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| 01:39 Uhr

Im Dunkel tanzt der Wassermann

Bad Liebenwerda. Ein Kindheitstraum geht in Erfüllung: Bettina Beyer aus Kraupa, Mitarbeiterin im Kreismuseum Bad Liebenwerda, baut ein großes Schattentheater. Zwischen Licht und Dunkel lässt sie alte Sagen auferstehen – ein Vergnügen nicht nur für Kinder. Von Veit Rösler

Bettina Beyer gilt als engagierte Mitarbeiterin des Kreismuseums Bad Liebenwerda. Sie hat so manch historische Modenschau auf die Beine gestellt und sagenumwobene Kräuterführungen durch den Lubwartturm gemacht. Jetzt startet sie ein neues Projekt: ein Schattentheater. Das soll bald die Besucher des Museums, aber auch Gäste anderer historischer Gebäude erfreuen.

Von Kräutern zu Schatten

Bereits als Kind hatte sich Bettina Beyer ein kleines Schattentheater aus einem Schuhkarton gebastelt. Als Künstler kürzlich mit ihren Theatern aus aller Welt das Internationale Puppenspielfestival besuchten, erinnerte sie sich an ihre frühe Bastelarbeit.

Da im vergangenem Jahr der Lubwartturm wegen Bauarbeiten gesperrt wurde, entschloss sich Bettina Beyer, statt bei den Kräuterführungen die Sagen mit einem Schattenspiel wieder zu beleben. Das Puppentheater von Sohn Martin wurde kurzerhand in der Werkstatt umfunktioniert, eine Lampe als Hintergrundbeleuchtung angebracht und die Figuren als Scherenschnitte angefertigt.

Bettina Beyer schreibt ihre Theaterstücke selbst, in Anlehnung an alte regionale Sagen. "Als ich gemerkt habe, wie schnell sich Kinder und Erwachsene begeistern lassen, habe ich entschlossen, daraus mehr zu machen", sagt die angehende Theater-Künstlerin.

Gegenwärtig baut Bettina Beyer in der heimischen Werkstatt in Kraupa ein fast drei Meter breites und zwei Meter hohes Schattentheater mit drei voneinander getrennten Spielflächen auf. Dazu bastelt sie die Charaktere ihrer Stücke mit Schere, Pappe und Draht. Mit bunten durchsichtigen Folien bekommen die Figuren künftig farbige Akzente. Beim Basteln der kleinen zweidimensionalen Persönlichkeiten wie Schlangenkönig, Wassermann, Nixe und Kobold, kommt Bettina Beyer ihr erlernter Beruf als Keramikmalerin zugute.

2000 Jahre Spiel mit dem Licht

Von den Ausstellungen im Kreismuseum zu Zeiten des Internationalen Puppenspielfestivals weiß Bettina Beyer, dass die Schattentheater eine lange Geschichte haben. In China, Indien und Indonesien gibt es sie seit mindestens 2000 Jahren. Die genauen Quellen dieser Theaterform liegen bis heute im Dunkeln.

Fest steht nur, dass Händler im 17. Jahrhundert das Schattenspiel über Persien, Arabien und die Türkei bis nach Europa brachten. Über Italien gelangte es bis zum Königshof nach Frankreich, von wo aus es seinen Siegeszug in viele Familien in ganz Europa antrat. Namhafte Künstler wie Goethe, Schiller oder Brentano schrieben Stücke für das Schattentheater. Bettina Beyer möchte sich nun in die Reihe der Bewahrer dieser Kunst einreihen, die es geschafft haben, das Schattenspiel nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Zum Thema:

Die Einweihung des neuen Schattentheaters ist für den 2. September im Kreismuseum Bad Liebenwerda vorgesehen. Am 10. September will Bettina Beyer mit ihrem Theater zur Schlössernacht im Schloss Elsterwerda fahren. Der Organisator des Internationalen Puppenspielfestivals, Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel, hat seine Zusage für das Festival im Jahre 2012 gegeben.