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"Ich möchte mir jeden Tag viel Mühe machen"

Die spanischen Jugendlichen Ruben Lestayo Sanjurjo (l.) und Enrique Fernández Martínez und Petra Schäfer, Personalleiterin bei der Uesa GmbH in Uebigau, freuen sich über die unterschriebenen Ausbildungsverträge. In dieser Woche wurden sie von der Industrie- und Handelskammer bestätigt.
Die spanischen Jugendlichen Ruben Lestayo Sanjurjo (l.) und Enrique Fernández Martínez und Petra Schäfer, Personalleiterin bei der Uesa GmbH in Uebigau, freuen sich über die unterschriebenen Ausbildungsverträge. In dieser Woche wurden sie von der Industrie- und Handelskammer bestätigt. FOTO: Böttcher
Uebigau. Ruben (27) kickt bei SV Lokomotive Uebigau und bestreitet am heutigen Samstag in der Kreisliga West ein Heimspiel gegen Wacker Reichenhain (15 Uhr). Enrique (30) ist hin und wieder gern als Zuschauer auf dem Platz. Bei der Uesa GmbH in Uebigau steuern die jungen Männer in ihre berufliche Zukunft. Die beiden Spanier sind mittlerweile seit gut einem Jahr in Elbe-Elster. Sie sind entschlossen, ihre Chance zu nutzen. Gabi Böttcher

Am Donnerstag hat ihnen Petra Schäfer, Personalleiterin beim Uebigauer Elektro- und Schaltanlagenbauer Uesa, die von der Industrie- und Handelskammer bestätigen Ausbildungsverträge übergeben. Im September beginnen die jungen Männer aus Galizien ihre Ausbildung, die sie nach zwei Jahren als Industrieelektriker abschließen wollen.

Sie sind dann zwei von insgesamt sechs Azubis, unter ihnen zwei Mädchen, die bei Uesa neu starten. Gegenwärtig zählt das Unternehmen, das seine Produkte in der kommenden Woche bei der Hannover Messe präsentiert, 17 Auszubildende. Fünf haben im Februar ausgelernt.

Petra Schäfer stellte vor mehr als einem Jahr gemeinsam mit der Agentur für Arbeit für ihr Unternehmen die Weichen, es mit Lehrlingen aus der Europäischen Union zu versuchen.Unternehmensgeschäftsführer Helmut Hoffmann gab ihr die entscheidende Rückendeckung für diesen neuen Weg, der noch immer ein Experiment ist. Auch wenn bereits während des Praktikums im Frühjahr vorigen Jahres klar war, dass eine Förderung über das Bundesprogramm Mobi-Pro-EU nicht infrage kommen würde, wollte man das Versprechen gegenüber den jungen Leuten nicht brechen, ihnen in Elbe-Elster eine Chance zu geben. Unternehmen und Agentur für Arbeit suchten individuelle Lösungen. Ruben und Enrique erhielten bei der Uesa GmbH Arbeitsverträge und einen Lohn, von dem die jungen Männer ihr Leben fortan bestreiten konnten. Dieses Entgegenkommen erhalten sie auch während ihrer Ausbildung. Von der regulären Ausbildungsvergütung könnten sie - in Deutschland vollkommen auf sich gestellt - nicht leben, erklärt Petra Schäfer. Angesichts der bei immer mehr Unternehmen reifenden Überlegungen, fehlende Interessenten für bestimmte Ausbildungsberufe in der EU zu suchen, erklärt sie deutlich: "Jugendliche, die den Mut beweisen und in ein anderes Land gehen, brauchen eine besondere Unterstützung, die über das normale Maß hinausgeht." So ermögliche das Unternehmen fünf Stunden Deutsch-Unterricht in der Woche.

Von einem Glücksfall in Sachen Betreuung spricht Petra Schäfer und meint die pensionierte Lehrerin Wally Groß. Sie sorgt nicht nur für die wöchentlichen Unterrichtsstunden, sondern fordert die Jungs auch im Alltag zum Sprechen heraus - als ihre "Herbergsmutter". Ruben und Enrique wohnen bei Wally Groß und haben sich dem sanften, aber bestimmten Druck der 65-Jährigen zu beugen, auch in ihrer Freizeit die Sprache zu üben. "Da steht den beiden auch noch ein hartes Stück Arbeit bevor. Ab September kommen zur Alltagssprache die Fachbegriffe hinzu", blickt Petra Schäfer voraus. Sie hat am künftigen Unterrichtsort - dem Oberstufenzentrum in Elsterwerda - schon mal darauf eingestimmt, dass die dortige Klasse spanischen Zuwachs bekommen wird.

"Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir zurückbekommen, was wir Ruben und Enrique an Unterstützung geben", freut sich die Personalleiterin. Sie lobt die beiden: "Sie sind top. Fleißig, dankbar. Da können Sie in die Bereiche, in denen sie arbeiten, hineinhören. Es gibt nichts zu bemängeln." Ein ebenso großes Lob spricht Petra Schäfer dem Ausbildungsleiter Jens Jäger und allen Mitarbeitern aus, die die jungen Spanier im zurückliegenden Jahr mit großer Aufgeschlossenheit betreut haben.

Enrique unterstreicht, dass er alle Aufgaben so gut wie möglich erfüllen wolle. Im Moment hört sich das so an: "Ich will am besten wie kann die Sachen machen." Und Ruben ergänzt: "Ich möchte mir jeden Tag viel Mühe machen." Wenn die Jungs bei Wally Groß weiter gut lernen, werden sie das nach einem weiteren Jahr sicher noch besser formulieren können. Dieser Gedanke von Enrique sitzt da schon fast perfekt: "Es heißt, wenn du gut lernst, kannst du gut leben. Aber in Spanien geht das einfach nicht."

Ruben findet, dass die Ausbildung in Deutschland in der Kombination von Theorie und Praxis besser ist als in Spanien. Enrique: "Theorie ist schnell weg, wenn man nicht praktisch arbeiten."

Zu Weihnachten waren die jungen Spanier zuletzt in ihrer Heimat. Sie geben zu, dass sie schon ein wenig Heimweh haben. Regelmäßig wird telefoniert. Enrique fährt im Juni zur Hochzeit eines Freundes nach Galizien, Ruben im Sommer in den Urlaub.

Zum Thema:
Gegenwärtig absolvieren 22 Spanier und elf Bulgaren in ihrer Heimat Deutschkurse. Sie interessieren sich für 33 Ausbildungsstellen, die von 20 Unternehmen in Elbe-Elster ab dem neuen Ausbildungsjahr zur Verfügung gestellt werden.Die DAA betreut das Projekt und bemüht sich derzeit darum, schon vor den Praktika im Sonmer Kontakte zwischen künftigen Azubis und Betrieben herzustellen.