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| 14:29 Uhr

Idyllisch gelegen
Hohenleipischer Bahnhof wird zu einer Raststätte

Das zurückgebaute Bahnhofsgelände in Hohenleipisch bietet ausreichend Platz für eine reisende Reiterei.
Das zurückgebaute Bahnhofsgelände in Hohenleipisch bietet ausreichend Platz für eine reisende Reiterei. FOTO: Veit Rösler
Hohenleipisch. Wo einst Züge hielten, sind jetzt Reiter und Kremser unterwegs. Von Veit Rösler

Der alte Hohenleipischer Bahnhof wird zur Raststation für den Ländlichen Reit- und Fahrverein Plessa. Bei ihrem jüngsten Wanderritt haben die Plessaer Reiter und das Kremsergespann an dem 2014 außer Dienst gestellten Bahnhof von Hohenleipisch sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rück­weg zur Greifvogelstation Oppelhain eine Rast eingelegt.

Das zurückgebaute Bahnhofsgelände bietet ausreichend Platz für eine reisende Reiterei und damit Überholmöglichkeiten für andere Fahrzeuge. Der traditionelle Sommer-Wanderritt des Ländlichen Reit- und Fahrvereins Plessa führt alljährlich quer durch das Amt Plessa und durch Teile des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft. Diesmal wurde auf dem Weg nach Oppelhain der Streckenbegleitweg der Bahnstrecke Berlin-Dresden genutzt. Dieser wird von der Bahn für Havariefälle neben der Bahnstrecke offen gehalten.

Die Hohenleipischer waren immer stolz auf ihren idyllisch gelegenen und von leichten Hügeln umgebenen Bahnhof am Rande des Waldes, der nach seinem Bau für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Ort sorgte und für viele zum Tor in die große weite Welt, aber auch zum Abschiedsort auf dem Weg zu den Kriegsgebieten des Ersten und Zweiten Weltkrieges wurde.

Am 17. Juni 1875 wurde die Bahnstrecke Zossen – Elsterwerda eröffnet. Im Jahr 1878 wurde in Hohenleipisch eine Station eingerichtet, um den Ort ab dem 15. Oktober 1878 in den öffentlichen Personennahverkehr aufzunehmen. Das Terrain wurde 1887 um einen Güterbahnhof erweitert, um den Bedürfnissen von Hohenleipisch mit seinen zu dieser Zeit 14 Töpfereien und ebenso vielen Ziegeleien zu entsprechen. Der Bahnhof hatte einen Fahrkartenschalter, eine Gepäckabfertigung, eine Laderampe, einen Warteraum, eine Bahnhofsgaststätte und eine Dienstwohnung. Töpferwaren aus Hohenleipisch wurden über den Bahnhof nach ganz Deutschland versendet.

Zu einem dunklen Kapitel gehörte der von hier aus bediente Gleis­anschluss zur Muna, von wo aus über den Bahnhof von Hohenleipisch Munition und Fliegerbomben zu den Kriegsgebieten gebracht wurden. Da die Muna zur Luftwaffe gehörte, soll der Bahnhof von Nazigröße Hermann Göring, dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe, per Bahn frequentiert worden sein. Göring soll die Waldgebiete nördlich von Hohenleipisch auch zur Jagd genutzt haben.

Nach dem Kriegsende im Jahr 1945 war die Bahnstrecke schwer beschädigt. Muna und der Hohenleipischer Bahnhof wurden nicht bombardiert. Zu einem gravierenden Substanzverlust führte jedoch der Abbau des zweiten Streckengleises, das als Reparation an die Sowjetunion abzuliefern war. Erst Ende 1965 war der Gleisabschnitt zwischen Elsterwerda und Golßen wieder mit einem zweiten Gleis ausgestattet. Ab dem Jahr 2014 wurde der Hohenleipischer Bahnhof zurückgebaut und durch einen beidseitigen Haltepunkt auf offener Strecke an der Döllinger Brücke ersetzt.

Das alte Bahnhofsgebäude soll sich derzeit im Besitz eines Eigentümerkonsortiums aus Berlin und Dresden befinden.