Da liegt ein Fluss in der Landschaft - verunstaltet und begradigt, in ein von Menschenhand gemachtes Korsett gezwängt. Sein Wasser - einst vergiftet, heute problembeladen. Fließt davon zuviel in seinem Bett, wird das Wasser verflucht; mangelt es daran, ist es heiß begehrt. Unser Heimatfluss, die Schwarze Elster, schien verurteilt zur Knechtschaft bis in alle Ewigkeit. Keine Hoffnung auf ein selbstbestimmtes Dasein, keine Hoffnung auf eine vernünftige Partnerschaft mit den Menschen, die an seinen linierten Ufern leben. Doch nun plötzlich greifbare Hoffnung. Menschen haben sich zu einer Konferenz versammelt. Ein voller Saal und Aufbruchstimmung. Es wird geredet, es wird debattiert. Und der Wille, auch zu handeln, wächst. Menschen brauchen Visionen und Visionäre. Und vorn am Tisch sitzt ein solcher Visionär. Er ist Bürgermeister einer kleinen Stadt am Fluss und hat offenbar die seltene Gabe, in weitläufigen Zusammenhängen zu denken.

Ich gebe es zu, als der Bürgermeister der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, Andreas Claus, vor Jahren mit der Idee an die Öffentlichkeit trat, die Schwarze Elster touristisch zu nutzen - also mit Booten zu befahren - war ich skeptisch. Als selbst verpflichteter Beschützer der Natur hatte ich Bedenken und äußerte diese auch. Denn Tourismus und Naturschutz liegen in einem fortwährenden Spannungsfeld: lärmende Besitznahme durch Menschen und die Sehnsucht des Flusses nach innerer Ruhe. Doch der Visionär Andreas Claus begriff sehr schnell. Er hatte erkannt, dass der vergewaltigte Fluss auch ein Recht auf Freiheit hat. Nämlich das Recht, weitgehend frei dahinfließen zu können. Ein freier Fluss wird an Schönheit gewinnen und in freudvoller Partnerschaft mit den Menschen leben können. Also sprach der Bürgermeister von Renaturierung, Rückverlegung von Deichen. Er suchte Mitstreiter und er fand sie. Zur Flusskonferenz in Falkenberg saßen sie vorn, an einem langen Tisch. Und davor, in dicht gedrängten Reihen, ein teilnahmewilliges Publikum.

Da war ein graugelockter Bundestagsabgeordneter, Stephan Hilsberg, der sich entschlossen als Naturliebhaber zu erkennen gab, bereit zum eigenen Handeln. Da war der Präsident einer Behörde, Prof. Dr. Matthias Freude, der völlig überraschend verkündete, dass es auch an Geld nicht mangeln werde. Aufbruchstimmung also, und Hoffnung für die Schwarze Elster! Es wird viele Jahre dauern, bis der Fluss in Teilbereichen wieder frei dahinfließen wird. Doch wenn es solche Visionäre wie Bürgermeister Andreas Claus gibt, die beharrlich nach Wegen suchen, dass Visionen Wirklichkeit werden, dann keimt Hoffnung. Ich jedenfalls, als Naturschützer, bin bereit ins Boot zu steigen und mitzurudern. Damit es sich in Bewegung setzt!