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"In dem Moment denkst du nicht"

Vor dem Haus zeugen verschmorte Küchenteile von der Hitze- und Qualmentwicklung.
Vor dem Haus zeugen verschmorte Küchenteile von der Hitze- und Qualmentwicklung. FOTO: Claus
Neuburxdorf. In der Nacht zum Sonntag ist eine 76-jährige Frau nach einem Wohnhausbrand im Neuburxdorfer Hüttenweg im Krankenhaus verstorben. Dabei hatte sie Romano Brzoza, ein 25-Jähriger, der ebenfalls im Ort wohnt, schon aus dem Qualm geholt. Frank Claus

Leider hat sein beherzter Einsatz die Frau am Ende nicht gerettet.

Um 1.47 Uhr erreicht die Kameraden der Bad Liebenwerdaer Feuerwehren das Alarmsignal. "Brand Gebäude groß", das heißt, dass mit voller Kapelle ausgerückt wird. Romano Brzoza sitzt zu diesem Zeitpunkt mit Freunden, darunter Kameraden der Feuerwehr Neuburxdorf, in der Kulturscheune. Sie alle feiern bei einer "Pullerparty" die Geburt seines inzwischen vier Wochen alten Sohnes Hannes und den kürzlichen Geburtstag seiner Freundin Melanie und seinen eigenen. Die Kameraden eilen ins Depot. Sein Bruder Paul sagt ihm später, dass es im Haus der Nachbarn brennt und die Frau sich noch im Haus befindet.

Romano, der selbst lange bei der Feuerwehr war und aus Arbeitsgründen aufgehört hat, zögert keinen Moment. Er schwingt sich aufs Rad. Am Nachbarhaus seiner Eltern angekommen sieht er schon die Haustür offen stehen. Der 77-jährige Ehemann ist durch einen Brandmelder wach geworden, hat es aber nicht geschafft, seine auf dem Flur-Fußboden liegende Frau nach draußen zu tragen. Romano schickt ihn raus, geht selbst hinein in den Qualm, der seinen Ausgangspunkt in der Küche hat. Er kann die Frau ein Stück weiter zur Tür bringen. Da treffen die ersten Kameraden der Feuerwehr ein. Gemeinsam tragen sie die Frau auf die gegenüberliegende Straßenseite. Der Rettungsdienst ist schnell da. Romano, der als Landwirt in der Agrargenossenschaft in Mühlberg arbeitet und der gestern noch stark hustet - der Rettungsdienst hat ihn mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung mit ins Krankenhaus genommen - sagt nur: "In dem Moment denkst du nicht. Du willst nur helfen." Obwohl ihm im Krankenhaus erzählt wird, wie riskant sein Einsatz in den giftigen Gasen war, meint er gestern: "Ich glaube, ich würde es wieder tun."

Und jetzt, nachdem er wieder geregeltere Arbeitszeiten hat, trägt er sich mit dem Gedanken, wieder die Reihen der Feuerwehr zu stärken.