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In Elbe-Elster tanzen wieder die Puppen

Finsterwalde. Das 14. Internationale Puppentheaterfestival im Landkreis Elbe-Elster ist am Freitagabend in Anwesenheit von Brandenburgs Kulturministerin Prof. Sabine Kunst (parteilos) eröffnet worden. 19 österreichische und deutsche Theater mit 30 Inszenierungen stellen mit 67 Veranstaltungen in Museen, öffentlichen Einrichtungen, Firmen, Schulen und Kitas bis zum kommenden Sonntag die Vielfalt des Puppentheaters unter Beweis. Jürgen Weser / jgw1

Ministerin Kunst lobte zur Auftaktveranstaltung im Finsterwalder Kreismuseum die kontinuierliche Arbeit, mit der Puppenspielertraditionen des Elbe-Elster-Landes weiter entwickelt worden seien. Dank für zahlreiche Sponsoren gab es von Dezernent Roland Neumann, der sich Lebensfreude, Begeisterung, Witz, Phantasie und Nachdenklichkeit von den Aufführungen erhofft und dass das Experiment der Konzentration auf ein Schwerpunktland mit Österreich neben Deutschland aufgeht.

Als erfolgreicher Festivalleiter von Beginn an stellte Dr. Olaf Bernstengel Programmschwerpunkte vor und machte Lust auf einen weiblichen österreichischen Kasper, auf Wiener Papiertheater mit großen Opern in kleinster Form, auf frühenglische Musik mit Marionettentheater, auf Objekttheater und ein Kinder-Kasper-Café. Danach erlebten die Zuschauer im Finsterwalder Museumshof gleich am Eröffnungsabend die Bandbreite zwischen Humor und Tragödie im Puppentheater.

Unterschiedlicher konnte der Eröffnungsabend des 14. Internationalen Puppentheaterfestivals im Finsterwalder Kreismuseum nicht ausfallen, nachdem Hausherr Dr. Rainer Ernst die Besucher stilecht als Leierkastenspieler begrüßt hatte. Eine humorvolle Persiflage auf das Finsterwalder Sängerlied traf auf antike Tragödie mit Mord und Verrat.

Laschi begeistert

Wenn Laschi alias Wolfgang Lasch aus Babelsberg ins Geschehen eingreift, dann bleibt kein Auge trocken. Als Stammgast beim Elbe-Elster-Puppentheaterfestival kam er diesmal als Wachtmeister Pickelhering mit einem Auftrag des Kaisers für eine neue Finsterwalder Hymne. Dafür hatte er den Komponisten der Sänger-Burleske Wilhelm Wolff mitgebracht, dem nach Pickelherings derben Wahrheiten über Karrieregeilheit tatsächlich ein neuer Einfall kam.

,,Die Puppenspieler von Finsterwalde leben und sterben fürs Publikum". Das sang und klatschte, von Pickelherings scharfem Polizeiblick angefeuert, begeistert mit. Gern hätten die Besucher Laschi mit dieser Persiflage noch länger erlebt. Trost für seine Fans, am Freitag bringt Wolfgang Lasch ,,60 fröhliche Böswetterminuten" in die Bad Liebenwerdaer Konzertmuschel.

Mit den Mitteln des modernen Objekttheaters verlegt Manfred Siragusas Bühne ,,Babelart" die Tragödie um den antiken griechischen Feldherrn Agamemnon und das Schicksal seiner Familie ins heimische Badezimmer. Da wird der Rasierspiegel zum Opferaltar für Tochter Iphigenie, weil Agamemnon von den Göttern Wind für seine Flotte erfleht, er will ja Troja erobern. Anstelle von Puppen oder Marionetten lässt der gebürtige Italiener Siragusa Rasierpinsel- und -messer, Seife, Waschschüssel zu Gegenspielern werden, während er erzählt und exzessiv spielt, wie Agamemnon nach Trojas Eroberung mit Kassandra zurückkehrt, von seiner Frau Klytaimestra und ihrem Geliebten Aigisthos ermordet wird, Sohn Orest den Vater durch Muttermord rächt und sich von den Furien verfolgt fühlt. Siragusa spielt die Familiengeschichte als Parabel auf Gewalt und Verrat von heute in Kriegen und heimischen Wohnzimmern. Schuld oder Unschuld von Menschen und Göttern thematisiert der antike Tragödiendichter Aischylos mit dem Stück, Siragusa will den Zuschauern aktuelle Fragen stellen.

Das Objekttheater geht an die Grenzen des Puppentheaters und spaltet das Publikum zwischen Begeisterung über den experimentellen Charakter, während anderen Zuschauern das handwerkliche und künstlerische Können des Puppenspielers fehlt. Der Schauspieler Siragusa wurde mit seinen Objekten im Finsterwalder Museumshof jedenfalls mit viel Beifall verabschiedet.

Zum Thema:
Blick ins Festivalprogramm:Montag9 Uhr "Kasperl und das Burggespenst" im Kreismuseum Bad Liebenwerda;9 Uhr "Montezuma" im Kreismuseum Finsterwalde;19 Uhr "Paul und Paula" in der Museumsscheune UebigauDienstag9 Uhr "Vom Igel, der ein Hase sein wollte" im Kreismuseum Bad Liebenwerda;9 Uhr "Jorinde und Joringel" im Kreismuseum Finsterwalde;10 Uhr "Rosa träumt vom Fliegen" im Atelierhof Werenzhain;19 Uhr "Tannhäuser - Kurz und Gut" sowie "Vom Fischer und seiner Frau" im Weißgerbermuseum Doberlug-Kirchhain