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Im Winter einen Mantel für den Hund?

Annette Balzer mit ihrem Bolonka Zwetna "Sunny" im Mäntelchen.
Annette Balzer mit ihrem Bolonka Zwetna "Sunny" im Mäntelchen. FOTO: Mona Claus
Bad Liebenwerda. Wann braucht der Vierbeiner etwas über das Fell – vielleicht sogar noch Mütze, Schal oder Schuhe? Was macht Sinn und was ist Schwachsinn? Schlägt Tierliebe damit nicht in Quälerei um? Mona Claus

Da sitzt er, der kleine Kläffer. Fest angebunden vor der Tür des Supermarktes in der klirrenden Kälte und winselt. Andere Vierbeiner wurden zum Begleiter auf dem Weihnachtsmarkt, mussten brav dort ausharren, bis Herrchen oder Frauchen Tee oder Glühwein getrunken oder mit den Gesprächen fertig waren. Wie viel Kälte verträgt ein Hundeleben? Daniela Sucker, Fachfrau für Erziehung, Beratung, Betreuung und Ernährung von Hunden, und Annette Balzer, Inhaberin eines Hundesalons und Züchterin, sagen dazu ihre Meinung.

"Es herrscht der verbreitete Irrtum, nur weil Hunde Fell haben, kann ihnen Kälte nichts anhaben", erklärt Daniela Sucker. "Hunde leiden bei Kälte", weiß ebenso Züchterin Annette Balzer.

Bei Minusgraden können Hunde sehr schnell auskühlen, wenn sie sich nicht bewegen. "Keineswegs sollte ein Besitzer sein Tier bei eisiger Kälte vor einem Geschäft anbinden und warten lassen. Dort ist es nicht nur ungemütlich, sondern auch stressig für das Tier. Außerdem", mahnt Fachfrau Daniela Sucker, "ein Hund ohne seinen Besitzer kann zwar das Warten gelernt haben, ist aber dennoch ein Tier und ohne Aufsicht keine Kontrolle. Ob er nur spielen wollte, der sonst so liebe Vierbeiner, wenn ein Kind spontan vorbeigerannt kommt?" Besser ist es, dem Hund das Einkaufengehen zu ersparen und lieber eine zusätzliche Gassirunde einzulegen. Keineswegs sollte das Tier irgendwo stehengelassen werden. Übrigens, auch Hunde können an einer Blasen- und Nierenentzündung erkranken. Nasse Kälte ist es, was die Tiere krank macht.

Bei einigen Rassen ist es auch von der Tagesform abhängig, wie sie die raue Witterung vertragen. "Schäferhunde", bemerkt Annette Balzer, "würden sich niemals anziehen lassen." Dagegen scheinen sich die kleinen Bolonka Zwetna gleich doppelt wohlzufühlen mit ihren Mäntelchen. "Wichtig ist, der Hund kennt das, kann sich frei damit bewegen und es bietet ihm ausreichend Schutz vor Nässe", so Annette Balzer. Selbstgestricktes schütze dabei nur bedingt. Nicht nur, dass in Fell und Wolle so manches hängen bleibt, auch Nässe halten die Maschen kaum ab.

Meist sind es Hunde aus südlichen Ländern, aber auch kleine, junge und alte, kranke Hunde, denen eine Decke unter Umständen gut tut. "Besonders Hunden, die in der Wohnung gehalten werden und damit keine Unterwolle bilden, fehlt meist der Schutz vor Kälte", sagt Daniela Sucker. "Dort ist ein Hundemantel angebracht, ebenso für ältere Tiere und Hunde, die es mit den Gelenken haben." Für Wachhunde, die überwiegend draußen leben, wäre es gut, sie hätten ein gedämmtes Dach über dem Kopf. Ein großer Fehler sei es, gerade wegen der großen Temperaturschwankungen, den Hund tagsüber im Haus zu halten und zum Schlafen vor die Tür zu setzen, erklärt Daniela Sucker. "Schuhe für Hunde das klingt zwar lächerlich. Sie sind aus mancher Hinsicht aber durchaus angebracht", so die Erfahrung der Hundefachfrau aus Dobra. Salz auf Straßen ist nicht gut für Hundepfoten - Cremen und Waschen nach einem Spaziergang sind dann Pflicht. Besser ist es, erst gar nicht auf der gesalzenen Straße zu laufen. Wundreiben können sich Vierbeiner übrigens auch mit Schneeklumpen im Fell an den Pfoten. Ihr Tipp: Das Fell an den Pfoten schneiden. "Und wenn Hunde, aus welchem Grund auch immer, dass Laufen bei Kälte verweigern, helfen auch schon mal Schuhe", weiß Daniela Sucker. Was natürlich nicht für junge Hunde gilt. Tollen und Toben im Schnee macht Hunden wie Hundehaltern Spaß - aber Achtung, zu viel gefressener Schnee schlägt selbst auf den stärksten Hundemagen. Besondere Vorsicht gilt außerdem bei Rutschbahnen und zugefrorenen Seen - Knochenbrüche und andere Blessuren können den Halter teuer zu stehen kommen. Für durchaus sinnvoll erachtet Daniela Sucker ein Leuchthalsband oder ein kleines Lämpchen, das während der dunklen Jahreszeit Sicherheit gibt. Für unsinnig hält sie Glöckchen oder Mützchen.