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| 18:00 Uhr

In Hohenleipisch lebt die dörfliche Tradition
Ährenwerk fürs Landeserntefest

Das ist filigrane Handarbeit, die viel Zeit und Geduld braucht. Zusätzlich zu den Erntekronen fertigen die Hohenleipischer noch zwei Erntekörbe. Neben den „alten Hasen“ Helmut Richter (l.) und Wolfgang Roigk ist Bianca Kretzschmann neu dabei. Sie möchte diese Tradition im Dorf erhalten.
Das ist filigrane Handarbeit, die viel Zeit und Geduld braucht. Zusätzlich zu den Erntekronen fertigen die Hohenleipischer noch zwei Erntekörbe. Neben den „alten Hasen“ Helmut Richter (l.) und Wolfgang Roigk ist Bianca Kretzschmann neu dabei. Sie möchte diese Tradition im Dorf erhalten. FOTO: LR / Manfred Feller
Hohenleipisch. Traditionsbewusste Hohenleipischer fertigen Erntekronen für Neuzelle und Prestewitz. Von Manfred Feller

Diese Arbeit ist nichts für Grobmotoriker und Ungeduldige. Ähre für Ähre in der korrekten Länge vom Halm trennen, haargenau platzieren oder in langen Ketten binden und dann um das mit Heu ummantelte Gestänge supersauber wickeln. Es nimmt kein Ende. Ehe das gewünschte Muster der Erntekrone sichtbar wird, können Stunden vergehen. Aber schon das Zwischenergebnis aus Roggen, Weizen, Gerste und Hafer ist einfach nur beeindruckend.

Ein paar Hohenleipischer, die bäuerliche Traditionen nicht sterben lassen wollen, haben längst bewiesen, dass sie ihr Freizeithandwerk verstehen. „Beim 14. Brandenburger Dorf- und Erntefest im vorigen Jahr in Raddusch haben wir mit unserer Erntekrone unter 18 Bewerbern den 4. Platz belegt. Dabei sind wir nur Amateure und viele andere Profis“, stapelt Hannelore Roigk ein wenig tief.

Die Seniorin gehört der Interessengemeinschaft „TEAM Erntekrone“ in Hohenleipisch an. Vor elf Jahren wurde die Tradition wiederbelebt. Der Kleingartenverein hatte den Anstoß gegeben.

Derzeit befinden sich zwei Erntekronen auf dem besten Weg, Schmuckstücke zu werden. Die große Krone wird in ihrer ganzen Pracht beim 15. Brandenburger Dorf- und Erntefest am 8. September in Neuzelle präsentiert, die kleine beim Prestewitzer Bauernmarkt. Die kreisliche Wirtschaftsförderung und der Kreisbauernverband Elbe-Elster hatten die Landfrauen-, Heimat- und ländlichen Traditionsvereine aufgerufen, Erntekronen für den Bauernmarkt zu fertigen. Bisher gebe es sechs Anmeldungen aus Beutersitz, Bad Liebenwerda, Wahrenbrück, Lindena, Hohenleipisch und Haida. Die Hohenleipischer werden zudem für beide Feste je einen Erntekorb herstellen.

Die große Erntekrone für das Landeserntefest in Neuzelle sieht schon sehr gut aus, ist aber längst noch nicht fertig. Es fehlen die vielen schmückenden Details. Daran arbeiten (v. l.) Helga Richter, Hannelore Roigk und Jana Menzel.
Die große Erntekrone für das Landeserntefest in Neuzelle sieht schon sehr gut aus, ist aber längst noch nicht fertig. Es fehlen die vielen schmückenden Details. Daran arbeiten (v. l.) Helga Richter, Hannelore Roigk und Jana Menzel. FOTO: LR / Manfred Feller

Um so ein Werk überhaupt beginnen zu können, sei präzise Vorarbeit notwendig, versichert Wolfgang Roigk. Der 71-Jährige ist in Hohenleipisch von Anfang an dabei. „Man muss das Getreide zum richtigen Zeitpunkt vom Feld holen“, sagt er und begutachtet über Wochen die Kulturen im weiten Umkreis. Wenn die Halme gerade vom grünen in den gelben Zustand wechseln, die Körner noch nicht zu reif sind, weil sie ansonsten herausfallen, sei der richtige Schnitttermin. Wolfgang Roigk hat in dieser Saison die Gerste von Andreas Jähnigen aus Hohenleipisch erhalten, Roggen und Hafer von den Landwirten aus  Stolzenhain an der Röder und den Weizen von den Bauern aus Sorno.

Einer, der jeden Handgriff beim Binden von Erntekronen beherrscht, ist Helmut Richter. Der 78-Jährige stammt aus der Landwirtschaft. Die Älteren in der Gruppe sind froh, dass sich endlich auch „Nachwuchs“ eingestellt hat. Dazu gehört mit 44 Jahren Bianca Kretzschmann. Ihre Großeltern und Eltern hatten eine Landwirtschaft. Sie ist damit aufgewachsen, aber Zahnarzthelferin geworden. „Ich wollte wissen, wie das geht mit der Erntekrone“, sagt sie. Zweitjüngste in der Runde ist Jana Menzel (49). Nun sind sie gespannt, wie ihre Premierenarbeit in Neuzelle sowie in Prestewitz am 1. September bewertet wird.

Die abschließende Postkarte des 14. Brandenburger Dorf- und Erntefestes 2017 in Raddusch im Spreewald. Die ersten drei Plätze gingen an Erntekronen aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Der abgebildete Erntekorb (Bildmitte unten) stammt jedoch aus Hohenleipisch.
Die abschließende Postkarte des 14. Brandenburger Dorf- und Erntefestes 2017 in Raddusch im Spreewald. Die ersten drei Plätze gingen an Erntekronen aus dem Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Der abgebildete Erntekorb (Bildmitte unten) stammt jedoch aus Hohenleipisch. FOTO: Stadt Vetschau