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Im Elbe-Elster-Kreis fehlt es an Berufskraftfahrern

Kraftfahrer Uwe Sömisch ist mit seinen Kollegen und den markanten Mineralquellen-Lastwagen täglich in den fünf neuen Bundesländern unterwegs. Hier im Gespräch mit Fuhrpark- und Versandleiter Dave Merkel.
Kraftfahrer Uwe Sömisch ist mit seinen Kollegen und den markanten Mineralquellen-Lastwagen täglich in den fünf neuen Bundesländern unterwegs. Hier im Gespräch mit Fuhrpark- und Versandleiter Dave Merkel. FOTO: Manfred Feller
Elbe-Elster. Mit 74 Speditionen und Transportunternehmen und immerhin fast 1600 Beschäftigten ist das Transportgewerbe im Landkreis Elbe-Elster nach Angaben der Agentur für Arbeit in Herzberg ein bedeutender Arbeitgeber. Das ist fast die Größenordnung des Chemieriesen BASF in Schwarzheide. Manfred Feller

Im Nachbarlandkreis Oberspreewald-Lausitz, wohin viele Arbeitnehmer pendeln, sieht es mit mehr als 50 Speditionen und Transportunternehmen und ebenfalls etwa 1600 Arbeitnehmern nicht anders aus. Hinzu kommen zum Beispiel noch Bau- und Reisefirmen, die ebenfalls Kraftfahrer beschäftigen, spannt Jean-Marie Ulrich, Teamleiter Arbeitgeberservice bei der Arbeitsagentur, den Bogen weiter.

Für die einen ist Kraftfahrer ein Traumberuf und die große Freiheit auf Rädern, für die anderen ein Albtraum. Täglich sind Hunderte Kilometer auf den immer voller werdenden Straßen zurückzulegen.

Die Transport- und Logistikbranche legt zwar nach wie vor zu, stöhnt aber auch gerade deswegen. Denn es fehlt hinten und vorne an Fachkräften. Wie die TÜV Rheinland Akademie in Lauchhammer als Schulungs- und Ausbildungspartner vieler Unternehmen informiert, gehen jedes Jahr in Deutschland nicht weniger als 45 000 Berufskraftfahrer in den Ruhestand. "Nicht annähernd so hoch ist hingegen die Anzahl der Berufsanfänger", so Wolfram Stahl, Pressesprecher vom TÜV Rheinland.

Für diese, wie er sagt, krisensichere, aber keineswegs einfache Arbeit werden massenhaft Fahrer gesucht. Allein im Geschäftsstellenverbund Elbe-Elster der Arbeitsagentur sind momentan etwa 80 unbesetzte Stellen in dem Berufsbereich Führer von Fahrzeugen und Transportgeräten gemeldet. Darunter sind speziell 27 Berufskraftfahrer, die von 25 Unternehmen gesucht werden. "Dazu kommen noch fünf Stellen für Busfahrer", so Jean-Marie Ulrich. Und nicht jede unbesetzte Stelle werde gemeldet. Die Chance, in Brandenburg eine Arbeit im angestammten Job zu bekommen, sei hoch. Auf eine freie Stelle kommen im Schnitt 1,9 arbeitslose Berufskraftfahrer.

Neueinsteigern bietet die TÜV Rheinland Akademie Ausbildung und Umschulung an. Gerade hat in Lauchhammer ein Lehrgang begonnen.

Auch die Mineralquellen Bad Liebenwerda GmbH lassen ihre 35 Kraftfahrer im Nachbarlandkreis schulen. "Innerhalb von fünf Jahren sind vom Gesetzgeber 35 Unterrichtsstunden vorgeschrieben", achtet Fuhrpark- und Versandleiter Dave Merkel auf die Einhaltung. Das Schulbankdrücken erfolgt am Sonnabend und ist bezahlte Arbeitszeit.

Der heimische Getränkehersteller spürt wie andere ebenso die Fachkräfteflaute. Der eine oder andere Lenker der 19 eigenen 40-Tonner wird sich in den nächsten Jahren in den Ruhestand verabschieden. Aktuell wird ein Fahrer gesucht. "Wir haben weniger Bewerbungen als früher", stellt der Elsterwerdaer Dave Merkel fest.

Der Job ist zwar auch bei den Mineralquellen anstrengend, aber der Fahrerstamm hält zusammen. Dies habe Gründe. Auch wenn die Fahrer in den fünf neuen Bundesländern zu den insgesamt mehreren Hundert Kunden unterwegs sind, sind sie im Normalfall am Nachmittag oder am Abend wieder zu Hause. Bezahlt wird nach Haustarif. "Das Betriebsklima ist gut und das Einkommen sicher", wirft Dave Merkel in die Waagschale.

Jeder Fahrer bedient täglich bis zu sechs Kunden. Die 36 Getränkepaletten mit je rund 40 Getränkekisten auf Lkw und Hänger muss er mit dem Gabelstapler selbst ausladen und dorthin bringen, wo der Kunde es wünscht.

Uwe Sömisch arbeitet seit 22 Jahren bei den Mineralquellen als Kraftfahrer. Der Job sei auf der Piste alles andere als entspannt. "Es ist stressiger geworden. Es herrscht Krieg auf der Straße. Wer vorschriftsmäßig fährt, gilt als Bremse", moniert der erfahrene 58-Jährige aus Bad Liebenwerda das Verhalten auf den Straßen. Fachleute nehmen an, dass auch dieser Umstand nicht gerade zur Beliebtheit des Berufes beiträgt. Die Arbeitsagentur hat den Bedarf längst erkannt. Sie bietet berufliche Weiterbildung und Ausbildung an. Denn für viele ist der Job auf der Straße nach wie vor ein Traumberuf.