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| 18:15 Uhr

Thema Hochwasserschutz
Hochwasser-Großbaustelle Mühlberg

Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel auf dem im Jahr 2017 fertiggestellten Überlaufbauwerk. Im Hintergrund ist die Zuckerfabrik Brottewitz zu sehen. In diesem Abschnitt wird in diesem Jahr ein 1680 Meter langer Damm neu gebaut.
Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel auf dem im Jahr 2017 fertiggestellten Überlaufbauwerk. Im Hintergrund ist die Zuckerfabrik Brottewitz zu sehen. In diesem Abschnitt wird in diesem Jahr ein 1680 Meter langer Damm neu gebaut. FOTO: Frank Claus / LR
Mühlberg. Bis 2023 will Brandenburg etwas mehr als 15 Kilometer Elbedeiche neu bauen und etwa 45 Millionen Euro investieren. Von Frank Claus

Auf insgesamt knapp 25 Kilometern muss das Land Brandenburg in der Region Mühlberg in den Hochwasserschutz investieren, um nicht mehr auf ein „Wunder von Mühlberg“ wie beim Jahrhunderthochwasser 2002 hoffen zu müssen. Damals stand das Wasser „Unterkante Oberlippe“. Nur noch wenige Zentimeter haben gefehlt und die Flut wäre über die Dämme getreten und hätte die Elbestadt, Nachbarorte und Flächen bis hin nach Falkenberg überspült. Dass die teils Jahrhunderte alten Dämme dem gewaltigen Wasserdruck stand gehalten haben, war dem enormen Einsatz vieler Helfer an der Einsatzfront zu verdanken.

Damals – im Eindruck der dramatischen Lage – die sich zwar nicht mehr ganz so brisant, aber ähnlich noch zwei Mal entwickelte, gab es immer wieder Beteuerungen der Politik, nun zügig Hochwasserschutzmaßnahmen umsetzen zu wollen.

Die Realität: Noch nicht mal ganz die Hälfte ist geschafft. Auf 9328 Metern sind nach Angaben des Landesamtes für Umwelt Hochwasserschutzmaßnahmen erfolgt. 23,54 Millionen Euro wurden seit 2002 und damit in 15 Jahren investiert.

Der Dammverlauf nahe der Zuckerfabrik. Teilweise verläuft er an der Straße zwischen Mühlberg und Brottewitz.
Der Dammverlauf nahe der Zuckerfabrik. Teilweise verläuft er an der Straße zwischen Mühlberg und Brottewitz. FOTO: Landesamt für Umwelt

Bis 2023, und damit in fünf Jahren, sollen nun weitere 45 Millionen Euro verbaut werden. Fast doppelt so viel Geld in nicht einmal einem Drittel der Zeit?

Begründet wird das inzwischen mit erreichtem Planungsvorlauf. Denn auch wenn es über viele Jahre bei Mühlberg nur geringe Bautätigkeit gegeben habe, in den Planungsstuben sei konsequent gearbeitet worden. So hat Marko Oelze vom Referat Hochwasserschutz und Investiver Wasserbau Mühlberger Einwohnern kürzlich sehr detailliert die künftigen Hochwasserschutzmaßnahmen vorstellen können. Anhand von Karten hat er nach Teilobjekten untergliedert die Vorhaben zwischen Strehla und Gaitzsch erläutert. Neu gebaut werden Dämme, Absperr- und Überlaufbauwerke, Siele und Durchlässe. Hergerichtet werden Polderflächen. Mühlbergs Bürgermeisterin Hannelore Brendel, selbst in zig Sitzungen in die Hochwasserschutzplanungen integriert, sagt: „Das geht nicht alles von Heute auf Morgen und am Anfang ging mir auch Vieles viel zu langsam. Inzwischen bin ich deutlich zuversichtlicher, dass Hochwasserschutz an der Elbe bei Mühlberg sehr ernst genommen wird.“

Schon im vergangenen Herbst haben die vorbereitenden Arbeiten für den nächsten, 1680 Meter langen Abschnitt begonnen, der die Zuckerfabrik Brottewitz endlich hochwassersicher machen soll. 6,33 Millionen Euro sollen bis August 2019 verbaut werden. Dort erfolgt eine Deichrückverlegung bis an die Straße zwischen Mühlberg und Brottewitz. „Ich bin sehr froh, dass wir damit einen der wichtigsten Arbeitgeber in der Stadt endlich vor der Flut schützen können“, sagt Hannelore Brendel. Imposant ist unmittelbar vor diesem Abschnitt das bereits im vergangenen Jahr fertiggestellte Überlaufbauwerk aus Wasserbausteinen. Das sorgt im Hochwasserfall dafür, dass Wasser in eine Retentionsfläche fließen kann. Auch ein Siel mit Fischauffangbecken ist gebaut worden.

Noch in diesem Jahr sind Sicherungsmaßnahmen an der Seeschleuse (Ortsausgang in Richtung Altenau) geplant. Ab September soll dort auf 260 Meter Länge der Damm neu aufgebaut werden – Bauzeit etwa ein Jahr; Kosten 2,6 Millionen Euro.

Marko Oelze zufolge geht es dann direkt ins Mühlberger Stadtgebiet und damit an neuralgische Punkte. Zunächst war geplant, in zwei Bauabschnitten zwischen Hafen - Breitscheidstraße - Seeschleuse zu bauen. Nun will das Landesamt die Maßnahmen gleich komplett durchziehen lassen. Weil dort die Platzverhältnisse sehr gering sind, werden keine Dämme gebaut, sondern Spundwände ins Erdreich getrieben. Für den 1,2 Kilometer langen Abschnitt sind neun Millionen Euro veranschlagt. Los gehen soll es im Oktober 2019. Gebaut wird, so die Planungen, bis Juli 2021.

Bleibt noch das Teilobjekt 4 und damit der knapp fünf Kilometer lange Abschnitt zwischen der Seeschleuse und Gaitzsch. Ebenfalls ein sehr sensibler Bereich, da dort hochwertige Böden der Landwirtschaft von der Deichrückverlegung betroffen wären. Hannelore Brendel: „Ich kann die Landwirtschaft verstehen. Sie hat schon viel Land für Kiesabbau und Hochwasserschutz hergegeben. Und dennoch müssen wir im Interesse des Gemeinwohls zu Lösungen kommen.“

Denn was nütze Mühlberg ein zu Dreiviertel hergestellter Hochwasserschutz, wenn das Wasser durchs letzte Viertel eindringen kann? Sie setzt auf weitere Planungsüberlegungen, bei denen alle Seiten am Tisch sitzen. Dem Landesamt für Umwelt zufolge wäre ein Baubeginn im Jahr 2012 denkbar – jedoch nur, wenn das Vorhaben nicht beklagt wird.