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| 01:35 Uhr

In digitaler Warteschleife

Expert Pötzsch und Heiderosel Hubrig
Expert Pötzsch und Heiderosel Hubrig FOTO: Mona Claus
Saathain. Auf der weltweiten Datenautobahn ist man gern schnell unterwegs. Doch was DSL-Anschlüsse angeht, herrscht nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Region eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Während die Prösener seit Kurzem mit einer schnellen DSL-Leitung ausgestattet sind, haben in Haida und Saathain einige Haushalte noch gar keinen Anschluss. Von ines klut


  „Das neue System funktioniert nur mit DSL“
 Andreas Pötzsch


Auch für einen T-Punkt Partner wird da keine Extrawurst gebraten. An-
dreas Pötzsch aus Saathain ist noch nicht in den Luxus einer schnellen digitalen Breitband-Versorgung gekommen. Der Unternehmer schaltet zwar bei seinen Kunden DSL für die Telekom frei, verfügt selbst aber nur über eine Light-Version. Die unterscheidet sich von schnelleren Leitungen vor allem dadurch, dass pro Sekunde weniger Daten aus dem Netz heruntergeladen werden können. In der Regel sind es weit unter 500 Kilobit je Sekunde. So verlangsamen sich Arbeitsprozesse am Computer und werden letztendlich uneffektiv.
Wer wie Andreas Pötzsch beruflich auf seinen Internet-
anschluss angewiesen ist, hat mit Standortnachteilen und höheren Kosten zu kämpfen. „Zurzeit habe ich eine Standleitung bei der Telekom gemietet. Mit DSL könnte ich mir das sparen“ , so Andreas Pötzsch, der von seiner Saathainer Zentrale aus per Zentralrechner fünf Filialen in der Region steuert. Sorgen macht sich Pötzsch vor allem mit Blick auf das nächste Jahr. Dann muss der Unternehmer für Unterhaltungselektronik seine Technik auf ein neues Warenwirtschaftssystem umstellen. „Das neue System funktioniert nur mit DSL“ , so Pötzsch. Wenn er bis dahin immer noch mit seiner Light-Version arbeite, müsse er die Zentrale von Saathain nach Elsterwerda verlegen.
Das möchte nicht nur der Unternehmer verhindern, sondern auch Bürgermeisterin Heiderose Hubrig. „Wir wollen ortsansässige Gewerbetreibende natürlich im Gemeindegebiet halten“ , betont die Verwaltungschefin. In der Gemeinde Röderland werde deshalb geprüft, ob es eine Möglichkeit gibt, Fördermittel für den DSL-Anschluss benachteiligter Gebiete zu stellen.
Doch nicht nur Andreas Pötzsch hofft auf eine schnellere DSL-Leitung. Auch Steinmetz Peter Hofmann muss oft größere Datenmengen aus dem Netz laden. „Damit ist meine Leitung dann überfordert“ , erzählt der Saathainer. Bei der Telekom häufen sich indes Anfragen von Kunden, die gern angeschlossen werden möchten oder mit ihrer Light-Leitung unzufrieden sind.
„Dass nicht jeder in den Genuss einer schnellen Leitung kommt, hat technische Hintergründe“ , erklärt Diana Saupe von der Pressestelle der Deutschen Telekom in Erfurt. Die Einrichtung eines DSL-Pfades sei abhängig von der Entfernung des jeweiligen Kunden zum Knotenpunkt. Sei die größer als 4,5 Kilometer könne man den Kunden nicht anschließen. Mit der Einrichtung von Light-DSL habe man versucht, auch Kunden in diesen benachteiligten Gebieten eine Alternative anzubieten.
Ob die Telekom in schnellere Leitungen investiert, sei von mehreren Faktoren abhängig. „Ein Aspekt sind beispielsweise die Zahl der Anschlüsse in dem jeweiligen Gebiet“ , erklärt Diana Saupe. Für dieses Jahr stellt Diana Saupe jedoch unmissverständlich klar: „Es sind keine Ausbaumaßnahmen am Leitungsnetz in Saathain und Haida geplant“ und verweist darauf, dass nicht nur die Telekom in den Ausbau von DSL-Netzen investieren könne. Die Chance, dass Konkurrenten die Region erschließen, dürfte wohl relativ gering sein. Denn auch für diese Gesellschaften scheint sich ein Markteintritt auf dem flachen Land bisher nicht zu lohnen.
Für Andreas Pötzsch und die anderen „Benachteiligten“ aus der Region keine tröstlichen Aussichten. Wie glücklich können sich hingegen die Schweizer schätzen. Dort gehört das Internet zur Grundversorgung und muss damit in jedem Winkel des Landes verfügbar sein.

Hintergrund Wenn der DSL-Anschluss auf sich warten lässt
 Zurzeit verfügen etwa 90 Prozent der Deutschen über einen schnellen Internetzugang. Für den Rest geht es nur in kleinen Schritten voran. Bei diesen Aussichten lohnt es sich perspektivisch, Alternativen zu prüfen:
Satellit Einige Firmen bieten eine neuartige Satellitentechnik, die mit der Geschwindigkeit einer normalen DSL-Leitung vergleichbar ist.
Wimax Viel Hoffnung wird derzeit in eine Funklösung namens „Wimax“ gesetzt. Dabei versorgt eine Antenne den Umkreis von 50 Kilometern mit einer Internetanbindung. Diese Technik steckt allerdings noch in den Kinderschuhen.
Kontakte Vielleicht geht es dem Nachbarn ähnlich und man kann gemeinsam etwas bewegen: Gute Anlaufstelle ist die Website www.kein-dsl.de, deren Anbieter zwischen Interessenten vermitteln und Alternativen zum DSL-Zugang aufzeigen.