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| 16:54 Uhr

Angst macht sich im Ort breit
Hohenleipisch vom Wolfsrudel umzingelt

Wenn sich der Wolf der kleinen Rinderherde am Reesberg in Hohenleipisch nähert, dann büchst sie aus. Der Elektrozaun ist bei drohender Gefahr und Panik kein Hindernis. Landwirt Gottlieb Buffink (r.), hier mit Bürgermeister Lutz Schumann, ist in ständiger Sorge um seine Tiere.
Wenn sich der Wolf der kleinen Rinderherde am Reesberg in Hohenleipisch nähert, dann büchst sie aus. Der Elektrozaun ist bei drohender Gefahr und Panik kein Hindernis. Landwirt Gottlieb Buffink (r.), hier mit Bürgermeister Lutz Schumann, ist in ständiger Sorge um seine Tiere. FOTO: LR / Manfred Feller
Hohenleipisch. Das Raubtier treibt Rinder, Schafe und Rehe immer öfter bis an die bewohnten Grundstücke. Von Manfred Feller

Der Wolf verbreitet Angst in Hohenleipisch. Immer öfter wird er in Ortsnähe gesehen, treibt Wild- und Nutztiere bis an die umzäunten Grundstücke.  „Erst am Mittwoch ist ein Wolf mit sechs Jungtieren bei der Grube Gotthold gesehen worden. Das ist ganz in der Nähe“, weiß Bürgermeister Lutz Schumann. Spaziergänger erzählen von wenig scheuen Einzelraubtieren. Das Familienrudel mit acht Tieren streife vom Naturschutzgebiet um das Forsthaus Prösa bis Hohenleipisch, Döllingen und die Nachbarorte, werde berichtet.

Richtige Unruhe herrschte in der Nacht zum Donnerstag südöstlich der Dresdener Straße in Hohenleipisch. Dort wohnt Gunter Müller. „Bis gegen 3.30 Uhr war ich viermal draußen, weil meine Hunde angeschlagen hatten. Deren Lefzen waren hochgezogen. Die Zähne standen blank“, beschreibt er. Dies sei ein Zustand höchster Erregung vor drohender Gefahr. „Auch die Hunde vom Schäfer haben Radau gemacht, und die Schafböcke haben gebrüllt ohne Ende“, so der 64-Jährige.

Hinter seinem Grundstück erstreckt sich eine abfallende Wiesenlandschaft. Also ein freies Jagdfeld. Immer wieder komme es vor, dass Schafe Schutz suchend von ihrer Weide flüchten und zusammengedrängt in einer Ecke am Grundstück ausharren. „Man konnte sehen, dass auch die Böcke Angst haben, obwohl sie eigentlich furchtlos sind“, hat der Hohenleipischer erlebt.

Auf dem verwilderten Nachbargrundstück haben vier bis fünf Rehe bereits Pfade getrampelt. Seit dem Winter würden sie bei Gefahr dorthin flüchten. „So nah an bewohnte Grundstücke kommen Rehe normalerweise nicht, höchstens wenn sie Futter suchen“, sagt Gunter Müller.

Gunter Müller aus der Dresdener Straße in Hohenleipisch mit seiner Deutschen Schäferhündin Resi, einem ausgebildeten Schutzhund. Schafe, die auf den Wiesen im Hintergrund weiden, flüchten vor dem Wolf immer wieder bis an diesen Zaun. Auf dem verwilderten Nachbargrundstück (l.) suchen Rehe Schutz.
Gunter Müller aus der Dresdener Straße in Hohenleipisch mit seiner Deutschen Schäferhündin Resi, einem ausgebildeten Schutzhund. Schafe, die auf den Wiesen im Hintergrund weiden, flüchten vor dem Wolf immer wieder bis an diesen Zaun. Auf dem verwilderten Nachbargrundstück (l.) suchen Rehe Schutz. FOTO: LR / Manfred Feller

Landwirt Gottlieb Buffink aus Hohenleipisch hat ein ganz anderes Problem: „Meine 18 Rinder und die vier Pferde wollten irgendwann vor Angst nicht mehr auf die Weide. Davor waren sie fast jede Nacht unterwegs.“ Sie sind einfach ausbüchst. Der Elektrozaun sei kein Hindernis gewesen. Und dann die Anrufe der Polizei, dass er doch bitte seine Tiere wieder einfangen möge. Ein Pferd hatte sich einmal im Weidedraht derart verfangen, dass es liegengeblieben war und befreit werden musste. Mit einem Traktor wurde es nach Hause gebracht und musste drei Wochen lang gesundgepflegt werden. Jetzt stehen die Tiere näher am Ort auf der Weide.

Aus Sicht des 74-jährigen Landwirtes könnte dieser Rückzug aus der Weite Folgen haben. Wenn Rinder und Schafe nicht mehr überall gefahrlos weiden können und zurückgezogen werden müssen, „verbuscht“ die typische Landschaft. Teile der Heidelandschaft als Aushängeschild seien dann verloren.

Lutz Schumann, Gunter Müller und Gottlieb Buffink wollen das Raubtier keineswegs verbannen. „Aber er darf sich nicht planlos ausbreiten. Die Bestände müssen reguliert werden“, fordert der gestandene Landwirt. Hundehalter Gunter Müller hat selbst beobachtet und weiß von Augenzeugen, dass die Raubtiere zunehmend ihre Scheu vor Menschen verlieren. Eine besonders gefährlich Mischung entstehe, wenn sich Wolf und Hund paaren. „Das Maß ist voll“, sagt er.

Lutz Schumann, auch Jäger, hat festgestellt, dass dem Wolf das Angebot an Rehen und Frischlingen nicht mehr ausreicht. Die Konkurrenz durch heranwachsende Jungtiere werde weiter wachsen. Das Wild sei schon jetzt total verunsichert.

Schäfer Matthias Möckel hatte zuletzt Anfang Februar bei Gorden mehrere Schafe und Ziegen an den Wolf verloren. Den Schaden habe das Land beglichen. Doch zusätzliche Sicherungsmaßnahmen kosten Geld. So werde zwar das Anschaffen von Herdenschutzhunden (derzeit hat er drei Erwachsene und zwei Junge) gefördert, jedoch nicht der Unterhalt. Bis zu 1000 Euro koste einer im Jahr. Die Hunde helfen. Doch einem Rudel Wölfe, das hier heranwachse, seien sie wahrscheinlich nicht gewachsen.