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| 17:36 Uhr

Aus dem Amtsgericht Bad Liebenwerda
Im Fußraum liegt immer eine leere Pulle

Für einen Bad Liebenwerda endete eine Alkoholfahrt vor Gericht.
Für einen Bad Liebenwerda endete eine Alkoholfahrt vor Gericht. FOTO: dpa / Uli Deck
Bad Liebenwerda. Nach einer Alkoholfahrt mit 2,59 Promille erhält ein Bad Liebenwerdaer Geldstrafe und Fahrerlaubnisentzug. Von Manfred Feller

Wenn die Sachlage eindeutig ist, dann landen Kraftfahrer, die mit einem erhöhten Promillewert hinter dem Steuer gesessen haben, sehr schnell in einem der Verhandlungssäle im Amtsgericht Bad Liebenwerda. Siegmar Schluffke (Name geändert) war erst am 22. März dieses Jahres in Bad Liebenwerda erwischt worden. Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft ist der 57-jährige, nicht sehr große, hagere Hartz-IV-Empfänger am Abend in der Riesaer Straße von der Polizei kontrolliert worden. Ergebnis: 2,59 Promille.

Der seit mehr als zwei Jahrzehnten arbeitslose Siegmar Schluffke sucht nicht nach Ausreden, sondern möchte den Prozess nur schnell hinter sich bringen: „Is o.k., ich bin schuldig und fertig.“ Er schildert noch kurz seine Sicht der damaligen Geschehnisse. Demnach sei er mit seinem Auto zu einer Tankstelle in Bad Liebenwerda gefahren, habe sich zwei Bier geholt und dann in einem Wald getrunken. Auf seinem Hof blieb er in seinem Fahrzeug sitzen und trank weiter. „Dann kam die Polizei“, erinnert er sich.

Die Streife war nach Angaben der Richterin jedoch angerückt, weil Nachbarn sich beschwert und die Uniformierten gerufen hatten. Demnach habe er in seinem Wagen bei laufendem Motor gesessen, laute Musik gehört und immer wieder auf das Gaspedal gedrückt. Dies nervte die Umgebung. Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass der Kurstädter gegen 19 Uhr bereits in der Tankstelle Bier getrunken habe.

Die Beamten nahmen das Fahrzeug in Augenschein und fotografierten zum Beweis drei leere Bierflaschen im Fußraum. „Is egal, da liegt immer eine“, entgegnet der gelernte Betonfacharbeiter.

Das Gericht bezweifelt, dass die vom Angeklagten insgesamt angegebenen vier Bier zu dem hohen Alkoholgehalt im Blut geführt haben. „Kann sein, dass ich am Tag vorher was getrunken habe. Ich habe mich gut gefühlt“, beschreibt er seinen Zustand während der Alkoholfahrt.

Die ärztliche Untersuchung nach dem Tatabend zeigte jedoch etwas ganz Anderes auf: unsichere Bewegungen, zitternde Hände, das Denken falle schwer. „So besoffen war ich nicht, aber wenn es die Werte so ergeben ...“, versteht der gesundheitlich angeschlagene Mann die Aufregung nicht.

„Haben Sie heute schon etwas getrunken?“, will die Richterin wissen. Mit einigem Zögern gibt er zu, bereits gegen 7 Uhr die Flasche angesetzt zu haben. „Aber ich bin voll da“, schiebt er zügig hinterher. Ein Alkoholproblem habe er natürlich nicht, obwohl seine Trinkgewohnheiten dafür zu sprechen scheinen. Vor Gericht macht er jedenfalls nicht den Eindruck, alkoholisiert zu sein.

Da alles gesagt ist, geht es in Richtung Urteil und Strafmaß. Die Vorbelastungen werden zu Rate gezogen. Im Bundeszentralregister sind keine Straftaten vermerkt. Im Verkehrszentralregister steht nur ein Eintrag aus dem Jahr 2015. Seinerzeit ist der Mann bei vorgeschriebenen 100 Kilometern pro Stunde 124 gefahren ist. Der 57-Jährige hat kaum Einkünfte, zwei erwachsene Kinder und hatte seinen letzten Arbeitstag wohl im Jahr 1996. So genau erinnert er sich daran nicht mehr. Schon lange plage er sich mit erheblichen gesundheitlichen Problemen herum.

Entsprechend der finanziellen Situation des Angeklagten plädiert der Staatsanwalt für eine geringe Geld- strafe von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro. Zusätzlich darf ihm die Fahr- erlaubnis nicht vor der Sperrfrist von neun Monaten zurückgegeben werden - unter Berücksichtigung des Zeitraumes, in dem ihm die Erlaubnis zum Fahren bereits entzogen worden ist.

Wegen vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr wird der Bad Liebenwerdaer schließlich zu 30 Tagessätzen á 15 Euro verurteilt. Die Fahr- erlaubnis bleibt mindestens neun Monate im Straßenverkehrsamt verwahrt. Siegmar Schluffke möchte die 450 Euro sofort bezahlen. Doch es kommen noch die Verfahrenskosten hinzu. Der Verurteilte verzichtet wie der Staatsanwalt auf Rechtsmittel und nimmt die Strafe an.