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Im Bogen um Plessa und Elsterwerda

Elsterwerda. Wenn drei Projekte als unendliche Planungsgeschichte bezeichnet werden können, dann die Bundesstraßen-Ortsumfahrungen für Plessa und Elsterwerda. Seit sage und schreibe 25 Jahren wird daran mehr oder weniger intensiv gearbeitet und reichlich Steuergeld ausgegeben. Manfred Feller

Ob die entlastenden Straßen jemals gebaut werden, kann heute niemand sagen. Fakt sei aber, so Iris Kralack, Referatsleiterin Straßenbau beim Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, dass alle 30 im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes bis 2030 aufgeführten Ortsumfahrungen durch den Bund finanziell untersetzt sind. Also auch die drei Projekte in Elbe-Elster, hieß es dieser Tage während einer großen Runde auf Einladung des Ministeriums mit regionalen Vertretern der Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, der Wirtschaft, von Behörden und Interessenverbänden in Elsterwerda.

"Wir wollen belastbare Zeitabläufe bis zum Start", mahnt der Elsterwerdaer Bürgermeister Dieter Herrchen (parteilos) zu mehr Tempo. "Wir würden uns freuen, wenn wir zum Ziel kommen. Dies wäre für uns hinsichtlich der Geschwindigkeit eine neue Erfahrung", holt er zum Seitenhieb aus.

Auch Landrat Christian Heinrich-Jaschinski baut auf eine höhere Schlagzahl: "Elbe-Elster hat keine Autobahn. Viele Unternehmen sind auf gut ausgebaute Straßen in Richtung Berlin, Dresden und Leipzig angewiesen. Wir erwarten mehr Tempo." Tausende Arbeitspendler möchten ebenfalls zügiger vorankommen. Hinsichtlich der naturschutzrechtlichen Belange, die erneut überprüft werden und natürlich gerichtsfest sein müssen, bietet der Landrat die Unterstützung lokaler Fachleute an, "damit es schneller geht".

Auch Jens Krause, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus, nimmt als Vertreter der Wirtschaft mit Blick auf die elend langen bürokratischen Verfahren in Deutschland kein Blatt vor den Mund: "Entschlacken Sie bitte die Planung. Es muss schneller gehen. So geht es definitiv nicht weiter." (siehe Grafik)

Im Zuge der Variantenuntersuchungen sind immer wieder geschützte Tiere in dem jeweiligen Korridor entdeckt worden, die andere Streckenverläufe zur Folge hatten. Jens Krause stellt den Naturschutz keineswegs infrage, aber bemerkt: "Wir untersuchen alle Tierarten. Die Menschen kommen dabei zu kurz. Sie sind auch zu schützen, weil sie den Fahrzeuglärm ertragen müssen." Die Plessaer und Elsterwerdaer können als Anlieger der Bundesstraßen mehr als ein Trauerlied davon singen.

Die aktuellen Vorzugsvarianten sehen so aus: Die B 169 schwenkt aus Richtung Lauchhammer vor Plessa nach Süden ab. Damit nicht zwei neue Brücken über die Schwarze Elster gebaut werden müssen, soll der Fluss dort verlegt werden.

Die beiden Umfahrungen für Elsterwerda (B 101 nach Norden und die B 169 nach Süden) sollen östlich von Kahla beginnen. Das Dorf wäre in der Ortsmitte entlastet. Der Verkehr würde aber beidseitig vorbeirollen und andere Bewohner belasten. Im weiteren Verfahren wäre dann über den Lärmschutz zu reden. Dies könnte dann auch für die anderen Dörfer und Siedlungen gelten, die tangiert werden.

Zusammen mit dem Straßenbau werde der separat zu planende Hochwasserschutz entlang der Schwarzen Elster bedacht, heißt es weiter. Doch der avisierte Realisierungszeitraum bis 2030 ist Elsterwerdas Bürgermeister Dieter Herrchen zu lang. "Das Risiko ist zu hoch", glaubt er, dass die nächste Hochwasserwelle der Schwarzen Elster schneller sein könnte.

Noch ganz frisch am Planungstisch dieser Ortsumfahrungen des Bundes sitzt seit dem Vorjahr die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges). Sie arbeitet im Auftrag des jeweiligen Gesellschafters. Das sind der Bund und zwölf Bundesländer, darunter Brandenburg. Die Deges hat nach eigenen Angaben in 25 Jahren 1300 Kilometer Autobahnen, Bundesfernstraßen und Landesstraßen gebaut und investiert jährlich bis zu 850 Millionen Euro.

Die Deges-Vertreter verkünden neuen Schwung, der in der Runde durchaus skeptisch aufgenommen wird. Demnach wollen die Planer im zweiten Quartal 2018 die Linienbestimmung für die drei Ortsumfahrungen beim Bund einreichen. Wenn dieser seinen Segen abgegeben hat, können die weiteren Schritte folgen.

Für die aktuellen Vorzugsvarianten sind bereits viele Voruntersuchungen gelaufen - vom Hochwasser- über den Natur- bis hin zum Artenschutz. Da diese schon viele Jahre zurückliegen, müssen die Planungen, Kartierungen und Gutachten aktualisiert werden. Es wird noch einmal Geld ausgegeben. Wenn sich der Baustart erneut um Jahre verzögert, kann die Selbstbeschäftigung von vorn beginnen.

Ob sich tatsächlich etwas bewegt hat, das will das Land nächstes Jahr bei einer neuen Rechenschaftsrunde in Elsterwerda darlegen.