem Pfarrhaus. Ein Gutachter habe den Wert ermittelt, den nur Kaufwillige erfahren. Es gebe Interessenten, heißt es. Auch wenn die sehr junge Kirche nicht unter Denkmalschutz steht, werde im Zuge der Kaufverhandlungen sehr wohl darauf geachtet, dass sich die Absichten des potenziellen Erwerbers nicht zu weit von dem Ursprungszweck entfernen.

Die Kirche befinde sich in einem guten baulichen Zustand. Das Dach wurde erneuert. Die Fassade sei aber teilweise sanierungsbedürftig. Das Pfarrhaus ist bis vor etwa einem Jahr bewohnt gewesen und ebenfalls gut erhalten.

Durch die Entwidmung des Gotteshauses in Hohenleipisch gehören zu der Pfarrei in dem Gebiet zwischen Haida und Lauchhammer-Ost, Gorden und Ortrand noch die zwei Kirchen in Lauchhammer-Mitte und Elsterwerda. In der Stadt Ortrand wird ein Gemeinderaum genutzt. Bei fallender Tendenz haben die Gemeinden noch so viele Mitglieder: Elsterwerda 297, Lauchhammer 308 und Ortrand 127. Eigene Friedhöfe hat die Pfarrei nicht, nimmt aber auf 26 Friedhöfen Gräbersegnungen vor.

Mit den Mitgliederzahlen ist auch der Personalbedarf gesunken. Geblieben sind Pfarrer Werner Hilbrich, ein Pfarrer i. R. in Ortrand und ein Sekretär. Tätig waren einst in Elsterwerda ein Pfarrer und ein Kaplan, in Lauchhammer-Mitte Pfarrer, Kaplan, Gemeindereferentin und vier Ordensschwestern sowie je ein Pfarrer in Lauchhammer-Ost und Ort- rand. Allein in Lauchhammer hat es schon zwei Entweihungen von Kirchen (evangelisch und katholisch) gegeben.

Hinweis an der katholischen Kirche in Hohenleipisch: Gottesdienste finden nur noch außerhalb statt.
Hinweis an der katholischen Kirche in Hohenleipisch: Gottesdienste finden nur noch außerhalb statt. FOTO: Manfred Feller / LR